Alles nur wegen der Kreppel

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Ein witziges Spektakel hat sich das Ensemble des Theaterateliers Bleichstraße 14H einfallen lassen (von links): Michelle Spillner, Ulrike Happel und Sabine Scholz (hier als hyperaktive Reisebürotante Frau Schwanthaler).

Offenbach ‐ Das ganze Chaos entsteht, weil Gundula Ödmann (Ulrike Happel) die Kreppel vergessen hat: Weil sie noch mal los muss, um das Gebäck zu besorgen, ohne das man nun mal keinen Weiberfasching feiern kann, stehen ihre Gäste ganz alleine in der Wohnung. Von Simone Weil

Und dabei sollte alles doch so gemütlich werden. Gatte Berthold ist unterwegs, der Fernseher bleibt aus und das Wohnzimmer gehört an diesem Abend den Damen. Doch jetzt muss Gundula weg, um die Krapfen zu kaufen: Deswegen bittet sie die Nachbarin, das „Frollein Mischelle“, die anderen Gäste (das Publikum) zu unterhalten. Ein bisschen zögerlich lässt sich die Zauberin darauf ein. Schließlich ist sie nicht vorbereitet, obwohl Frau Ödmann ihre Gäste gebeten hat, zum Programm beizutragen.

Michelle Spillner persifliert das Spiel mit der Magie und hat viel Freude am nur scheinbar tolpatschigen Enttarnen der eigenen Tricks. So lässt sie einen Mann im Publikum an eine Zahl zwischen 0 und 3000 denken. Ihr Ergebnis und seine Ziffer stimmen nicht überein: „Das wäre ja auch ein Zufall gewesen“, kommentiert sie. Sie hantiert mit zwei Pappröhren und der Rotweinflasche Türkenblut, um das Gesöff zu vermehren. Dabei täuscht sie vor, sie habe sich vergriffen und lässt das Publikum zunächst im Glauben, der Gag bestünde darin, dass sich in der einen Röhre noch ein zweites Gefäß versteckt. Doch weit gefehlt: Am Schluss stehen acht Flaschen auf dem Tisch.

Plötzlich taucht Gundulas Freundin Helga (Sabine Scholz) aus dem fränkischen Kulmbach auf: Sie plaudert so vor sich hin und erzählt aus ihrem Leben. Ein Lied hat sie im Gepäck, bei dem das Publikum kräftig mitmacht. Von ihrer Büttenrede über Hartz IV ist sie allerdings selbst nicht begeistert. Ihre Stimmung ist plötzlich auf dem Tiefpunkt und sie will wieder heim.

Doch da stehen auf einmal zwei Wellness-Apostel (Ulrike Happel und Astrid Haentsch), die wegen der vielen Zuschauer später einen „Event-Zuschlag“ kassieren wollen. Sie verbreiten das Credo: „Durch frische Gedanken mit ihrem alten Körper zu neuer Harmonie kommen.“

Astrid Haentsch darf später noch einmal mit holländischem Akzent alleine zeigen, was sie als „Teilstreckenbevollmächtigte“ so drauf hat. Dies demonstriert sie zum Beispiel an den Diabolos, von denen sie zwei Stück auf der Schnur balanciert und anmutig hüpfen lässt.

Kurz schaut dann endlich mal die Gastgeberin herein: Doch nur, um ihr Portemonnaie zu holen, das sie vergessen hatte. So richtig klappen wird das heute wohl nicht mehr mit der Feier. Denn Helga reicht es jetzt endgültig, sie will sich jetzt verabschieden, obwohl sie die Freundin doch gerade erst begrüßt hat.

Auch wenn Gundula sich ihren Weiberfasching anders vorgestellt hatte, so ist eines sicher: Das Publikum im Theateratelier hatte bei der Premiere seinen Spaß und lachte sich noch mal so richtig wach. Die Begeisterung zeigten die Besucher den durch die Bank tollen Komödiantinnen, die fast alle mehrere Rollen spielen, durch engagiertes Mitmachen und herzlichen Applaus. Einziges Manko: Auf die Pause hätte man vielleicht verzichten und das Programm ein wenig straffen können. Dennoch hatten alle Pech, die nicht dabei sein konnten: Die letzte Vorstellung heute ist ausverkauft. Ach ja: Kreppel gab es übrigens am Schluss für alle. Schließlich sollte Gundula ja nicht vergebens unterwegs gewesen sein.

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