Die Region wird stetig sicherer

Aktuelle Kriminalstatistik: Betrug ist das Delikt der Zukunft

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Bedenklich ist die Steigerung bei Fälschungs- und Vermögensdelikten. Das Polizeipräsidium hat im September vergangenen Jahres eigens ein Bandenkommissariat ins Leben gerufen, das sich unter anderem mit sogenannten Telefonbetrügereien beschäftigt.

Offenbach/Hanau - Einmal im Jahr holt das Polizeipräsidium Südosthessen Rohrstock und Fleißsternchen raus: Es gibt Zeugnisse. Grund zum Tadel bietet die aktuelle Kriminalstatistik für Stadt und Kreis Offenbach sowie Hanau und den Main-Kinzig-Kreis aber kaum. Nur an einigen wenigen Stellen klemmt’s noch immer. Von Eva-Maria Lill

Was für ein Streber. Wäre das Polizeipräsidium Südosthessen ein Schüler, dann ein ziemlich unbeliebter. Zum Glück. Denn bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2016 gestern in Offenbach gab’s wenig zu meckern. Die Region wird sicherer. 47.369 Delikte zählten die Beamten insgesamt für Stadt und Kreis Offenbach sowie Hanau und den Main-Kinzig-Kreis. Immerhin 1 771 weniger als 2015 und somit ein historisches Tief. Ähnliches Schulterklopfen verdient die Aufklärungsrate. Sie stieg um 2,5 auf 61,5 Prozent – auch ein Rekord fürs Jahreszeugnis. „Ein guter Tag für uns, aber vor allem einer für die Bürger“, sagt Polizeipräsident Roland Ullmann. Aussagekräftiger als der Vorjahresvergleich sei aber die Langzeitentwicklung. Und die klingt durchaus eindrucksvoll: 2004 gab es im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums noch 64.000 Straftaten, jetzt sind es rund 17.000 weniger. „Unter jedem Delikt leiden zunächst die Opfer. Vereinfacht gesagt: Heute gibt es im Jahr 17.000 Opfer weniger als noch vor zwölf Jahren.“

Das Polizeipräsidium liegt dabei sogar besser als der Hessenschnitt. Auf 100.000 Einwohner kommen landesweit 6 672 Straftaten pro Jahr, in der Region bloß 5 364. Ohnehin entwickelt sich Südosthessen gegen den Trend – denn laut aktuellen Statistiken aus Wiesbaden stieg im Land die Summe der 2016 registrierten Straftaten leicht an (+2,2 %, 412.104 Fälle). Die guten Nachrichten ziehen sich durchs Polizeipräsidium Südosthessen. Naturgemäß sei die Zahl der Straftaten gemessen an der Einwohnerzahl in den Städten höher als in kleinen Kommunen, sagt Ullmann. So gab’s im vergangenen Jahr in Offenbach 11.607 Fälle (2015: 12.849), im Kreis 16.811 (17.039), in Hanau 7 910 (8 040) und im Main-Kinzig-Kreis 11.041 (11.212). In den Landkreisen ist die Aufklärungsquote etwas geringer als in den Städten (Offenbach: 65,4 %, Hanau: 65,2 %; Kreis Offenbach: 57,5 %, Main-Kinzig-Kreis: 61 %).

Nach wie vor machen einfache und mittelschwere Delikte wie Sachbeschädigung, Betrug und Diebstahl mehr als Dreiviertel der registrierten Taten aus. Grund zum Aufatmen bietet die Sorgenzahl des vergangenen Jahres: Es gibt weniger Wohnungseinbrüche (1 704 Fälle, -14,1 %). Dies liege vor allem daran, dass Bürger Präventionsideen annehmen, etwa Alarmanlagen installieren oder besser mit ihren Nachbarn kooperieren. Grund zum Stirnrunzeln hingegen: Die Aufklärungsquote sank von 25,2 auf 19,5 Prozent.

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Neue Magenschmerzen bereiten Autoaufbrüche (1 763, +16,4  %), immer mehr Gruppen hebeln gezielt Firmenwagen auf und entwenden hochwertiges Werkzeug. „Hier können wir nicht zufrieden sein“, gibt Ullmann zu. Größeres Stirnrunzeln als die Automarder rufen aber Fälschungs- und Vermögensdelikte hervor: Das Plus von 6,5 Prozent auf 9 841 Fälle ist bedenklich. „Betrug ist das Delikt der Zukunft“, fasst Ullmann zusammen. Besonders beliebt sind Betrügereien im Internet (+21,1 %). Der Zuwachs liege vor allem an einem Fall aus dem Kreis Offenbach, bei dem Männer gefälschte Kunstwerke im Internet verkauften. Auch der Niedrigkurs der Zinsen trage zu einer Anfälligkeit für Finanzschwindeleien bei.

Gewaltverbrechen wie Tötung, Raub, Vergewaltigung und Rohheit nehmen hingegen weiter ab (1 427, -2,8 %). 2016 wurden dem Präsidium 41 Tötungsdelikte bekannt – 30 davon blieben beim Versuch. Die Beamten konnte im vergangenen Jahr jedes dieser Verbrechen aufklären.

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Straßenräuber hatten ebenfalls kein gutes Jahr – ihre Erfolgsquote sank auf den niedrigsten Stand seit Gründung des Polizeipräsidiums Südost-hessen 2001 (174 Fälle, -24 % im Vergleich zu 2015). Auch die Fälle von Körperverletzung in Stadt und Kreis Offenbach gingen zurück (121 bzw. 165 Delikte). Anders in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis. Hier stiegen die Registrierungen um 14,3 beziehungsweise 24,5 Prozent. Das liege auch daran, dass es in Hanau ein großes Erstaufnahmelager für Asylsuchende gebe, sagt Ullmann. „Wir nehmen die Sorgen der Bürger ernst“, verdeutlicht der Polizeipräsident. Aber: Die Zahlen sprechen eindeutig gegen gesteigerte Gewaltbereitschaft von Flüchtlingen. Nur zwei Prozent aller Verbrechen entfallen auf diese Menschengruppe. Von 1 866 von ihnen begangenen Taten beziehen sich 847 auf Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz. Von 225 Körperververletzungen waren in 164 Fällen sowohl Täter als auch Opfer asylsuchend, 144 Übergriffe ereigneten sich in Gemeinschaftsunterkünften. Grund: das Leben auf engem Raum.

„Unser Job wird nicht leichter“, fasst Ullmann zusammen. Besonders die Terrorprävention fordert die Beamten. Auch personell – etwa bei Großveranstaltungen.

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