Polizeipräsidium Südosthessen lässt am Buchhügel neu bauen

Bald alle 900 Mitarbeiter unter einem Dach

Luftiger Innenhof: Das neue Polizeipräsidium am Buchhügel soll ab dem Jahr 2020 nicht nur den Mitarbeitern optimale Arbeitsbedingungen bieten, sondern auch den Bürgern offenstehen. - Simulationen: Dohle und Lose Architekten
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Luftiger Innenhof: Das neue Polizeipräsidium am Buchhügel soll ab dem Jahr 2020 nicht nur den Mitarbeitern optimale Arbeitsbedingungen bieten, sondern auch den Bürgern offenstehen.

Offenbach/Hanau - Ein scheinbar ewig währendes Geduldspiel ist zu einem Ende gekommen. Der Vertrag zum Bau des neuen Polizeipräsidiums Südosthessen ist gestern in Offenbach unterzeichnet worden, ab Sommer 2018 soll gebaut werden. Von Sebastian Schilling

Es habe einen Zeitpunkt gegeben, als man im Scherz gesagt habe: „Niemand hat die Absicht, ein Polizeipräsidium zu bauen.“ Doch diese Zeiten, von denen Jan-Hendrik Goldbeck spricht, sind nun endgültig vorbei. Vertreter von Stadt und Land, der Polizei und der Baufirma Goldbeck haben sich im jetzigen Polizeipräsidium an der Geleitsstraße versammelt, um ihre Unterschrift unter den Vertrag zur Errichtung des Neubaus zu setzen.

Die Erleichterung darüber ist allen Beteiligten anzusehen. Über viele Jahre hatten sie darauf hingearbeitet, der Vergabeprozess war langwierig und quälend. Schon 2009 erwarb die Stadt Offenbach das 36.000 Quadratmeter große Grundstück am Buchhügel. Danach musste erst geklärt werden, ob das Land Hessen das neue Präsidium als Bauträger in Auftrag geben, oder eine öffentlich-private Partnerschaft eingehen solle. Auf Letzteres hatte man sich schließlich verständigt.

Die Baufirma Goldbeck, die das Vergabeverfahren für sich entscheiden konnte, wird das neue Präsidium bauen und betreiben. Das Land Hessen ist Mieter. „Auf die vereinbarten 30 Jahre gerechnet, ist das um 15 Prozent wirtschaftlicher als die Eigenbauvariante“, sagt der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) bei der Pressekonferenz. Schäfer zufolge bietet dieses Arrangement große Vorteile: Denn einerseits werde das neue Präsidium exakt nach den Wünschen und Bedürfnissen der Polizei gebaut. Andererseits trägt der Investor die Kosten in Höhe von 137 Millionen Euro. Das Land steuert lediglich das Grundstück bei, für das es der Stadt Offenbach zehn Millionen Euro zahlt. Auch aus der Sicht des Investorenkonsortiums – bestehend aus der Firma Goldbeck Public Partner GmbH und Amber Infrastructure Gmbh – ist das ein attraktives Geschäft: Über die 30 Jahre wird das Land insgesamt rund 400 Millionen an das Konsortium überweisen.

Die Polizeibeamten dürfen sich jedenfalls auf ein modernes Gebäude freuen, in dem endlich alle Kolleginnen und Kollegen Platz haben. Momentan seien alle zum Polizeipräsidium Südosthessen gehörenden Abteilungen auf elf Liegenschaften verteilt, sagt Polizeipräsident Roland Ullmann. 240 Mitarbeiter arbeiten momentan noch im Präsidium an der Geleitsstraße, der Rest der insgesamt rund 800 Kollegen verteilt sich auf Stadt und Kreis. Da fällt die Kommunikation mitunter schwer, sagt Ullmann. Doch jetzt ist „der Grundstein für moderne Arbeitsbedingungen“ gelegt, so der Polizeipräsident. Die Aufklärungsquote seiner Beamten steige seit Jahren, doch „dieses Sicherheitsniveau zu halten, erfordert eine gute Ausstattung“, sagt Ullmann. Er betont, dass sich die Polizei als familienfreundlicher Arbeitgeber verstehe. Deshalb wird es im neuen Präsidium neben Sport- und Fitnessräumen auch eine Kita geben. Diese soll auch Anwohnern in der Umgebung zur Verfügung stehen, sofern nicht alle Plätze von den Kindern der Mitarbeiter belegt sind.

Großkontrolle auf Offenbacher Taunusring: Bilder

Großkontrolle auf Offenbacher Taunusring: Bilder
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Wie viele Mitarbeiter genau im neuen Präsidium arbeiten werden, ist noch nicht ganz klar. Dass es bis zur geplanten Fertigstellung des neuen Gebäudes im Jahr 2020 deutlich mehr als 800 sein werden, ist allerdings jetzt schon absehbar. Allein in diesem Jahr wurden in Hessen 1 157 neue Polizeianwärter eingestellt und 570 neue Stellen geschaffen. Dass es eine derartige Personalaufstockung geben würde, war bei der ursprünglichen Planung noch nicht klar. Doch die Pläne wurden angepasst, die Verhandlungen darüber sind so gut wie abgeschlossen. Am Ende soll das neue Präsidium Platz für mehr als 900 Mitarbeiter bieten. Auf den rund 25.000 Quadratmetern Nutzfläche werden außerdem Kfz- und kriminaltechnische Untersuchungshallen, Labore, Zellen und ein Polizeirevier Platz finden.

„Sie sehen heute einen fröhlichen Stadtkämmerer“, sagt Peter Freier (CDU). Auch für die Stadt war es ein Geduldsspiel, fünf Mal musste die Kaufoption fürs Grundstück verlängert werden. „Wir haben dafür gesorgt, dass es nicht zum Biotop wird und haben regelmäßig gemäht und sauber gemacht.“ Das Warten hat sich gelohnt, denn mit der Vertragsunterzeichnung steht auch der Überweisung der zehn Millionen Euro für das Grundstück an die Stadt Offenbach nichts mehr im Wege.

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