Lange Bearbeitungszeiten bei Ämtern: Alleinerziehende warten auf Hilfe

Staatlicher Unterhaltsvorschuss für immer mehr Kinder 

Offenbach -  Die Klagen von Alleinerziehenden werden deutlich lauter. Fast jede dritte Ein-Eltern-Familie benötigt staatliche Unterstützung – etwa Hartz-IV. Und bei der Hilfe durch Unterhaltsvorschuss-Zahlungen der Ämter müssen sie sich teils noch immer bis zu zwei Monate gedulden. Von Peter Schulte-Holtey

Alleinerziehend zu sein, ist unverändert ein großes Armutsrisiko. Denn die Hälfte aller Betroffenen – fast ausschließlich Mütter – bekommt vom Ex keinen einzigen Cent für das gemeinsame Kind, ein Viertel nur ab und zu ein paar Euro. Inzwischen springt der Staat immer häufiger für die säumigen Zahler ein. Nach der gesetzlichen Neuregelung Mitte 2017 (damit wurden auch Mädchen und Jungen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren berücksichtigt) hat sich viel verändert. Die Zahl der Kinder, die den Vorschuss erhalten, ist bundesweit um 300. 000 gestiegen. Ein neuer, trauriger Rekord: Zuletzt wurde diese Leistung für 714 .000 Kinder in Deutschland gezahlt.

Auch in Rhein-Main ist der Trend zu spüren. Vielerorts hat sich die Zahl der Anträge verdoppelt, in Frankfurt und Wiesbaden sogar zuletzt verdreifacht. In der Stadt Offenbach müssen in diesem Jahr bislang etwa 1700 Anträge (2017: 800) bearbeitet werden, im Kreis Offenbach wird mit 2600 Fällen (2017: 1300) gerechnet, in Hanau sind es im Zeitraum Juli 2017 bis Ende Juni 2018 schon 1030 Neuanträge (vor der Reform 2017 waren es 550). Im Main-Kinzig-Kreis ist gar von einem Anstieg der Anträge um mehr als 60 Prozent die Rede.

Allerdings beziehen mehr als 80 Prozent derer, die den Vorschuss bekommen, Hartz IV und müssen diese Einkünfte verrechnen. Was zusätzlich für Ungemach bei Alleinerziehenden sorgt, ist die Bearbeitungszeit der Hilfeanträge. Im Kreis Offenbach muss man sich im Schnitt vier Wochen beim Unterhaltvorschuss gedulden, bei komplizierten Fällen kann es auch länger dauern.

In der Stadt Hanau beträgt die Bearbeitungszeit im Schnitt bis zu acht Wochen. Diese Zahl wird auch in Offenbach genannt; viele Antragsteller dort erhalten aber Leistungen der Mainarbeit, die für den Unterhaltsvorschuss in Vorleistung geht; dann gebe es keine Wartezeit, heißt es.

Plötzlich ohne Partner: Alleinerziehend sein als Chance

Dass Ein-Eltern-Familien besonders verletzlich und bedürftig sind, macht auch Erika Biehn, Vorsitzende des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter, deutlich. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte sie: „Angesichts vieler Alleinerziehender mit kleinen Erwerbseinkommen sehen wir noch Handlungsbedarf beim Zusammenwirken mit anderen Sozialleistungen: Durch die Verrechnung von Unterhaltsvorschuss, Kinderzuschlag und Wohngeld sind Betroffene sogar finanziell schlechter gestellt als zuvor.“ Damit wirklich alle Alleinerziehenden vom Unterhaltsvorschuss profitieren können, soll dieser nicht mehr auf den Kinderzuschlag angerechnet werden, fordert die Verbandschefin.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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