Kleine Geste, große Aussage: OFC startet Schulbesuche

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Markus Husterer fungierte für seine Mannschaft eher als Ballverteiler aus dem Mittelfeld. 

Offenbach - In stumpfem Winkel landet der Ball im Mittelfeld. Schnell bildet sich eine Traube Schüler. Von allen Seiten bekommt das Leder Tritte versetzt, aber den Kreis verlässt es nicht. Das Ganze erinnert an die Kugel im Flipperautomaten. Von Sebastian Faerber

Dann gelingt es einem Jungen, das Runde durch die Beine eines anderen in Richtung Eckiges zu kicken. Mit der Motivation, aus seinem Geschick einen Torschuss zu machen, hechtet er dem Ball hinterher. Doch ein Fuß aus der Menge hakt sich ein und bringt ihn zu Fall. Gut einen halben Meter rutscht der Gefoulte auf dem Bauch über den Hallenboden. Lange liegt er nicht auf der Nase, denn ein Spieler der gegnerischen Mannschaft zieht ihn am Arm nach oben.

Eine kleine Geste ganz im Sinne der Aktion „Fair Play siegt“, die gestern ihren Auftakt hingelegt hat: Vertreter und Spieler der Offenbacher Kickers besuchen die Lauterbornschule, um in deren Sporthalle Kindern der zweiten Klassen über Gespräche und Spiele die Bedeutung von Begriffen wie Integration, Toleranz und Teamgeist näher zu bringen. Damit verwirklicht der Traditionsklub eine soziale Idee des Sponsors Lotto Hessen. Edith-Stein-Schule, Albert-Schweitzer-Schule, Buchhügelschule und Eichendorfschule werden die Fair-Play-Boten bis Anfang Mai noch besuchen.

„In der Pause kommt es beim Fußballspielen manchmal zu Streit, die Älteren nehmen den Jüngeren den Ball weg und dergleichen“, berichtet Britta Schlingmann. Die Klassenlehrerin der 2b hatte sich um den Besuch beworben und so ihren Schülern sowie einigen Interessenten aus Parallelklassen diesen Sozialkundeunterricht der anderen Art verschafft. „Wir hatten im Unterricht bereits ein halbes Jahr Konflikttraining, das ist eine gute Ergänzung“, freut sich die Pädagogin.

„Die sind ja diszipliniert!“

„Die sind ja diszipliniert!“, zeigt sich OFC-Sportkoordinator Ramon Berndroth über das Verhalten der Jungen und Mädchen erfreut. Diese stehen parat und spitzen die Lauscher, sobald ein neues Spiel zur Schulung des Teamgeists ansteht. Gut 30 Kinder teilen sich in Teams auf, um sich in einem Wettkampf der Schuhgröße nach in Reihen aufzustellen. Der Trupp, der am kommunikativsten die Treter vergleicht, gewinnt schließlich.

Vielleicht liegt das auch an der Autorität, welche die Kickers-Profis Markus Husterer und Sead Mehic ausstrahlen. „Ich habe viele fußballbegeisterte Jungs in der Klasse“, berichtet Schlingmann. Und die kennen die Spieler gut, die laut Berndroth Aushängeschilder für Gemeinschaftssinn sind. „Wie ist das, wenn man ein Star ist?“, fragt dann auch einer der Fans in einer kleinen Gesprächsrunde. „Das wüssten wir auch gern“, antwortet Berndroth – und kommt damit seinen beiden Spielern zuvor, denen das Lachen noch die Sprache verschlägt.

Dabei zeigt diese Frage doch, dass die Kinder den lokalen Berühmtheiten einiges zutrauen. Für die Vermittlung des Fair-Play-Gedanken ist das sicher eine gute Voraussetzung.

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