Aktionen lohnen sich

Offenbach ‐ Ob die Gesamtwirtschaft boomt, abflaut oder sich gerade wieder erholt – für den Umsatz im Einzelhandel spielt das offenbar vor Weihnachten keine so große Rolle. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Es sind ganz andere Umstände, die entscheiden, wie lang die Schlangen vor den Kassen sind und wie viele Artikel freundliche Verkäuferinnen kunstvoll verpacken. Denn Weihnachtsgeschenke und warme Kleidung braucht schließlich fast jeder im Dezember, und falls das Geld knapp werden sollte, kann man ja woanders sparen. Die Klärung der Frage „Heute shoppen?“ entscheidet der Blick aus dem Fenster und aufs Thermometer. Dabei ist aber nicht die Temperatur an sich verantwortlich, sondern der Straßenzustand.

Das weiß Stefan Becker, Geschäftsführer im Modehaus M. Schneider, schon seit geraumer Zeit: „Das Wetter spielt eine immer größere Rolle. An Tagen wie letzten Mittwoch oder Donnerstag läuft das Geschäft nur schleppend an. Die Verkehrsdichte ist einfach zu hoch in der Region.“ Eine Woche gutes Wetter – das Lieblingswetter der Einzelhändler ist kalt und trocken – gleiche solche umsatzschwachen Tage aber wieder aus. Gerade im Bekleidungssortiment können sich die Händler vor Weihnachten nicht allein auf Geschenkkäufe verlassen: Herrensocken und Krawatten landen nur noch selten unterm Tannenbaum.

Ein früher Kälteeinbruch sorgt schon eher für gute Umsätze, und mit denen ist die Geschäftsleitung des 105 Jahre alten Traditionshauses bisher generell zufrieden. „Unsere Aktionen an den vier Adventssamstagen locken rund 20 Prozent mehr Kunden ins Haus.“ resümiert Becker. Das Programm steht in diesem Jahr unter dem Motto „Märchenhafte Weihnachten“ und hält vom Untergeschoss bis in die dritte Etage allerlei Überraschungen parat, die zum größten Teil an Offenbach gebunden sind. Weine der Villa Vinum, Märchenbücher der Steinmetzschen Buchhandlung, Spezialitäten des Tee- und Kaffeehauses Nummer 15, Schmuck der Designerin Lali Ellis und Blumengestecke im Angebot ersparten den Kunden am 1. Adventsamstag so manchen zusätzlichen Weg. Abwechslungsreich auch das weitere Programm: Starkoch Jörg Zellmann, das „Frankfurter Volkstheater Liesel Christ“, Mundartdichter Dieter Schneider, Fotografin Linde Berdux. Für den 18. Dezember sind „Märchenhafte Verwöhnaktionen“ geplant.

Verwöhnt wird man natürlich nicht nur bei M. Schneider. Im Einkaufcenter KOMM bietet ein kostenloser Garderobenservice die entscheidende Entlastung beim anstrengenden Einkauf. Neben Mänteln und Taschen kann man zwecks stressfreiem Einkauf die lieben Kleinen bei Angeboten wie Puppentheater, Basteln und Plätzchenbacken parken.

Die Kunden haben sich an ganzjährig lange Samstage gewöhnt, das Geschäft geht erst ab 11 Uhr so richtig los. Durch alle Branchen hindurch zeigen sich die Händler sehr zufrieden, im Drogeriemarkt Müller ist zum Teil schon Spielzeug ausverkauft. „Trotzdem ist der Aufschwung im Einzelhandel noch nicht angekommen“, bilanziert KOMM-Manager Armin Bähr. Gutscheine sind wie jedes Jahr der Renner, die kann man gleich am ersten verkaufsoffenen Sonntag 2011, am 2. Januar, von 13 bis 19 Uhr einlösen.

In der Galeria Kaufhof konzentriert sich das klassische Geschenksortiment Uhren/Schmuck/Parfüm gleich hinter dem Eingang. Als Endstation an Heiligabend für Last-Minute-Geschenkekäufer: Dann verwandelt sich die ansonsten weibliche Kundschaft für wenige Stunden in eine männliche. Besonders schön anzuschauen sind im Kaufhof dieses Jahr der völlig neu gestaltete Weihnachtsdeko-Markt im ehemaligen Restaurant und von Modedesigner Wolfgang Joop gestaltete Geschenkkarten.

Konkurrenzlos steht das Ring-Center bei der Auto-Aufbewahrung da: Hier gibt es 1200 kostenlose Parkplätze. Service wird bei der Kinderbeschäftigung groß geschrieben: An allen vier Samstagen betreuen von 10 bis 14 Uhr Pädagogen im fest installierten Kinderland den Nachwuchs mit Basteln, Malen und Spielen. Nebendran erzählt ein sprechender Märchenbaum per Knopfdruck fünf Geschichten.

Dem Umsatz tut das offensichtlich gut, meint Doris Stark, Assistentin der Geschäftsleitung: „Durchweg sind unsere Mieter mit dem Weihnachtsgeschäft sehr zufrieden. Das merken wir auch daran, dass sie hier im Management zur Zeit kaum anrufen. Das kann nur einen Grund haben: Sie haben einfach zu viel zu tun!“

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