Alte Lokschuppen im ehemaligen Hafengelände

Nostalgie fürs eigene Zimmer

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Die Möbelstücke kannten viele noch von ihren Besuchen im Lokschuppen. So freuten sie sich, die Erinnerungsstücke mit nach Hause zu nehmen.

Offenbach - Da der alte Lokschuppen im ehemaligen Hafengelände einem Neubau weichen muss, wurden seine Pforten zum letzten Mal geöffnet: Bei einer Möbelaktion war das eine oder andere Juwel zu erwerben. Von Tonia Hysky 

Der alte Lokschuppen öffnete ein letztes Mal seine Türen für Besucher. Jedoch nicht wie üblich für ein Konzert oder Ähnliches, sondern für ein Erlebnis der besonderen Art: Verkauf von alten Möbeln, Interieur und anderen Relikten aus dem ehemaligen Kulturzentrum Hafen 2.

Dessen Umzug aus dem Lokschuppen machte den Verkauf der Möbel erforderlich. Auf 240 Quadratmetern durften sich Besucher unter dem Titel „Die Jagd. Oder: Der Lokschuppenabrissmöbelausverkauf“ auf die Suche nach originellen Stücken für das eigene Heim begeben. Bereits eine halbe Stunde vor Öffnung standen etliche Interessenten vor den Türen. Eine von ihnen, Susanne Mantz, fand mit einem Sessel aus der Produktion des berühmten Designers und Architekten Charles Eames schnell ein schönes Erinnerungsstück: „Man saß selbst drauf, jahrelang. Es ist eine Erinnerung und natürlich auch ein Designklassiker.“

Zusammen mit den Tischen des ebenfalls prominenten Architekten Ferdinand Kramer bildeten die Sessel einen wichtigen Teil des Verkaufs: „Das Kernstück des Cafés waren einfach die Sessel und die Tische, dadurch haben die auch einen ideellen Wert für uns“, bestätigte Mit-Iniatorin Andrea Weiß vom Trägerverein Suesswasser. Christian Buhr fand etwas mit persönlichem Wert: Zwei CDs seiner Lieblingsband Mio Myo. „Die sind alle sozusagen handgemacht und handeingewickelt mit selbst designten Covers, davon wurden maximal 1000 hergestellt. Wir haben die Band hier auch schon öfter gehört, und der Sänger hat auf unserer Hochzeit gespielt. Genau diese eine CD hat uns noch gefehlt, die andere werde ich an Freunde verschenken.“

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Auch Platten, Klamotten, Accessoires oder ein alter Ausschankwagen wurden verkauft. Die meisten Kleidungsstücke waren Fundware, der eine oder andere Besucher entdeckte ein witziges oder nostalgisches Stück. Auf den Fernsehgeräten, die zum Verkauf standen, wurde manche Fußball-WM ausgestrahlt. Sogar Möbel mit eigener Historie wurden verkauft – auf einem Lederstuhl soll die amerikanische Sängerin und Songwriterin Beth Ditto gesessen haben.

Für Andrea Ehrig war der Lokschuppen einer ihrer Lieblingsorte. „Das Gebäude hat einfach durch seinen unfertigen Charakter eine besondere Patina.“ Am Ende ging sie mit einer Discokugel für den Kindergeburtstag nach Hause. Auch Dieter Gaebel gab sich mit dem Kauf dreier Lampen seiner Nostalgie hin. „Ich wollte gern etwas kaufen als Erinnerung. Die Lampen kann ich umrüsten und in der Wohnung einsetzen.“ Andrea Weiß wurde etwas wehmütig, denn „die allererste Veranstaltung war am 14. Februar 2004, an einem Samstag. Und auf den Tag genau elf Jahre später stehen wir hier.“ Die Organisatoren haben sich entschlossen, den Sonntag als endgültigen Abschiedstag zu nutzen.

Neugestaltung am ehemaligen Hafen (Archiv)

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Dann konnten die Besucher beim Stöbern in alten Erinnerungen noch Kaffee trinken und der Musik des britischen Sängers Cajita lauschen. Das Konzert wurde kurzerhand in den ehemaligen Raum des Cafés im alten Lokschuppen verlegt. Genug Platz gab es, denn auch die Theke des Cafés fand bereits im Vorfeld des Verkaufs einen neuen Besitzer.

Für viele Besucher ging mit der Schließung des ehemaligen Kulturzentrums eine Ära zu Ende. Allzuviel Raum für Sentimentalität ist aber nicht nötig - der Neubau des Hafens 2 befindet sich nur wenige hundert Meter weiter westlich am Nordring 129.

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