Alle reden über das liebe Geld

Offenbach ‐ Am Donnerstagabend wagte die Stadtverwaltung eine Premiere: Die öffentlichen Finanzen sollen transparenter werden und jeder mitreden dürfen. Von Veronika Szeherova

Beim „Bürgerforum Haushalt“ erklärte Offenbachs oberster Kassenwart im Rathaus mit welchen Erträgen und Aufwendungen im nächsten Jahr zu rechnen sein wird. „Die Bürger haben ein Recht darauf, mit einbezogen zu werden und genau zu erfahren, was mit öffentlichen Geldern geschieht“, sagte Stadtkämmerer Michael Beseler.

Fragen und Anregungen nimmt die Stadtverwaltung auf ihrer Internetseite entgegen.

Außerdem erhoffe er sich wertvolle Hinweise aus dem Plenum sowie einen Überblick darüber, welche Themen den Bewohnern der Stadt besonders am Herzen liegen. Bei etwa 5.000 Haushaltspositionen sei es durchaus sinnvoll, diese zu hinterfragen und zu diskutieren. Zunächst veranschaulichte Beseler anhand einer Computer-Präsentation, wie es um die finanzielle Lage Offenbachs bestellt ist und wie der Haushaltsplan für 2010 aussieht. Insgesamt will die Stadt im kommenden Jahr 27,8 Millionen Euro investieren, davon allein zwölf Millionen Euro in den Schulbereich.

Möglichst Firmen aus der Region beauftragen

Im Publikum wurde Kritik laut, für die Bauarbeiten würden die billigsten - auch ausländische - Firmen beauftragt, die hier keine Steuern entrichten würden. Es solle mehr auf die Qualität der Arbeiten als auf die Kosten geschaut werden und möglichst Firmen aus der Region beauftragt werden. Beseler erteilte dieser Forderung eine Absage: „Die Stadt ist verpflichtet, aus Ausschreibungen die Firma auszuwählen, die die erwünschte Leistung und Qualität zum kleinstmöglichen Preis bietet.“ Ein Besucher bemängelte, die Stadt würde zu viele Maßnahmen rein kosmetischer Art ausführen, die aber kein Geld einbringen. „Wir müssen etwas für die Stadtkultur tun, damit sich die Bewohner wohl fühlen“, erwiderte Beseler. „Außerdem müssen Sie bedenken, dass Maßnahmen wie die energetische Sanierung in der Zukunft viel Geld sparen werden.“ Das Publikum zeigte sich mit dem Bürgerforum im Allgemeinen zufrieden: „anschaulich und verständlich rübergekommen“, „auch für Leute geeignet, die es nicht so mit Zahlen haben“ und „nicht gelangweilt“ kommentierten die Besucher im Anschluss die Veranstaltung. Den Bürgern wurde im Vorfeld die Möglichkeit geboten, im Internet Fragen zu stellen. Für Beseler steht bereits fest: „Nächstes Jahr soll es eine Neuauflage des Bürgerforums Haushalt geben.“ Doch auch abseits der öffentlichen Veranstaltung gibt es weiterhin die Möglichkeit, im Internet Fragen zum Haushalt zu stellen. „Wir werden so schnell wie möglich jede Anfrage beantworten“, versprach der Stadtkämmerer.

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