Die Alltagsdrogen im Visier

Offenbach - Rund 1000 Schüler tummeln sich gestern um 10 Uhr im Foyer des Cinemaxx, essen Popcorn, schlürfen Softdrinks und warten auf den Beginn der Kinovorstellungen. Von Alexander Kroh

Die Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren haben sich aber nicht etwa zum kollektiven Schuleschwänzen verabredet, sie nehmen an den Jugendfilmtagen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ( BZgA ) teil.

Schon seit 2004 tourt die BZgA mit den Jugendfilmtagen durch deutsche Städte, jeweils in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Partnern und Fachstellen, um Jugendliche über die Gefahren von Alkohol- und Nikotinkonsum aufzuklären. Gestern und am heutigen Freitag machen sie Station in Offenbach. Insgesamt besuchen an beiden Tagen 2100 Schüler von 32 Schulen aus Stadt und Kreis Offenbach die Filmtage.

Ziel des Projekts sei es, mit den Schülern im persönlichen Gespräch deren Motivation für Alkohol- oder Zigarrettenkonsum zu erfragen, erklärt Nana Sax von der BZgA. „Wir stehen hier nicht mit erhobenem Zeigefinger da“, betont Sax, man wolle über Risiken aufklären und eine kritische Haltung sowie einen bewussten Umgang mit Alltagsdrogen erreichen. Dazu wurden die Schüler bewusst ins Kino gelockt, denn im Kino als Freizeitort hoffen die Veranstalter, dass sich die Jugendlichen eher für die Themen öffnen.

Ausnahmslos Spielfilme, keine Dokumentationen

Die gezeigten Filme (zum Beispiel: „Das Jahr der ersten Küsse“ oder „Filmriss“) sind demnach auch ausnahmslos Spielfilme, keine Dokumentationen; sie befassen sich mit Lebenssituationen, die die Jugendlichen aus ihrem Alltag kennen.

Schon vor Beginn der Filme gibt es einiges zu sehen. Die regionalen Partner wie Polizei, Suchthilfezentrum Wildhof, Staatliches Schulamt, Jugendamt, Stadtverwaltung, Medienprojektzentrum „Offener Kanal“ und das Netzwerk gegen Gewalt beteiligen sich durch Mitmachstände im Foyer.

Ziel aller Aktionen ist laut Nana Sax, mit den Schülern auf spielerische Art und Weise ins Gespräch zu kommen. Bei einem Fragenduell können Jugendliche im Team ihr Wissen zu den Risiken von Alkohol und Zigaretten testen, ihre Koordinationsfähigkeit unter Alkoholeinfluss mit einer Rauschbrille simulieren oder in einer Filmbox Statements zum Alkohol- und Nikotinkonsum abgeben. Mit einem Quiz („Weißt du Bescheid?“) werden alle Schüler mit sechs Fragen auf die Filme vorbereitet. Zu gewinnen gibt’s dabei auch etwas: Freikarten für den nächsten Cinemaxx-Besuch. Das Quiz fungiert somit als Bindeglied zwischen den Aktionsständen und den Filmen.

Dass Aktionen wie die Jugendfilmtage Wirkung zeigen, belegen aktuelle Zahlen der BZgA zum Alkohol- und Nikotinkonsum von Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren: Waren es 2001 noch 28 Prozent die regelmäßig rauchten, sind es 2010 nur noch 13 Prozent. Mindestens einmal in der Woche Alkohol trinken heute 13 Prozent, 2004 waren es 21 Prozent.

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