Mit vollem Körpereinsatz in virtuelle Welten eintauchen

Auf allen vieren durchs Meer: Ein Selbstversuch mit „Icaros“

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Das Fitnessgerät „Icaros“ beansprucht den ganzen Körper und trainiert vor allem Rumpf, Arme und Schultern. Beim virtuellen Flug durch unbekannte Welten setzt der Nutzer zusätzlich das Gehirn ein, um Hindernissen auszuweichen. 

Offenbach - Ein Gefühl im Magen wie nach der Achterbahn: Das Trainingsgerät „Icaros“ entführt den Nutzer dank Virtual Reality in luftige Höhen oder die tiefe See – und trainiert dabei den ganzen Körper. Von Tamara Schempp

Langsam steuere ich auf eine schroffe Felswand zu. Sie ist noch ein paar Meter von mir entfernt, mein Herz schlägt immer schneller. Ein Blick auf das Tiefenmessgerät: 60 Meter unter der Meeresoberfläche. Ich lehne meinen Körper mit aller Kraft auf die rechte Seite und komme an der Felswand gerade so vorbei. Heute werde ich nicht mehr sterben.

Eintauchen in unbekannte Welten per virtueller Realität und dabei den ein oder anderen Muskel trainieren. Im Testcenter des Offenbacher Outdoorspezialisten Maik Hammerschick an der Heinrich-Krumm-Straße 20 ist das möglich. Hammerschick ist der erste Veranstalter in Hessen, der Flugstunden auf dem in München hergestellten Gerät verkauft.

Mein erster Gedanke beim Anblick des Metallgestells: Sieht aus wie der Stuhl beim Frauenarzt. Um „Icaros“ in Bewegung zu setzen, soll ich mich laut Hammerschick im Vierfüßlerstand auf das Gerät knien. Klingt jetzt schon anstrengend. „Beim Spielen wird einem richtig schön warm“, sagt Hammerschick. „Wohl eher heiß“, denke ich, denn er reißt zwei Löcher in ein Haushaltstuch, das unter der Virtual-Reality-Brille meinen Schweiß abfangen soll. Professionelle „Hygienemasken“ hat Hammerschick gerade erst bestellt.

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Ich bekomme die selbst gebastelte Maske samt Brille aufgesetzt. Durch sie sehe ich meine Umgebung, als sei sie ein paar Meter entfernt. Hammerschick hilft mir beim Besteigen des Fluggeräts. Mit beiden Füßen zuerst auf eine Metallstange, dann nehmen meine Knie auf dem Schaumstoff-Polster Platz, der Oberkörper begibt sich in die endgültige Position: Unterarme abgestützt, die Hände umgreifen zwei raue Metallstangen.

Am rechten Griff ist der Controller befestigt, mit dem ich die Geschwindigkeit regulieren kann. „Und Drohnen abschießen, wenn du Lust hast“, sagt Hammerschick. Habe ich nicht. Also wählt Hammerschick das Programm „Deep“, Tiefseetauchen. Stufe: leicht. Für Anfänger.

Meine volle Konzentration gilt den schroffen Felsen, die meinen Weg kreuzen – bis ich unter mir ein gesunkenes U-Boot entdecke. Ich schwimme weiter und erblicke eine Wal-Mutter mit Kalb. Unterbrechung nach sieben Minuten unter Wasser.

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Technikprobleme. Die Zuschauer können meine virtuelle Reise auf dem Fernseher nicht mitverfolgen. Das kommt mir gelegen. Meine Arme tun weh. Mein Oberkörper ist untrainierter, als ich dachte. Der Magen fühlt sich an, als hätte ich eine Achterbahnfahrt hinter mir. Problem behoben, zweites Programm: Fliegen über eine verschneite Berglandschaft. Wie „Ikarus“ in der griechischen Mythologie darf ich nicht zu hoch und nicht zu tief fliegen. Ich erhöhe die Geschwindigkeit, steuere mit vollem Körpereinsatz durch die Berggipfel – und beginne, richtig Spaß daran zu haben.

Das Gefühl zu fliegen will aber auch nach fünf Minuten nicht so richtig aufkommen. Das könnte an der Qualität der 3-D-Animation liegen, die an Computerspiele aus den 90er-Jahren erinnert. „Die Grafik wird noch verbessert“, sagt Hammerschick, als ich – noch immer mit flauem Magen – die Brille absetze.

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