Alles für nur 33,50 pro Kopf

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Seht her, wir sind Kulturpreisträger! Oldieclub-Vorsitzender Wolfgang Boltes freut sich mit Ehefrau und Mitstreiterin Iris und Vorstandsmitglied Anna Röhm.

Offenbach - Wer ermessen möchte, was eine öffentliche Auszeichnung wirklich wert ist, lasse sich von der Freude der Geehrten anstecken. Von Thomas Kirstein

Nachdem der Offenbacher Oldieclub (OCO) am Mittwochabend städtischer Kulturpreisträger 2011 geworden und Umtrunk im Büsingpalais-Foyer angesagt ist, infiziert Vorstandsmitglied Iris Pangratz-Boltes mit einer Mischung aus Rührung und Begeisterung: Da hat die Stadt einen Verein ausgewählt, in dem man Würdigung wirklich zu würdigen weiß.

Nicht minder ergriffen ist Gatte Wolfgang Boltes, der Vorsitzende, der den Preis allen widmet, die in den vergangenen 18 Jahren mitgeholfen haben, die örtliche und überregionale Musikszene der nicht ganz so ernsten Prägung zu bereichern.

Dass der beim traditionellen Stadt-Empfang für die kulturtreibenden Vereine mit Urkunde und 2500 Euro bedachte OCO eine 435 – teils prominente – Namen umfassende Mitgliederliste vorlegen kann, sollte nicht zu falschen Vorstellungen verführen. Wie in anderen Gemeinschaften auch, ist das Verhältnis von fördernden und wirklichen aktiven Mitgliedern auch beim OCO im Ungleichgewicht.

Regionalen Bands ein Forum bieten

Mit einer witzigen Laudatio auf den OCO begeisterte Dr. Ralph Philipp Ziegler vom Kulturforum.

Das macht Dr. Ralph Philipp Ziegler in seiner ausgesprochen humorigen Laudatio auf jenen Club klar, dessen Daseinszweck nicht nur das Veranstalten von Oldie- und Rock-Konzerten ist, sondern auch regionalen Bands eine Heimat zu bieten – rund 80 Gruppen sind es inzwischen. Der Leiter des Forums Sport und Musik ist selbst, wie unter anderem auch Staatsminister, Oberbürgermeister und Sparkassenpräsident Mitglied. Ziegler verrät, dass es in Offenbach gar kein Entrinnen gibt, und zitiert eigene Notizen: „Erste Begegnung mit dem Oldieclub. Erich und Günther zwingen mich in den Klub einzutreten.“ Die auch durch freundlich-leichten Zwang zustande gekommene Mitgliederzahl flankiert quantitative Werte, die sich nicht erzwingen lassen: 600 Veranstaltungen in 18 Jahren, allein im vergangenen Jahr mehr als 4600 begeisterte Besucher.

Der OCO ist eine jener wirkungsvollen Einheiten, die es erlauben, Offenbach ein lebendiges Kulturangebot zu attestieren, obwohl sich die Stadt eigentlich gar nichts mehr leisten kann. Die erfreuliche Diskrepanz zwischen öffentlichen Mitteln und vielfältigem kulturellen Programm ist dann auch das Leitmotiv für den Oberbürgermeister. Als Kulturdezernent preist er in seiner Ansprache die Leistungen all derjenigen, die ins Büsingpalais geladen sind, weil sie sich für Theater, bildende Kunst, Literatur, Historie, E- und U-Musik und Museales engagieren.

Zu wenig Geld für die Kultur

Über das, was die Stadt selbst beitragen kann, müsste sie sich eigentlich schämen, wenn da nicht die bekannte Finanznot und die strenge Kommunalaufsicht als plausible Entschuldigung herhalten könnten. 72 Kulturvereine teilten sich 2011 Zuschüsse in Höhe von insgesamt 89.000 Euro.
Horst Schneider liefert einen Vergleich mit anderen Ständen, der angesichts der kulturellen Leistung im Ort auch wieder stolz macht: Im Kulturfinanzbericht des Deutschen Städtetags landet Offenbach unter 83 Großstädten mit einer Pro-Kopf-Kulturfinanzierung von 33,50 Euro abgeschlagen auf Platz 80. Zum Vergleich: 221 Euro sind’s in Frankfurt, 103 Euro in Mainz und Aschaffenburg, 80 Euro in Wiesbaden.

Mit sehr lebendigen Oldies begeisterten die brillanten Tom Jet & the MTGs, eine von 80 Bands unter dem OCO-Dach.

Dennoch habe sich was in den Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft getan, lobt der OB die zuständigen Teile seiner Verwaltung ebenso wie Bürger und Institutionen, die als Sponsoren ergänzende und manchmal wesentliche Mittel beisteuerten: Das Klingspormuseum wurde aufgestockt, das Haus der Stadtgeschichte hat einen neuen Trakt bekommen; das Stadtmuseum nahm private Sammlungen in seine Bestände auf; das Deutsche Ledermuseum freut sich über neu ausgestattete Säle und eine neue Galerie; die Stadtbücherei richtet sich auf die Verknüpfung mit elektronischen Medien ein; Reihen wie „Theateressenz“ und „Capitol Classical Lounge“ kommen beim Publikum an; Oldie-Veranstaltungen der Kultur- und sportverwaltung bleiben Kult; dem „Hafen 2“ wird ein neues Heim bereitet.

Eine auf unsere Kulturseite erschienene ausführliche Würdigung des Kulturpreisträgers 2011 ist im Internet nachzulesen.

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