Al-Wazir setzt aufs Kollektiv

Offenbach - Maßgeschneidert. Selten passt es treffender, als die Stadtverordneten die Drucksache 167 beraten: Darin schnürt der Magistrat die Vorbereitung zur Wahl eines Bürgermeisters und eines Stadtrats. Von Martin Kuhn

Und die Ausschreibung ist punktgenau auf jene Kandidaten zugeschnitten, welche die beiden großen Koalitionäre als Nachfolger für die bisherigen Hauptamtlichen Birgit Simon (Grüne), Michael Beseler (SPD) und Paul-Gerhard Weiß (FDP) vorsehen: Für die ehemalige Öko-Partei ist’s Peter Schneider, für die Sozialdemokraten Dr. Felix Schwenke.

Tarek Al-Wazir nennt’s im Plenum „kein Geheimnis“, dass es offenbar ein Verhandlungsmarathon war, bis eine von den Grünen favorisierte Vierer-Variante zur Dreier-Lösung schrumpfte. Ihm ist wichtig, dass die Stelle eines vierten hauptamtlichen Stadtrats nicht aus der Hauptsatzung gestrichen ist. Eine Hintertür, falls drei letztlich doch einer zu wenig sind? Die Vermutung drängt sich auf, zumal die Opposition den Dezernats-Zuschnitt als falsch erachtet.

FDP: OB überschätzt sich - oder unterschätzt die Aufgaben

Bekanntlich klaffen in der selbst ernannten Kreativstadt die Einnahmen und Ausgaben immer weiter auseinander. Folglich vermisst Liberalen-Fraktionschef Oliver Stirböck ein „starkes Finanz- und Wirtschaftsreferat“. Er fragt sich, „ob die thematischen Zuschnitte geeignet sind, die Offenbacher Probleme anzugehen“. Als Beispiel nennt Stirböck das städtische Klinikum: Es dem Gesundheitsreferat zuzuordnen sei „wirr“. Auch das, was künftig Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) in seinem Dezernat vereint, findet nicht den Beifall der FDP: „Entweder der OB überschätzt seine Person, oder aber er unterschätzt die Aufgaben.“

Ähnliche Kritik von den Linken. „Schule und Bildung gehören nicht auseinander gezupft“, findet Fiona Merfert. Das sieht Al-Wazir, der bekanntlich die Grünen-Fraktion im Landtag führt, anders: „Schulpolitik hat im Lokalen wenig mit Inhalten zu tun.“ Eine Art Zuständigkeitsgerangel mag er im künftigen Magistrat (Wahl: 3. Mai) nicht erkennen, obwohl die Grünen ursprünglich einen anderen Zuschnitt favorisierten: „Es kommt darauf an, dass die Dezernenten gut miteinander arbeiten“, lautet die diplomatische Lösung.

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