Allein gelassen im Behördendschungel

Offenbach - Ursula Haas-Hadzic kann zumindest wieder gehen. Die Fortbewegung funktioniert zwar nur mit einem Gehwägelchen, aber immerhin. Das ist aber so ziemlich das einzig Positive, was die 52-Jährige den vergangenen Monaten abgewinnen kann. Von Matthias Dahmer

Und zu ihrer schweren Erkrankung, die sie längere Zeit ans Bett fesselte, kommt nun noch der Ärger mit den Behörden - ein Beispiel dafür, wie man als Bezieher staatlicher Transferleistungen von Pontius zu Pilatus geschickt werden kann.

Haas-Hadzic war vor ihrer Erkrankung als Ein-Euro-Jobberin Klientin der Mainarbeit, weshalb die Domstraße für sie auch die erste Anlaufstelle war, als es darum ging, mit der von der EVO verlangten Nachzahlung über 700 Euro klarzukommen. Der Mehrbedarf ergab sich für die Offenbacherin vor allem aufgrund ihrer Krankheit.

Doch dem Antrag auf Sonderzahlung wegen außergewöhnlicher Belastung folgt eine Überweisung der Mainarbeit in Höhe von 8,35 Euro (!). Mehr sei nicht drin, sie sei schon an der Grenze dessen, was man ihr an Energiekosten gewähren könne, heißt es.

Sie legt Widerspruch ein und folgt dem Rat der Mainarbeit, mit der EVO eine Ratenzahlung auszuhandeln und beim Sozialamt ein zinsloses Darlehen zu beantragen. Bei den Energieversorgern kommt für Ursula Haas-Hadzic eine monatliche Abschlagszahlung von 170 Euro heraus - bei einem Einkommen von 359 Euro.

Im Sozialamt, berichtet sie, zeigt man zunächst Verständnis, bietet ihr ein zinsloses Darlehen mit Raten um die 30 Euro pro Monat an. Als die Sachbearbeiterin indes erfährt, dass ein Widerspruch bei der Mainarbeit läuft, kommt der Rückzieher: So lange darüber nicht entschieden ist, könne man nichts machen, wird ihr mitgeteilt.

Das hat damit zu tun, dass die Zahlungen von Mainarbeit und Sozialamt aufgrund unterschiedlicher Gesetze gewährt werden, erklärt Sozialamtsleiter Hans-Günter Neidel. Ausnahmen seien nur bei akuten Notlagen zulässig. Wenn etwa die EVO drohe, Frau Haas Hadzic den Strom abzudrehen. Das ist derzeit nicht beabsichtigt, sagt EVO-Sprecher Harald Hofmann.

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