Alarmierende Zahlen einer Studie

Offenbach: Stadt der Nichtschwimmer?

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Sie können es und haben Spaß dabei: Schülerinnen von Lauterborn- und Humboldtschule beim Schwimmwettkampf für Grundschulen auf der Rosenhöhe.

Offenbach - Nur etwa 50 Prozent der Zehnjährigen können laut einer Studie der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft schwimmen. Von Matthias Dahmer 

Offenbach liegt im Trend: Eine Umfrage unter 2100 Schülern an zehn der insgesamt 15 Grundschulen im vergangenen Dezember hat bestätigt, dass sich in der vierten Klasse (ab der dritten gibt es Schulschwimmen) nur etwas mehr als die Hälfte über Wasser halten kann. Konkret: Bei den Mädchen zählten 57 Prozent zu den Schwimmern und 43 Prozent zu den Nicht-Schwimmern, bei den Jungen war das Verhältnis 52:48. Noch bedenklicher sind die Zahlen bei den Erstklässern, bei denen das Schulangebot noch nicht greift: Von den Jungs konnten 82 Prozent nicht schwimmen, bei den Mädchen waren es knapp 73 Prozent.

Die Sportstadt Offenbach auf dem Weg zur Nichtschwimmerstadt? Schulsportkoordinator Eddy Schneider versucht seit Jahren gegenzusteuern. Es ist ein mühsamer Kampf an vielen Fronten, wie sich im Gespräch mit ihm zeigt. Erstmal macht Schneider klar, dass für ihn eine Sportstadt ohne Schwimmbad schlicht undenkbar ist. Zudem nehme das Schwimmen grundsätzlich eine Sonderrolle unter den Sportarten im vom Ballsport geprägten Offenbach ein. „Schwimmen ist ein Kulturgut und elementar wichtig“, sagt der 59-Jährige, der seit mittlerweile 13 Jahren den Schulsport in Offenbach koordiniert und die Stadt bei dem Thema fachlich berät.

„Das Becken ist da, es entstehen keine Baukosten“

Ganz oben auf seiner Prioritätenliste steht eine Maßnahme, die nicht nur dem Schulsport, sondern den Offenbachern generell zugute kommen würde: Die Möglichkeit, auch im Winter das 25-Meter-Becken (Nichtschwimmerbecken) auf der Rosenhöhe nutzen zu können. Bislang werden Grundschüler im Winter zum Schwimmenlernen ins Bädchen der Marienschule gepfercht. Auf der Rosenhöhe wäre die Verlängerung der winterlichen Traglufthalle nötig, die sich bislang nur übers große Becken spannt. Das würde rund 150.000 Euro kosten, hat Matthias Wörner, Chef des Badbetreibers EOSC, ausgerechnet.

Bei einer Beurteilung, ob sich so etwas realisieren lässt, halten sich Wörner und Schneider angesichts der Finanzsituation der Stadt zurück. Ein Vergleich liegt in diesen Tagen jedoch auf der Hand: Der erforderliche Betrag wäre die Hälfte dessen, was die Stadt nun für die gescheiterte Mission Olympic zusammenkratzen muss. Eddy Schneider hält es für dringend geboten, „trotz schmalstem Etat“ das Vorhaben anzupacken. „Das Becken ist da, es entstehen keine Baukosten.“

Sponsoren müssen mit ins Boot

Mit Sicherheit weniger kostspielig, aber für den Koordinator ebenso wichtig: Eine Kooperation von EOSC und Schulen bei der Ausbildung der Grundschüler. Schneider schwebt vor, dass ein Trainer des Vereins den Kindern das Schwimmen beibringt, die Lehrer, die mitunter gar nicht die nötigen Fähigkeiten haben, nur begleitend am Beckenrand stehen. Willkommener Nebeneffekt: Der Verein wird noch früher und umfassender als bisher auf Talente aufmerksam.

Bei der Finanzierung eines solchen Projekts müssten Sponsoren ins Boot geholt werden. Eddy Schneider weist auf Unternehmen wie EVO, Siemens oder Hyundai hin, die in Frage kämen. Er teilt das Bedauern, dass derzeit Sponsorengeld vor allem in kulturelle Projekte fließt. Ein weiterer Aspekt und ein „schwieriges Thema“ beim Bemühen, Kindern das Schwimmen beizubringen, seien mitunter die Eltern. Bei Elternabenden setzte man auf Aufklärung, sagt Schneider. Und in der Grundschule sei das noch einfacher als in den höheren Klassen.

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