Alte Köche, neue Rezepte

Offenbach - Es bleibt alles wie es ist und soll doch ganz anders werden. Die Perspektive für den Offenbacher Weihnachtsmarkt ist zwiespältig. Stadtrat Paul-Gerhard Weiß bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung gestern, dass die Firma Pro OF den Markt für weitere drei Jahre organisieren werde.

Ein entsprechender Vertrag zwischen der Stadt und der Firma sei noch nicht ganz fertig, werde aber wohl in den nächsten Tagen unterschrieben.

Darin sollen die alten und neuen Betreiber des Weihnachtsmarktes zugleich verpflichtet werden, in erheblichem Maße Veränderungen vorzunehmen. Denn Kritiker beklagen seit Jahren eine mangelnde Attraktivität des adventlichen Treibens in der Innenstadt. Das Sortiment der Beschicker, die Gestaltung der Buden, die Außendarstellung des Marktes und einiges mehr ließen in den Augen vieler vieles zu wünschen übrig. Das hat die mit der Auswahl des künftigen Marktbetreibers betraute Arbeitsgemeinschaft Feste - in der zum Beispiel Einzelhandelsverband, Industrie- und Handelskammer oder Interessengemeinschaft Treffpunkt mitmischen - offenbar ähnlich gesehen.

Doch die Mehrheit der Entscheider traut den bisherigen Betreibern eher zu, „den Weihnachtsmarkt voran zu bringen“ (Weiß), als den vier Konkurrenten, die sich bei einem Ausschreibungsverfahren ebenfalls um die Ausrichtung beworben hatten. Den Ausschlag gegeben hätten vor allem die konzeptionellen Möglichkeiten der Bewerber. Bereits für den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr würden Investitionen in die Gestaltung fest vereinbart. Für die Märkte ab 2010 würden zusätzliche - insbesondere kunsthandwerkliche - Angebote verbindlich eingefordert. Der Vertrag enthalte eine Ausstiegsklausel für den Fall, dass die qualitativen Verbesserungen nicht tatsächlich erreicht werden, betonte Weiß.

Die Stadt hatte den bis dahin kommunal betriebenen Weihnachtsmarkt 1997 an Pro OF vergeben. Deren Geschäftsführer und Gesellschafter verfolgen mit dem Markt auch noch eigene geschäftliche Interessen: Klaus Kohlweyer besorgt die Installation, Hans-Peter Kampfmann betreibt Getränkestände und beliefert weitere.

Auch diese Verquickung war oft Gegenstand der Kritik. Zahlreiche Gerichtsverfahren mit Beschickern brachten den Markt in die Schlagzeilen („Bratwurstkrieg“, „Glühweinkonflikt“). 2007 wurde Pro OF zur Zahlung eines Schadensersatzes von 39 000 Euro an den Hanauer Imbissstandbetreiber Dominik Weingärtner verurteilt. Über ihren Rechtsanwalt erklärte die Firma damals, sie sei außerstande, den Betrag zu zahlen.

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