Marlon Navarro ist gelernter Sattler

Taschen und Geldbörsen aus Leder: Alte Werte und Klasse statt Masse

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Marlon Navarro arbeitet am liebsten mit natürlich gegerbtem Leder. Damit produziert er ein zeitloses Sortiment an Lederwaren aller Art.

Offenbach - Marlon Navarro ist sicher der exotischste und jüngste seiner Zunft, und er dürfte inzwischen auch der letzte Leder-Handwerker sein, der ausschließlich in Offenbach, der einstigen Leder-Hochburg, produziert. Von Achim Lederle

Navarros Großeltern waren Spanier und wanderten nach Kuba aus, wo er im Jahr 1983 geboren wurde. Dort lernte Navarro das Täschnerhandwerk von der Pike auf: „In Kuba wurde ich zum Sattler ausgebildet, und zwar in einem staatlichen Betrieb, der Gürtel, Schuhe und Taschen unter anderem für Polizei und Militär fertigte. Auch die Ausrüstung unseren kubanischen Cowboys – vom Sattel über das Gurtzeug bis zur Hose – wurde in meinem Lehrbetrieb hergestellt“, erzählt der 35-Jährige. 2008 kam Marlon Navarro der Liebe wegen nach Deutschland: „Hier fühle ich mich sehr wohl, habe aber weiter meinen spanischen und kubanischen Pass.“

In seinen ersten Jahren in Deutschland hat Navarro zuerst in anderen Branchen gejobbt und war unter anderem Lackierer in einem Betrieb in Mühlheim.

Im Jahr 2013 zog er nach Offenbach um: „Seitdem hat mich der Zauber dieser Stadt in ihren Bann gezogen. Ich habe hier mehr echte Freunde gefunden als jemals zuvor. Das liegt meiner Meinung nach am freien Geist der Stadt, an der Offenheit gegenüber anderen Kulturen.“ Und genau dies spüre er als Unternehmer auch in der Zusammenarbeit mit den örtlichen Institutionen. „Kurz gesagt: Man wird hier von jedem mit offenen Armen empfangen.“

Nun hat sich Navarro entschieden, in Offenbach das zu tun, was er am besten kann: Nämlich Lederwaren fertigen. Vor wenigen Wochen eröffnete er seine erste Werkstatt mit Showroom auf 60 Quadratmetern im Kreativzentrum Hassia-Fabrik.

„Dort arbeite ich momentan noch alleine. Mittelfristig werde ich sicher Mitarbeiter benötigen, aber meine eigentliche Idee ist es, gesund zu wachsen und, anders als die großen Ledermarken, immer eine Manufaktur zu bleiben“, erzählt der 35-Jährige. Er will individuellen Kundenansprüchen gerecht werden und vom Kleinlederartikel bis zur Reisetasche ein breites Spektrum an handgefertigten Lederwaren anbieten. Zur Zeit sitzt er an einem Auftrag für einen Harfen-Koffer. Auch Laptop- und Werkzeug-Taschen bietet Navarro an: „Ich arbeite ausschließlich mit natürlich gegerbtem Leder und am liebsten mit Sattler-Leder. Damit lässt sich fast alles produzieren“, sagt er.

Navarro unterstreicht: „Als letzter Ledermacher, der komplett in Offenbach produziert, ist es für mich natürlich eine Ehre, den Geist dieses wunderbaren Handwerks und die Tradition weiterzutragen.“ Er ist davon überzeugt, dass sich die Menschen zur Zeit wieder auf alte Werte zurückbesinnen. „Dazu gehört auch, sich eben für eine Tasche zu entscheiden, die sie ein Leben lang begleitet, für eine Geldbörse, die im Lauf der Zeit Patina gewinnt und dadurch immer schöner und einzigartiger wird“, sagt er.

Seinen Kunden verspricht er, dass „sie bei mir jederzeit eine Anlaufstelle haben, wenn mal nach Jahren ein Problem auftreten sollte. Meine Produkte sind wirklich eine Entscheidung fürs Leben.“

Navarro hat sein Credo und seinen eigenen Arbeitsethos: „Ich werde immer für meine Kunden persönlich ansprechbar bleiben. Bei mir geht es um Klasse statt Masse – eben um die alten Werte. Die Menschen davon zu überzeugen, ist mein eigentliches Ziel.“

Navarros zeitloses Ledersortiment lässt sich auf auch auf Instagram visuell bewundern. Da die Haptik bei seinen Produkten aber wichtig ist, lädt er Interessierte jederzeit in seinen Showroom in der Hassia-Fabrik (Christian-Pleß-Straße 11-13) ein. Am 16. Juni veranstaltet er dort auch seinen ersten Tag der offenen Tür.

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