Aktionstag zum richtigen Umgang mit Alkohol

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Gar nichts oder gar mehr als sieben Gläser? Regine Juch-Edinger von der Caritas Suchtberatung zeigt auf das Ergebnis einer Straßenumfrage zum wöchentlichen Alkoholkonsum.

Offenbach - Eine Party unter Jugendlichen ohne Alkohol? Undenkbar. Ein Grillabend mit Freunden ohne Bier? Die absolute Ausnahme. „Die Gesellschaft geht unglaublich sorglos mit Alkohol um“, sagte Silvia Altmannsberger. Von Sonja Achenbach und Veronika Szeherova

„Oft heißt es: ,Trink einen Schnaps, dann ist alles wieder gut’. Der Alkohol ist anerkannt, gehört dazu. “ Das wurde für sie zum Verhängnis. „Ich hatte bereits mit 16 die Sucht in mir, wenn ich trank, kannte ich kein Maß. “ Heute hat sie dem Alkohol abgeschworen und hilft als Geschäftsführerin der Selbsthilfegruppe Kreuzbund anderen Betroffenen.

Altmannsberger ist eine der Aktiven, die sich am Mittwoch beim Aktionstag in der Fußgängerzone für einen maßvollen Umgang mit Alkohol einsetzten. Das Präventionsprojekt HaLT (Hart am Limit) intiierte einen solchen Tag hessenweit an 13 Standorten innerhalb der Aktionswoche Alkohol. In Offenbach beteiligten sich Institutionen der Suchthilfe, Selbsthilfegruppen und Behörden unter dem Motto: „Alkohol? Weniger ist besser!“ Mechthild Rau vom Suchthilfezentrum Wildhof stellte klar: „Es geht nicht darum, Alkohol zu verteufeln, sondern seinen Konsum in maßvolle Bahnen zu lenken.“

Zahl der Komasäufer steigt

Nimmt doch die Zahl der Jugendlichen zu, die sich ins Koma saufen. An sie richtet sich HaLT hauptsächlich. Eine Säule des Projekts ist der Besuch von Jugendlichen mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus, die zweite Säule umfasst Maßnahmen, mit denen die Kommunen Einfluss auf den Konsum nehmen können – etwa durch Aufklärung an Schulen, Kooperation mit Vereinen und Festveranstaltern, Gemeinden, Polizei und Ordnungsamt.

Doch auch ältere Menschen greifen zunehmend zur Flasche. Darauf wies Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel hin, Schirmherr des Aktionstags: „Vereinsamung spielt eine große Rolle, die egoistisch ausgelegte Gesellschaft, die Fokussierung aufs Erwerbsleben.“ Er freute sich, dass Gesundheitssport in den Vereinen sehr gut angenommen wird – auch eine Vorbeugungsmaßnahme gegen Sucht. Denn: „Ist man einmal Alkoholiker, bleibt man es für den Rest des Lebens, auch wenn man trocken ist“, warnte Gudrun Schüler vom Stadtgesundheitsamt.

Ein Glas Bier oder Wein das empfohlene Maximum

Ein Bier oder ein Glas Wein sind das pro Tag empfohlene Maximum. In der Offenbacher Fußgängerzone waren Passanten dazu aufgefordert, ihren durchschnittlichen Konsum durch Klebepunkte an einer Tafel offenzulegen. Repräsentativ sei das Ergebnis aber nicht, erklärte Rainer Ummenhofer von der Fachstelle für Suchtprävention. „In Schulklassen hängen wir die Tabelle meist an die Rückseite der Tafel. So ist die Aussage anonym und die Schüler trauen sich mehr.“

Aber was passiert, wenn wirklich zuviel getrunken worden ist? Ist die Reaktionszeit noch mit der im nüchternen Zustand vergleichbar? Am Stand von Karsten Krause, zentraler Jugendkoordinator der Polizei, konnte das ausprobiert werden. Auf einem weißen Quadrat leuchteten blaue und grüne Punkte auf. So schnell wie möglich sollten nur die blauen Punkte berührt werden. Wer einen grünen traf, hatte einen Fehler gemacht. In jedem Fall leuchteten sofort neue Punkte auf. Zeit und Fehler wurden gemessen. Einmal nüchtern und dann gleich nochmal mit der sogenannten Promillebrille.

Im zweiten Fall dauerte die Aufgabe gleich in gutes Stück länger und die Fehler wurden deutlich mehr. Mit der Brille war es knifflig. Die Fläche schien sich zu biegen, das Gesichtsfeld war um ein Vielfaches eingeschränkt. „Im Straßenverkehr könnte jeder Fehler ein Mensch sein“, so Krause. Auch die eigene Sicherheit setzten viele aufs Spiel. Wer vom regelmäßigen Konsumenten schon die Schwelle zur Abhängigkeit überschritten hat, fand viele offene Ohren. „Wer sich nicht getraut hat, weiß jetzt zumindest, dass es uns gibt und wir helfen“, fasst Silvia Altmannsberger die Hoffnungen der Verantwortlichen zusammen.

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