Alten- und Pflegeheim am Buchrainweg

Schramm-Stift schließt

+
Am Buchrainweg geht eine Ära zu Ende: Das Wilhelm-Schramm-Stift stellt Ende April seinen Betrieb ein. Bewohner und Mitarbeiter haben aber das Angebot bekommen, in einer anderen Einrichtung unterzukommen.

Offenbach - Alten- und Pflegeheim am Buchrainweg ist nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Und eine Erweiterung der Einrichtung scheiterte am Fluglärm. Die 39 Bewohner haben ein Angebot zum Umzug. Von Matthias Dahmer

Mehr als 100 Jahre war das Wilhelm- Schramm-Stift eine Institution in Sachen Betreuung und Pflege. Zum 30. April wird das Alten- und Pflegeheim am Buchrainweg seinen Betrieb einstellen. Grund: Die Einrichtung ist nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Eine notwendige Erweiterung scheiterte an den Offenbach auferlegten Einschränkungen durch das Fluglärmschutzgesetz.

Am vergangenen Freitag teilte das Kuratorium der Wilhelm-Schramm-Stiftung den 39 Bewohnern und ihren Angehörigen sowie den 30 Mitarbeitern die Entscheidung mit. Die Bewohner erhielten das Angebot, in ein anderes Heim in der Stadt umzuziehen. Teils ist man dort wohl auch bereit, Mitarbeiter zu übernehmen.

Der Beschluss zur Schließung sei den Mitgliedern des Kuratoriums sehr schwer gefallen, warb dessen Vorsitzender Stefan Grüttner gestern um Verständnis. Eine andere Entscheidung sei jedoch nicht möglich gewesen. Mit seinen 39 Plätzen habe das Schramm-Stift keine betriebswirtschaftlich zukunftsfähige Größe. Aufgrund der räumlichen Situation, die Zimmer verfügen über keine eigenen Nasszellen, sei man gegenüber anderen, moderneren Einrichtungen in Offenbach im Nachteil. „Bei einer Modernisierung hätten wir weitere zwölf Plätze verloren“, berichtet der Kuratoriumsvorsitzende. Durch den Heimbetrieb in seiner jetzigen Form seien Verluste entstanden, die in absehbarer Zeit das Stiftungsvermögen aufgezehrt hätten.

Erweiterung scheitert am Fluglärm

Die Suche nach einem strategischen Partner für den Betrieb oder die vollständige Übernahme des Stifts, so Grüttner weiter, habe bereits vor zwei Jahren begonnen. Nachdem einige Versuche gescheitert seien, habe man in den vergangenen 13 Monaten mit einem Interessenten detaillierte Planungen für eine Übernahme und einen Anbau erarbeitet. Grüttner: „Um das Schramm-Stift betriebswirtschaftlich sinnvoll zu betreiben, hätte aber die Zahl der Plätze auf 80 verdoppelt werden müssen.“

Die Erweiterung scheiterte letztlich am Fluglärm. Das Stift liegt in der sogenannten Tagesschutzzone 2. Dort sind Erweiterungsbauten von Seniorenheimen nach dem Fluglärmschutzgesetz nur zulässig und vom Regierungspräsidium genehmigungsfähig, wenn ein von der Stadt bestätigter Bedarf besteht. Einen solchen mochte man im Rathaus angesichts der vorhandenen Überkapazitäten bei Pflegeplätzen nicht unterschreiben. Auch einen besonderen Bedarf, beispielsweise zur Versorgung älterer Menschen mit psychischen Erkrankungen oder von Demenzkranken, hätte nicht in einer für eine Neuinvestition notwendigen Anzahl nachgewiesen werden können. „Vor diesem Hintergrund war kein Betreiber oder Investor zu finden, der ein solches Projekt auf sich genommen hätte“, sagt Grüttner.

Das ändert sich durch die Pflegereform

Das ändert sich durch die Pflegereform

Mit Blick auf seine Mitarbeiter geht Detlev Oberhell, Leiter des Schramm-Stifts, davon aus, dass sie angesichts des Bedarfs an Pflegekräften eher geringe Probleme haben dürften, eine neue Arbeitsstelle zu finden.

Angehörige weisen unterdessen darauf hin, dass der angebotene Pflegeplatz in einem anderen Heim mit monatlichen Mehrkosten zwischen 300 und 500 verbunden sei. Zudem kritisieren sie, dass ihnen die Entscheidung relativ kurz vor der beabsichtigten Schließung bekannt gegeben wurde. Grüttner kann das verstehen, betont aber, die endgültige Entscheidung zur Schließung sei erst am vergangenen Dienstag gefallen. Danach habe man sofort die Versammlung einberufen.

Das denkmalgeschützte Gebäude am Buchrainweg soll nach Beendigung des Heimbetriebs vermarktet werden. Der Umbau zu Wohnungen ist möglich. Die Erlöse aus einem Verkauf würden der Stiftung zufließen, die ihrerseits in eine Förderstiftung umgewandelt werde, so Grüttner.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare