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Politiker von Union und FDP fordern für eine bessere Versorgung mit Spenderorganen die Einführung eines Transplantationsbeauftragten in Krankenhäusern mit mehr als 100 Betten.

Offenbach ‐ Die Nachricht von der Nieren-Spende von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier bringt Schwung in die Diskussion über die Bereitschaft zur Organspende. Von Peter Schulte-Holtey

Politiker von Union und FDP fordern für eine bessere Versorgung mit Spenderorganen die Einführung eines Transplantationsbeauftragten in Krankenhäusern mit mehr als 100 Betten.

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Häuser mit Intensivstation und Beatmungsplätzen sollen dazu verpflichtet werden, Arbeitszeit für einen solchen Beauftragten bereitzuhalten, wie der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, sagt. Jährlich müssten etwa 1.000 Menschen in Deutschland sterben, weil kein geeignetes Organ vorhanden sei, hieß es. Die Wartezeiten liegen bei sechs Jahren. Zum Überleben sei bis dahin häufige Dialyse (Blutwäsche) notwendig.

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Oberarzt Dr. Alexander Bentjen vom Klinikum in Offenbach, er ist zusammen mit einem weiteren Mediziner Transplantationsbeauftragter des Krankenhauses, berichtete von großen Anstrengungen, um die Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen. Dies beginne mit der qualifizierten Begleitung von Angehörigen bis zur qualifizierten Hirntoddiagnostik zu jedem Zeitpunkt. Liege seitens des verstorbenen Patienten kein Organspendeausweis vor, so versuchten die Transplantationsbeauftragten zusammen mit den Angehörigen, den mutmaßlichen Patientenwillen zu ergründen. Dies sei in vielen Fällen ein sehr mühsamer Weg; wichtig sei Einfühlungsvermögen.

„Oft stehen religiöse Gründe einer Spende entgegen. Vor allem bei moslemischen Familien stoßen wir häufig auf Bedenken“, so Bentjen. 2009 verzeichnet das Klinikum in Offenbach neun Spender, von denen mehrere Organe entnommen wurden.

Mängel in der Hirntoddiagnostik

Wie kann eine höhere Spendenbereitschaft der Bevölkerung erreicht werden? Nach Angaben des Oberarztes müssten gleich mehrere Hürden überwunden werden: Nur sieben Prozent besitzen einen Organspendeausweis. Zudem gebe es vor allem in kleineren Kliniken weiterhin Mängel in der Hirntoddiagnostik und beim Identifizieren von möglichen Spendern. „Und in größeren Krankenhäusern beobachten wir immer noch bei manchen Ärzten und beim Pflegepersonal Ressentiments gegen eine Organspende.“

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