Den heimischen Himmel in der Hand

+
Intime Momente zwischen Mark (Sebastian Schwiecker) und Toni (Jenny-Ellen Riemann) sind im Spielfilm „Uranophobie“ selten

Offenbach - Das Blaue vom Himmel versprechen und aus allen Wolken fallen: In „Uranophobie“ haben drei Uniabsolventen Angst vor den eigenen Möglichkeiten und scheitern an der Zukunft. Im 30-minütigen Film von Alicia Rost spielt Offenbach eine tragende Rolle. Von Eva-Maria Lill 

Furcht ist ein ganz schlechter Gefährte. Das weiß auch Alicia Rost. Doch im Gegensatz zu ihren Protagonisten lässt sie sich vom launigen Panikmonster nicht lähmen. Mit „Uranophobie – Die Angst vor dem Himmel“ hat sie jüngst das Master-Studium in Darmstadt abgeschlossen. Auf ihren Film zum Thema „Visuelles Design in Digitalen Medien“ bekam sie eine glatte Eins. „Ich hätte nie gedacht, dass es so gut läuft“, freut sich die 28-Jährige über den Erfolg.

Zukunftsängste in Energie ummünzen, ja, das kann die gebürtige Frankfurterin. Mit ihrem Freund und künstlerischem Weggefährten Rafael Bujotzek gründete sie 2013 die Firma InZwischenZeit. Das Herzensprojekt produziert nicht nur Spiel-, sondern auch Werbe- und Imagefilme. Alicias Steckenpferd bleibt allerdings das Geschichtenerzählen. „Ich habe das Schreiben bereits geliebt, bevor ich schreiben konnte“, schmunzelt die Wahl-Offenbacherin. 2007 beginnt sie das naheliegende Germanistik-Studium an der Goethe-Universität, bricht aber nach nur einem Semester ab. „Das war mir viel zu theoretisch.“

Förderpreis für Kurzgeschichten

Lieber schwelgt sie in fiktiven Welten. Einige ihrer Kurzgeschichten sind ausgezeichnet, zweimal hat sie den Förderpreis des jungen Literaturforums Hessen-Thüringen gewonnen. Auch „Uranophobie“ ist ursprünglich Literatur. „Bei einem Workshop habe ich meinen Lektor Marcel kennengelernt“, erzählt Alicia, „Er meinte: Mensch, mach doch lieber nen Film draus.“ Ein Jahr lang schreiben die beiden die Geschichte um, an neun Drehtagen wird aus Text bewegtes Bild. „Ich habe eigentlich erst jetzt verstanden, dass sich Literatur und Film nicht ausschließen. Ich möchte erzählen. In welchem Medium ist mir letztendlich egal“, gibt Alicia zu. Die meiste Zeit verbringt das Team in Frankfurt und Offenbach. „Mein Protagonist wohnt an der Ludwigstraße“, so die Regisseurin.

Lesen Sie dazu auch:

Unter heimischem Himmel

Witziger Werbespot überzeugt

Mark (Sebastian Schwieker) ist ein Fremdkörper im geschäftigen Treiben. Er traut sich nicht zu springen, geistert regungslos durch sterile Büroräume. Selbst seine große Liebe Toni (Jenny-Ellen Riemann) dringt nicht durch die Fassade. Obwohl es nach der Uni leicht wäre, den Kontakt zu ihr und seinem besten Freund Flo (Pedro Stirner) zu wahren, verlieren sie sich aus den Augen. Bis ein Schicksalsschlag Mark erkennen lässt, dass Fallen so viel leichter ist als Fliegen...

Die erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten

Die erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten

Mehr als 9000 Euro hat die Produktion gekostet. Das Geld bezahlt Alicia aus eigener Tasche. Am teuersten sind Catering und Fahrtkosten, die Ausrüstung ist geliehen und die Darsteller arbeiten ehrenamtlich. „Ich habe für die drei Hauptrollen professionelle Schauspieler gesucht. Rund 2500 Bewerbungen sind eingegangen“, erinnert sich Alicia. Die Entscheidung trifft sie aus dem Bauch heraus: „Jemand betritt den Raum und es muss kribbeln. Du musst denken: Ja, jetzt beginnt mein Text zu leben.“

Mittelfristiges Ziel ist es, den Film auf Festivals zu platzieren. Der Grundstein ist gelegt, im November läuft der Streifen auf dem Hessischen Hochschulfilmtag. „Ich denke, dass ,Uranophobie’ kritisch und zornig genug ist, um als Kunstwerk zu punkten“, glaubt Alicia. Eine ausgeklügelte Farbsymbolik, Ebenensprünge und Kameraspielereien: Ihr Film ist eine Ménage à Trois, die vom stillen Bild des Scheiterns lebt.

Filmdreh auf dem Offenbacher Friedhof

Kommentare