Alois Senefelder und die Geschichte der Lithografie

So wichtig wie Gutenberg

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Oberbürgermeister Horst Schneider, Harry Neß, Vorsitzender des Internationalen Arbeitskreises für Druck- und Mediengeschichte, sowie Dr. Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte (von links), bei der Präsentation der Bestandsaufnahme zur örtlichen Druck- und Lithografiegeschichte. Im Vordergrund steht eine Nachbildung von Alois Senefelders Stangenpresse. Das Original befindet sich in München.

Offenbach - Im Jahr 1800 beginnt in Offenbach eine Erfolgsgeschichte: Die Lithografie, der von Alois Senefelder entwickelte Steindruck, wird erstmals kommerziell angewandt. Schon bald wird das Druckverfahren zu einem Weltmarktführer bei Kunst- und Gebrauchsgrafiken. Von Christian Wachter

Zur Geschichte der Lithografie wurde jetzt ein ausführlicher Bericht im Haus der Stadtgeschichte vorgestellt. Und auch ein Museum im Bernardbau steht wohl in den Startlöchern. Durch die erstmalige Anwendung eines neuen Flachdruckverfahrens begann von Offenbach aus der Siegeszug der Lithografie. Ihre Geschichte begann allerdings etwas früher: Mit einer Zeitungsanzeige suchte der finanziell schwer angeschlagene Alois Senefelder 1799 in München nach einem Abnehmer für seine Erfindung, die Stangenpresse. Durch einen Zufall wurde Johann Anton André darauf aufmerksam, erwarb die Rechte an dem Verfahren und ermöglichte unter großem finanziellen Aufwand dessen kommerzielle Nutzung in Offenbach. Später bedienen sich Künstler wie Marc Chagall und Pablo Picasso des Verfahrens, es wird zu einer wichtigen Grundlage für Kunst- und Gebrauchsgrafik. Bis heute ist die Methode durch die Weiterentwicklung zum Offsetdruck weltweit präsent.

Wie viele Veränderungen die Erfindung mit sich brachte, weiß der Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, Dr. Jürgen Eichenauer, zu berichten. Früher hätten Künstler und Komponisten oft Jahre gebraucht, um Werke in Platten zu ritzen, während sie diese mit dem chemischen Verfahren des Flachdrucks schnell verbreiten konnten. Um die Geschichte der Lithografie und die Bedeutung der Stadt Offenbach in diesem Kontext angemessen zu würdigen, hat Harry Neß, Vorsitzender des Internationalen Arbeitskreises für Druck- und Mediengeschichte, ein Jahr lang geforscht. Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Hessischen Museumsverband, entstand in dieser Zeit ein Bericht, der detailliert aufzeigt, welche Exponate zur Druck- und Lithografiegeschichte Offenbachs im Rhein-Main-Gebiet vorhanden sind. „Dabei handelt es sich auch um einen Wegweiser für künftige Projekte“, berichtet der übergeordnete Leiter des Stadtarchivs, Dr. Eichenauer.

Eine Metapher, die Horst Schneider gern aufgreift. „Heute werden bei Manroland Sheetfed hochwertige Maschinen hergestellt, die eine High-Tech-Industrielle Fortsetzung dieser Erfindung sind und in der ganzen Welt verkauft werden.“ In der aktuellen Bedeutung sei die Erfindung wesentlich höher einzuschätzen als Johannes Gutenbergs Buchdruck, so der Oberbürgermeister. „Das wollen wir auch sinnlich erfahrbar machen und dafür museal gleichziehen und die Lithografiegeschichte ergänzen. Aktuell sind wir dabei, dafür die sachlichen und räumlichen Voraussetzungen zu schaffen.“ In diesem Zusammenhang müsse man auch Neß danken, da dieser mit seiner Arbeit eine wichtige Grundlage für das Vorhaben geschaffen habe.

Neß hat in seinem Bericht Archivalien und Artefakte verschiedener Orte erfasst. So forschte er unter anderem im André-Archiv, im Klingspormuseum, aber auch im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte oder im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt. Grabungsarbeit habe er vorgenommen, erzählt Neß. Viel sei verschüttet und wieder freigelegt. worden. Die Einrichtung eines Senefeldermuseums sei nur zu empfehlen, gerade, weil der Bestand so groß sei. Es liege auch in der Verantwortung der Stadt, diesen konservatorisch zu sichern, archivarisch zu bewahren und museal zugänglich zu machen. „Die Bürger müssen mit der Technik in Berührung kommen“, so Neß.

Als wahrscheinlich sehe er es an, fügt Schneider hinzu, dass eine solche museale Zugänglichkeit in einem öffentlich institutionellen Rahmen im Bernardbau stattfinden könne. Im Kontext anderer räumlicher Umorganisationen in der Stadtverwaltung werde mit Hochdruck daran gearbeitet. Beim Thema Finanzierbarkeit verweist Neß auf die überregionale Konkurrenz. In den jüngsten Jahren sei viel Geld nach Frankfurt geflossen, etwa wegen des Romantik-Museums. Und das, obwohl viele Romantiker wegen der restaurativen Frankfurter Verhältnisse in Offenbach gelebt hätten. Bei solchen Schätzen, wie man sie aktuell finde, sei die Politik gefragt. „Es gilt, Gespräche zu führen, wie ein Museum mit Landesmitteln realisiert werden kann. Jetzt ist Offenbach mal dran!“

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