Seniorenplanung in Offenbach

Die Alten nicht vergessen

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Offenbach - Mit dem Alter ist das so eine Sache. Mancher fühlt sich bereits mit 54 uralt, während 70-Jährige noch locker einen Marathon laufen. Es gibt also nicht „die Alten“. Von Martin Kuhn

„Es ist keine homogene Gruppe“, sagt Heidi Weinrich, die, man wagt es kaum zu schreiben, verantwortlich zeichnet für die Kommunale Altenplanung. Mit Stadtrat Dr. Felix Schwenke stellt sie gestern die erste Fortschreibung des städtischen Altenplans vor, der weniger konkreter Plan als Datensammlung mit empfehlenden Charakter ist.

Die Ausgangslage in Offenbach scheint für die Älteren, gern als aktive Senioren, Best Ager oder 55 plus bezeichnet, denkbar schlecht. Schließlich herrscht politischer Konsens, dass die Stadt in die Bildung investiert – sprich: Kitas und Schulen. „Darüber vergessen wir aber die Alten nicht“, betont der Sozialdezernent. Er will aber vermeiden, dass mit der Fortschreibung „Hoffnungen geweckt werden, dass etwas Neues passiert“. Schwenke möchte die Erwartungen nicht so hoch schrauben, sondern will eine „situationsbewusste Fortschreibung“ des Altenplans. Übersetzt: Der Kommune fehlt auch hier das Geld, um mehr als punktuelle Schwerpunkte zu setzen. „Leider“, fügt der der SPD-Mann hinzu, der mit den Magistrats-Kollegen das politische Handeln unterm hessischen Rettungsschirm aber nicht ganz aufgeben möchte. Stets unter der zentralen Frage: Was ist überhaupt möglich?

Empfehlung des  Altenplanes

Deutlich wird’s vielleicht an einem Beispiel aus der jüngeren Historie. Eine Empfehlung des  Altenplanes - 362 Seiten stark, aus dem Jahr 2002, unterschrieben von Stadträtin Ingrid Borretty - war unter dem Punkt „Gemeinschaftliches Wohnen“ die Initiierung des Projektes „Lebenszeiten e.V.“. Die generationenübergreifende Wohnanlage in der Weikertsblochstraße 58 gilt längst als Vorzeigeprojekt. Ähnliches plante am Landgrafenring der Verein „Lebenswert “ Das missglückte, da die Mitglieder mehr von der Stadt erhofften, als diese letztlich geben konnte.

Schwenke: „Da ist die Kommunikation über Prämissen leider schief gelaufen.“ Der Verein erhoffte sich als Unterstützung günstigen städtischen Baugrund. Die Kommune wertete es als ausreichende Hilfe, diesen zu marktüblichen Preisen nicht an einen Investor, sondern an die Projektgruppe zu verkaufen. Das sorgte zwar für Irritationen auf beiden Seiten, allerdings nicht für das Ende einen solchen Projekts. Mittlerweile soll sich ein weiterer Verein gründen.

Seniorensitzung des OKV (2013)

Seniorensitzung des OKV

Von den 48 Empfehlungen des Altenplans, seien etliche verwirklicht worden, sagt Heidi Weinrich. Ohne eine Gewichtung vorzunehmen, nennt sie das Projekt „Auszeit“ zur Betreuung von Demenzkranken oder die Weiterentwicklung der Angebote in Seniorentreffs – etwa mit dem Bewegungsparcours in Tempelsee. Hingegen wurde eine „Wohnraumberatung“ (Wie beseitige ich Stolperfallen?) wieder eingestellt, da die Nachfrage zu gering war.

Ziel der Fortschreibung ist, dem Thema „Älter werden in Offenbach“ wieder eine größere Aufmerksamkeit in der kommunalen und somit politischen Diskussion zukommen zu lassen. Daten werden fortgeschrieben und erweitert. Allerdings wird das nicht mittels einer representativen Umfrage in der Zielgruppe gemacht. Die „soziodemografischen Daten“ basieren auf vorhandenen Zahlen, Arbeitsgruppe mit Fachleuten benennen in Workshops „neu zu bearbeitende Zukunftsfelder“. Termine sind im Juli und August.

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