Agility-Hessenmeisterschaften

Im Slalom durch Wassermassen

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Flink, leichtfüßig und möglichst fehlerfrei sollen die Hunde den Agility-Parcours bewältigen. Die Wetterverhältnisse am Sonntag machten dies nicht einfacher.

Offenbach - Sylvia Kusanka wirft einen skeptischen Blick gen Himmel, der sich erneut verdüstert. Von Harald H. Richter

„Hauptsache, wir bekommen die vorgesehenen Läufe einigermaßen durch“, hofft die Obfrau für Agility im Hundesportverband Rhein-Main (HSVRM) und meint die entscheidenden Abschlussdurchgänge zur Landesmeisterschaft 2014. Doch ihr Wunsch erfüllt sich nicht. Am frühen Sonntagnachmittag zieht die nächste Schlechtwetterfront über Offenbach und setzt den Parcours nach Sturzbächen gleichenden Regenfällen zunehmend unter Wasser.

Der Verein für Schutz- und Gebrauchshunde Offenbach (VSGO) um seinen Vorsitzenden Michael Husch ist auf dem Gelände unweit des Waldschwimmbads Rosenhöhe Gastgeber für etwa 140 Starter, die ihre Besten in mehreren Kategorien ermitteln wollen. Der Begriff Agility steht für Wendigkeit beziehungsweise Flinkheit. Kernstück dieser aus England stammenden Hundesportart ist die fehlerfreie Bewältigung einer Hindernisstrecke. Seit den 1980er-Jahren setzt sie sich auch in Deutschland durch, hat aber noch nicht die Popularität und den Stellenwert erlangt wie in Großbritannien.

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Die Vierbeiner sind entsprechend ihres Rückenmaßes in Gruppen eingeteilt. Außerdem gibt es mehrere Leistungsklassen. Um an einem solchen Wettbewerb teilnehmen zu können, müssen sie über einen gewissen Grundgehorsam verfügen und dürfen keine Schädigungen des Bewegungsapparats aufweisen. Einer, der die Entwicklung dieser Hundesportart seit langem aktiv begleitet, ist Thomas Behrendt. Der zwischen seinen drei Hundeschulen in Berlin, Hilden und Jade pendelnde Trainer, für den AT Wiesbaden am Start, gibt seit vielen Jahren erfolgreich Seminare über Hundeausbildung und Agility-Training. Als Teamweltmeister von 1999 hat er mit seinen Hunden alles erreicht, was an Lorbeeren zu gewinnen war, und sich kürzlich mit dem fünf Jahre alten Border Collie Duncan beim Agility International Event Crufts in Birmingham ganz oben in die Siegerliste eingetragen. Nun möchte er behutsam einen weiteren Hund aufbauen und die Erfolgsgeschichte mit einem Sheltie fortschreiben. Diese Hüte- und Begleithunde gelten als intelligent, gutmütig und lernfreudig.

Behrendt ist anzumerken: Er lebt seinen Sport. Anhand eigener Erfahrungen hat er eine Methode entwickelt, wie sich mentales Training beim Agility umsetzen lässt. „Für mich ist der Hund Sozialpartner“, betont er. Behrendt leitet seit vielen Jahren überall in Europa Seminare auf den Gebieten Welpensozialisierung und Problemhundetraining sowie zum Verhältnis zwischen Mensch und Vierbeiner. Er wie Ehefrau Monika, die mit Border Collie Beggan in einer anderen Leistungsklasse antritt, haben sich völlig dem Hundesport verschrieben und investieren eine Menge Zeit in die Weiterentwicklung der Ausbildungsmethodik.

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Ähnliches gilt für Hinky Nickels, der für den gastgebenden VSGO startet. Der gebürtige Luxemburger lebt und arbeitet seit 2002 als Agilitylehrer in Deutschland, wohnt zwar im Westerwald, kommt aber regelmäßig in die Lederstadt, um vier Gruppen Training zu erteilen. Der neunmalige Weltmeisterschaftsteilnehmer strebt im September seinen fünften WM-Titel an. Insofern gelten die hessischen Landesmeisterschaften für ihn und seinen Sheltie namens Pitch als willkommene Vorbereitung dafür. Auch Nickels geht mit einem Neuling an den Start, dem zwei Jahre alten MiG 21, der sich als wendiger ungarischer Rassehütehund präsentiert.

Beobachtet man sie und die anderen Teilnehmer dieser Titelkämpfe, wirkt ihr Tun spielerisch und leichtfüßig. Einzig durch Zuruf beziehungsweise Körpersprache des Hundeführers hat das Tier einen Parcours zu durchlaufen und unter den Augen von Wertungsrichter Marcus Wendel Geräte wie Tunnel, Hürden und Slalom in vorgegebener Reihenfolge flink und fehlerfrei zu bewältigen. Und so flitzen sie auf dem zunehmend nasser werdenden Gelände zwischen den Slalomstangen durch, bis das Wasser aufstiebt. Im Tagesverlauf saugt sich der nasse Boden allerdings voll wie ein Schwamm, so dass aus Gründen der Sicherheit die abschließenden Durchgänge gestrichen werden müssen.

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