„Alles nur gegen eine Spende“

+
Christine Sparr, Vorträumerin des Tafel-Weihnachtsmarktes.

Offenbach (mcr) ‐ Christine Sparr ist eine reiche Frau. Was ihren vom Reichtum anderer unterscheidet, ist, dass er nicht in Euro zu messen und kein Grund für Angst vor dem Finanzamt ist. Auf Glücksgefühle werden bisher keine Steuern erhoben. Die Währung für Sparrs Reichtum ist Kinderaugenglitzern.

Und davon, da darf sie beim Blick in das Lager für den Weihnachtsmarkt des Offenbacher Ablegers der Frankfurter „Tafel“ sicher sein, werden sie und viele Helfer am Wochenende vor Heiligabend auf dem Mathildenplatz viel bekommen.

Noch vor wenigen Wochen hatte der Markt, der nicht nur armen Menschen am 19. und 20. Dezember schöne Augenblicke bescheren soll, aus kaum mehr als einer Idee und der Hoffnung bestanden, dass was draus wird. Mittlerweile aber hat das Projekt Dimensionen angenommen, die Organisatorin Sparr keine Minute Zeit zwischen Kistenschleppen, Telefonaten mit Spendern und der Wiederholung des Wortes „megadankbar“ lassen.

Bei „Toys‘R‘Us“ gibt es bis Mittwoch einen Weihnachtstisch

Und da kommt nächste Woche noch einiges hinzu: Christine Sparr, Vorträumerin des Tafel-Weihnachtsmarktes am Wochenende vor Heiligabend (Samstag von 14 bis 22 Uhr, Sonntag von 14 bis 21 Uhr), im Geschenkelager. Wo sich das befindet, bleibt ein streng gehütetes Geheimnis, weil das Organisationsteam das Spielzeug an bedürftige Kinder und nicht an Einbrecher verschenken will. Das läuft per Tombola, bei der jedes Los gewinnt. Dafür werden die Spielzeuge nach Mädchen- und Jungensachen und nach Altersgruppen aufgeteilt. Von einem Teil des bisher von Firmen und Privatleuten gespendeten Geldes wird die Tafel Lebensmittel einkaufen, die an den Ständen auf dem Mathildenplatz in Leckereien aller Art umgewandelt und gegen eine Spende abgegeben werden. Geschenke, keins teurer als fünf Euro, werden beim Weihnachtsmarkt ebenfalls zu haben sein.

Ich bin überglücklich und den Leuten so megadankbar“, sagt sie, und dass sie von solchem Zuspruch „nicht mal geträumt“ habe. Nach einem Bericht in unserer Zeitung meldeten sich viele Menschen, die etwas beitragen wollen. Gönner brachten gebrauchte Spielsachen vorbei, die nun an die Kinder von Bedürftigen verschenkt werden, wenn die sich an den Ausgabetagen der „Tafel“ in der Mariengemeinde an der Krafftstraße Lebensmittel holen. Firmen und Private überreichten Geld, bisher rund 3000 Euro, mit dem Sparr in einen Spielzeug-Fabrikverkauf zog. Bei „Toys‘R‘Us“ gibt es bis Mittwoch einen Weihnachtstisch, von dem Kunden Geschenke für den Tafel-Weihnachtsmarkt kaufen können. Im Lager stapeln sich Barbiepuppen, Modellautos, Kuscheltiere, ein halbes Dutzend Kinderfahrräder, Schulranzen samt Inhalt, Kinderwagen, Unmengen andere Wunschzettel-Klassiker.
Und auch der Wunsch nach einem Nikolaus, der auf einem Thron sitzen und sich mit dem Nachwuchs fotografieren lassen wird, erfüllte sich. Vereine und Institutionen an ihren Ständen Geschenke verkaufen, keines teurer als fünf Euro. Eine Kinderlokomotive wird ihre Runden drehen; bei Bastelaktionen entstehen Kerzen, Seifen, Schmuck für den ebenfalls vorhandenen Weihnachtsbaum. Das Technische Hilfswerk rückt mit dem Spülmobil an, Rumpenheims Freiwillige Feuerwehr übernimmt den Brandschutz, der ESO die Entsorgung, die EVO Strom und Wasser, „Securitas“ sorgt für Sicherheit. Auf der Bühne singen ein Herren- und ein Kinderchor, Pfarrer Blamm erzählt die Weihnachtsgeschichte, zwei Bands spielen.

Bedürftigkeit nachweisen müssen die Eltern nicht

Veranstaltungsprofi Klaus Kohlweyer greift Sparrs Team logistisch unter die Arme, organisiert unter anderem Pavillons, in denen die Tafel Waffeln backen und den Schokobrunnen blubbern lässt. Es gibt Bratwurst, Pizza, Kuchen, Knobibrot, Eintopf, Zuckerwatte, Crêpes, Glühwein, Kinderpunsch - „alles nur gegen Spende, damit niemand auf die Idee kommt, hier eine Wurst für zwei Euro oder so verkaufen zu wollen“, sagt Sparr.

Dass es endlich einen Weihnachtsmarkt gibt, bei dem man nicht immer nur ans Geld denken muss“, das sei der Gedanke hinter allem. Und „dass einmal jedes Kind ein Weihnachtsgeschenk bekommt“. Das kann wohl Wirklichkeit werden. Die Spielsachen werden nach Altersgruppen aufgeteilt; alle Kinder im Alter bis zwölf Jahre dürfen an einer Tombola teilnehmen, bei der am Sonntagabend jedes Los gewinnt. Die Bedürftigkeit nachweisen müssen die Eltern nicht. „Es gibt so viele Geringverdiener und Aufstocker die keinen Berechtigungsschein haben, weil sie zehn Euro über dem Maximalsatz sind. Und die werden wir ganz bestimmt nicht ausschließen.“

Kommentare