Kastanien am Wilhelmsplatz

Alles für die Bäume

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Ende des Jahres will die Stadt am Wilhelmsplatz Stammschutzbügel einbauen, 2013 soll die Standortsanierung folgen.

Offenbach - Die Bäume an der Beethovenschule mussten letztlich doch weichen. Jenen am Wilhelmsplatz soll dieses Schicksal erspart bleiben. Von Jenny Bieniek

Den Schutz der mächtigen Kastanien lässt die Stadt sich einiges kosten. 40.000 Euro werden für die Sanierung von sechs Baumstandorten veranschlagt. Zusätzlich sollen als bauliche Maßnahme für 2700 Euro Baumschutzbügel installiert werden, die Schäden am Stamm verhindern. Die von einem Experten empfohlene intensivere Bewässerung und Düngung wird bereits seit Frühjahr realisiert.

Entsprechend eines Stadtverordnetenbeschlusses von November 2011 hatte eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Amts für Stadtplanung und Baumanagement Maßnahmen ausgearbeitet, um einen wirksamen Schutz der Kastanien am Wilhelmsplatz zu gewährleisten. Beteiligt waren neben dem ESO auch das Amt für Umwelt, Energie und Mobilität, das Liegenschaftsamt sowie Vertreter von SPD, CDU und Grüne. Die geplanten Maßnahmen wurden gestern im Rathaus vorgestellt.

Zur fachlichen Bewertung der bereits belasteten Kastanien hatte die Arbeitsgruppe einen Baumgutachter hinzugezogen. „Die Bodenuntersuchungen ergaben einen an allen Standorten zu hohen pH-Wert, teilweise erhöhten Salzgehalt sowie niedrige Stickstoffwerte“, fasst Sigrid Pietzsch, Referatskoordinatorin beim Amt für Stadtplanung und Baumanagement, die Ergebnisse zusammen.

Kastanien in gutem Zustand

Erfreulich aber: Von den 30 Kastanien sind 27 in einem „noch guten Zustand“ und wurden in Folge dessen als „erhaltenswürdig“ und „mittelfristig erhaltungsfähig“ bewertet. Bei zwei weiteren Bäumen ist der Zustand trotz stärkerer Schädigung ebenfalls erhaltensfähig. Lediglich eine Kastanie ist in kritischer Verfassung und steht zur Sicherheit unter Beobachtung der ESO, heißt es dazu im Rathaus.

Bislang wurde am Wilhelmsplatz etwa achtmal pro Jahr gewässert. „Auf Empfehlung des Gutachters wird bereits seit Frühjahr intensiver gegossen, gleiches gilt für die Düngung“, berichtet jetzt Pietzsch. Das Problem: Für sechs am Parkplatz angesiedelte Bäume ist keine Bewässerungseinrichtung vorhanden, weshalb regelmäßiges Gießen dort nicht möglich sei. Die übrigen Kastanien werden je nach Lage bewusst mit verschiedenen Wassermengen bedacht. „Wir haben die Hoffnung, dass bis zum Jahresende klar ist, welche Bewässerungsmenge besser ist“, so die Fachplanerin.

Der geplante partielle Bodenaustausch in Ergänzung einer zusätzlichen Bewässerungsanlage soll 2013 realisiert werden; der Einbau des Stammschutzes soll bereits Ende des Jahres erfolgen.

Verzicht auf Nachpflanzungen

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Bäume sogenannte Blattrandnektrosen aufweisen, welche die Blätter vom Rand her eintrocknen lassen. Dies werde durch das Wasser bindende Streusalz im Winter noch verstärkt, so Pietzsch.

Zwar sei Splitt als Alternative zu Streusalz in Einzelfällen sicher möglich. Aber: „Wenn es dann schneit, bringt Splitt gar nichts.“ An Markttagen müsse der ESO die Entscheidung über geeignete Maßnahmen bereits um 2.30 Uhr treffen, denn nach Aufbau des Markts sei ein Reagieren und Nacharbeiten nicht mehr möglich. Ein kompletter Verzicht auf Streusalz sei aus diesem Grund nicht möglich.

Auf Anraten des Gutachters verzichtet die Stadt künftig zudem auf Nachpflanzungen in den bestehenden Lücken der Baumreihen. Da die Kastanie für den Standort Wilhelmsplatz nicht der optimal geeignete Baum sei, plant die Stadt langfristig, auf andere Baumarten umzusteigen.

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