Alles spricht für die Kitas

Offenbach - Ein grauenhafter Begriff für eine grundsätzlich gute Sache: Schuleingangsuntersuchung. Dabei hat Dr. Barbara Schneider mit ihrem Team nur eins im Blick: Sind die Kinder fit für die Schule? Von Martin Kuhn

Mit standardisierten Tests untersucht die Abteilung Kinder- und Jugendmedizin des Gesundheitsamtes Jahr für Jahr gut 1200 Kinder. Davon werden etwa zehn Prozent zurückgestellt.

Mehr als 150 Seiten umfasst der Bericht, den Dr. Barbara Schneider dem Magistrat vorgelegt hat – viele Zahlen, etliche Diagramme, wenige Überraschungen. So individuell wie die Kinder sind mitunter die Gründe für Defizite. Der Ärztin fallen demnach allgemeine Aussagen schwer, es sind jedoch generelle Beobachtungen, die aufhorchen lassen. Im Rathaus sagt sie gestern etwa: „Der Medienkonsum ist gleichbleibend erschreckend hoch. Da fällt anderes hinten runter.“ Und damit meint sie sicher das abendliche Vorlesen der Eltern...

Kaum Unterschied zwischen Kindern ohne und mit Migrationshintergrund

Es wäre fatal, dies als alleinige Botschaft stehen zu lassen; zumal die Verantwortlichen bei der Stadt da herzlich wenig Einfluss nehmen können. Paul-Gerhard Weiß (FDP) betont daher während seiner letzten Pressekonferenz als hauptamtlicher Stadtrat: „Es ist aber anders als vor 15 Jahren: Heute kommt kein Kind mehr ohne Deutschkenntnisse in die Schule.“ Denn auch das ist ein Ergebnis der Schuleingangsuntersuchung (SEU). Dafür hat die Stadt in den vergangenen Jahren viel Geld investiert – unter anderem für die Fortbildung der Kindergärtnerinnen. Paul-Gerhard Weiß sagt: „Es bestätigt sich in allen Varianten. Wichtig ist Sprachförderung, Sprachförderung und noch einmal Sprachförderung.“

Das lenkt den Blick auf die Sprache. Eine altersgerechte Sprache (Erwerb von Lauten, Wörtern, Grammatik) wurde in den letzten fünf Jahren bei 68 bis 82 Prozent der Kinder festgestellt. 2011 gab es erstmals keinen signifikanten Unterschied zwischen Kindern ohne und mit Migrationshintergrund. Nur bei den Letztgenannten werden die Deutschkenntnisse bewertet. Ergebnis für 2011: Fehlerfrei Deutsch sprechen 41,22 Prozent der Kinder, flüssig mit leichten Fehlern 36,82 Prozent. „Je besser die Deutschkenntnisse der Mutter, umso besser ist das Deutsch der Kinder“, berichtet Dr. Barbara Schneider. Sie bekommt das bei der Untersuchung der Jungen und Mädchen mit, da zumindest ein Elternteil stets dabei ist. Unerlässlich für die Ärztin: Auffälligkeit werden sofort angesprochen.

Grob- und Feinmotorik, Übergewicht

Das betrifft nicht allein die Sprache. Sie schaut sowohl bei der sogenannten Grobmotorik  (seitliches Hüpfen über eine Linie, Seiltänzergang) als auch seit drei Jahren bei der Feinmotorik (Vervollständigung eines einfachen Bildes, Haltung des Stiftes) genau hin. In der ersten Kategorie zeigen etwa 13 Prozent Auffälligkeiten – unabhängig von der Nationalität; Jungen allerdings deutlich mehr als Mädchen. Ein anderes Bild zeigt die Gewichtsverteilung: 18 bis 21 Prozent der Kinder mit ausländischen Wurzeln haben Übergewicht; bei den deutschen Kindern sind es 8 bis 12 Prozent.

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