Im Allerheiligsten des Wetterdienstes

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Sieht aus wie ein Hochsitz für deutlich zu klein geratene Jäger, steckt aber voller Messtechnik: Außer von automatischen Wetterstationen bekommt der Deutsche Wetterdienst in Offenbach seine Daten von bemannten Wetterstationen, Satelliten und Radargeräten sowie freiwilligen Helfern. Erst das ermöglicht möglichst exakte Vorhersagen.

Offenbach - Mit 14,8 Stundenkilometern bläst der Wind am Frankfurter Flughafen, die Temperatur liegt bei 10,6 Grad, die Sichtweite beträgt 9,4 Kilometer, es fällt leichter Regen. Die automatischen Wetterstationen, von denen rund 800 im Bundesgebiet verteilt sind, liefern eine Fülle von Informationen. Von Denis Düttmann

Sie messen Temperatur und Luftfeuchtigkeit, Windstärke und Niederschlagsmenge, Sonnenstunden und Taupunkt. Jede Minute senden die Stationen ihre Datenpakete zur Zentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach, wo sie in die komplexen Rechenmodelle für die Wettervorhersage einfließen. „Neben den automatischen Wetterstationen können wir auf Daten von bemannten Wetterstationen, Satelliten und Radargeräten sowie freiwilligen Helfern zugreifen“,erklärt Hella-Renata Adelmann, die in der regionalen Messnetzgruppe den Einsatz von rund 200 Ehrenamtlichen in Rheinland-Pfalz koordiniert.

Bilder vom Tag der offenen Tür

Tag der offenen Tür beim Deutschen Wetterdienst

Beim ersten Tag der offenen Tür des DWD in der neuen Hauptstelle an der Frankfurter Straße konnten die Besucher am Samstag einiges über das Wetter im Allgemeinen, Klimaveränderungen im Speziellen, Prognosetechniken und die Arbeit der Meteorologen erfahren. Experten hielten Vorträge über Tornados in Deutschland, Klimaüberwachung und den Einfluss des Wetters auf die Landwirtschaft. Mitarbeiter berichteten aus ihrem Alltag beim DWD, die Vorhersagezentrale und das radiochemische Labor waren geöffnet.

Im Rechenzentrum herrscht ohrenbetäubender Lärm - die Kühlsysteme laufen ohne Unterlass. Großserver mit der Kapazität von rund 30 000 Computern verarbeiten hier Wetterdaten aus aller Welt und rechnen Prognosen aus.

Riesenandrang bei den Meteorologen

„Die Anlage erzeugt genug Abwärme, um das gesamte Gebäude zu heizen“,erklärt DWD-Pressesprecher Uwe Kirsche. Während der eine Teil des Großrechners die aktuellen Prognosen kalkuliert, werden in einem anderen Teil neue Modelle ausprobiert. Außerdem befindet sich hier das Gedächtnis des Wetterdienstes: Im digitalen Archiv sind die weltweiten Wetterdaten seit 1963 gespeichert. „Wenn Sie wissen wollen, ob am 18. April 1979 in Rio de Janeiro die Sonne geschienen hat - hier können wir das nachschauen“, so Kirsche.

Genaue Wettervorhersagen nutzen jedem - ob es nun darum geht, einen Grillabend zu planen oder einen Ausflug vorzubereiten. Besonders wichtig sind exakte Prognosen und aktuelle Warnungen jedoch für den Katastrophenschutz. Über das Onlineportal FeWIS versorgt der DWD Feuerwehren, Behörden und Einheiten des Technischen Hilfswerks in ganz Deutschland mit Daten. „Schnee- und Unwetterwarnungen werden individuell zusammengestellt“,erklärt Markus Valk und zeigt am Monitor die Karte des Landkreises. Alles grau - keine besondere Wettersituation. „Schließlich bedeutet starker Schneefall für den Katastrophenschutz in Berlin eine größere Herausforderung als in Garmisch Partenkirchen.“ Das System wurde 2004 in Dienst gestellt und hat mittlerweile 1500 Nutzer. „Wir haben das Portal sehr nutzerorientiert gestaltet und bei der Entwicklung mit den Feuerwehren in Berlin und München zusammen gearbeitet“,sagt Valk.

Beständig schieben sich die Besucher durch die Gänge, die Führungen sind Stunden vorher ausgebucht. Der Andrang ist riesig. „Das schlechte Wetter heute hat eben auch seine Vorteile“,schmunzelt Pressesprecher Uwe Kirsche.

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