Kommentar: Alles verbieten!

Offenbach - Natürlich sollte immer der Schutz der Schwächsten im Vordergrund stehen, im Fall von Pokern der Jugend- und Spielerschutz sowie die Suchtprävention. Von Niels Britsch

Um die Gefährdeten zu schützen, gibt es in Deutschland mit dem Glücksspielstaatsvertrag ein restriktives Gesetz, das genau vorschreibt, wann Glücksspiel illegal ist (außerhalb von staatlich lizensierten Anbietern). Nach den Paragraphen und laut Experten handelt es sich beim Pokern um Glücksspiel. Die entscheidende Frage lautet jedoch, ob es notwendig ist, zum Schutz einer Minderheit den überwiegenden Rest der Pokerspieler zu kriminalisieren.

Es leuchtet ein, wenn Experten vor dem Internet warnen: Das Netz eröffnet Möglichkeiten des unkontrollierten Zockens. Die ständig wachsende Zahl von Anbietern und Online-Spielern zeigt jedoch, dass auch der Glücksspielstaatsvertrag nichts auszurichten vermag. Im Gegenteil: Die Spieler leben in einer ständigen Rechtsunsicherheit und Süchtige lassen sich nicht von einem nationalen Gesetz abschrecken, das im weltweiten Netz kaum durchsetzbar ist.

Die Frage nach dem Interesse des Staates an der Monopolstellung darf da ruhig gestellt werden: Steht tatsächlich der Spielerschutz an erster Stelle? Oder geht es um wirtschaftliche Interessen? Wenn der Staat alles verbieten würde, was (Sucht-)Gefahren birgt oder (wegen des einzusetzenden Entgelts) als Glücksspiel einzustufen ist, müssten auch Autos, Alkohol, Skat und Schafskopf auf den Index.

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