Zehn Monate für prügelnde Trinker

Alkohol und Gewaltrausch

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Offenbach - Richter Manfred Beck ist sicher an einiges gewöhnt.

Deshalb muss die Luft im Sitzungssaal 103 schon bemerkenswert geschwängert gewesen sein, als er einen Fall von schwerer Körperverletzung verhandelte: Dass der Raum zum Treffpunkt schwerer Alkoholiker geworden sei, habe man schnell an den sich verbreitenden Ausdünstungen erkennen können, berichtet Beck. Angeklagt waren ein 60-jähriger und ein 46-jähriger Deutscher. Opfer ist ein 48-jähriger Deutsche polnischer Herkunft. Vor Gericht ergab sich diese Geschichte: Die beiden Arbeitslosen feiern im Juli 2013 den Geburtstag des Älteren auf dessen Obertshausener Terrasse. Dann sehen sie ihren Trinkkumpel vorbeigehen, der dem Jüngeren 15 Euro schuldet. Er solle „sein Hartz IV“ abholen und die Schulden begleichen, rufen sie ihm zu.

Doch der Angesprochene geht lächelnd weiter, um Wodka für eine Feier mit einem väterlichen polnischen Freund (inzwischen verstorben) zu kaufen. Als er wieder vorbei kommt, werden die Angeklagten erneut fordernd. Als er meint, sie müssten noch warten, weil er noch nicht am Geldautomaten gewesen sei, dreht das Duo durch: Man fühlt sich veräppelt; der 46-Jährige streckt den 48-Jährigen mit einem Faustschlag nieder; dann treten beide auf den am Boden Liegenden ein. Laut Richter Beck sind die vom Alkohol berauschten Männer in einen Gewaltrausch geraten.

„Früher oder später wieder gewalttätig“

Von Passanten, die sich einmischen wollen, lassen sie sich nicht aufhalten. Sie reißen dem Mann das Hemd vom Körper. Erst die Sirene der Polizei stoppt sie. Der Jüngere hat eine Blutalkoholkonzentration von 2,3, der Ältere von 3,4 Promille. Das Opfer liegt bei etwa 1,4 Promille. Obwohl er stark aus dem Mund blutet, will der Mann nicht ins Krankenhaus. Er befürchtet wohl, dort in die Entgiftungsstation zu kommen. In den nächsten Wochen lässt er sich sein Schweigen von den Angeklagten mit Alkohol abkaufen.

So kommt er zunächst der Ladung als Zeuge nicht nach und muss von der Polizei ins Gericht gebracht werden. Dort belastet er aber nun doch seine Peiniger. Da sich seine Aussage mit der einer Passantin deckt, kann das Gericht den Fall aufklären. Ein Sachverständiger bescheinigt den Tätern, dass sie nicht schuldunfähig gewesen seien, so extrem wie sie an Alkohol gewöhnt seien. Manfred Beck verhängt jeweils eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten. Die müssen die Männer mangels einer positiven Sozialprognose auch absitzen. „Leider ist damit zu rechnen, dass die Männer früher oder später wieder gewalttätig werden“, befürchtet der Richter.

tk

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