Neue Generation Senioren

Gespräch über Situation älterer Offenbacher

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Moderator Bruno Persichilli und Expertin Heidi Weinrich diskutierten im Else-Herrmann-Saal den Altenplan.

Offenbach - Die Situation von Senioren in Offenbach nahm der Politische Salon von Arbeiterwohlfahrt und Volkshochschule in den Blick und lud die kommunale Altenplanerin Heidi Weinrich zu sich ein. Von Harald H. Richter 

„Altenplanung ist ein dynamischer Prozess, in dem wir auf kommunaler Ebene immer wieder auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren müssen. Vor allem orientiert sich unser Handeln an sehr verschiedenen Bedürfnissen der Senioren, die keiner homogenen Gruppe angehören.“ Heidi Weinrich weiß, dass diese Menschen sich heute subjektiv jünger und aktiver fühlen als ihre Altersgenossen etwa vor 50 Jahren, länger leben und dies vor allem so lange wie möglich selbstbestimmt in ihrem gewohnten Umfeld tun wollen.

Die Altenplanerin der Stadt Offenbach bespricht mit rund 30 Zuhörern, die am Montagabend in den Else-Herrmann-Saal gekommen sind, ein Thema, das alle im Publikum betrifft. Vergangenes Jahr war die erste Fortschreibung des Papiers verabschiedet worden, und es enthält wichtige Zielvorgaben. „Diese lassen sich in fünf Entwicklungsbereiche gliedern“, erläutert Weinrich. Wer heute das Rentenalter erreiche, wolle oftmals noch gar nicht in den Ruhestand wechseln. „Deshalb müssen wir mittelfristig entlohnte und nachhaltige Arbeitsmöglichkeiten für Ältere schaffen, beziehungsweise bestehende sichern.“ Das Ziel sei eine zufriedenstellende ökonomische Lebenslage.

Eine weitere Priorität stelle die offene Seniorenarbeit dar, so Weinrich. „Sie ist in Offenbach strukturell noch nicht ausreichend etabliert und systematisch koordiniert.“ Daraus folge ein eher zufälliges seniorenspezifisches Angebot, das sich nur eingeschränkt an Bedürfnissen der unterschiedlichen Gruppen von Älteren orientiere. „Oftmals ist es auch so, dass viele von den Angeboten gar nicht erreicht werden.“ Eingedenk dessen hat das Stadtparlament zugestimmt, eine zentrale Koordinierungsstelle für die offene Seniorenarbeit zu schaffen. „Die Ausschreibung dieser Position wird momentan vorbereitet.“ Die Stelle könne kommunal oder an einen stadtnahen Trägerverein angebunden sein.

„Wichtig bleibt die Vernetzung aller Akteure der Altenarbeit zu verstärken, auch Behindertenverbände ins Boot zu nehmen und den Qualitätszirkel Gesundheit wiederzubeleben“, nennt Weinrich ein weiteres Planungsziel. Kurzfristig könnten schlüssige Informationssysteme geschaffen werden, die sowohl internetbasiert als auch in Druckerzeugnissen auf seniorenspezifische Angebote hinweisen. Ein besonderer Entwicklungsbereich ergebe sich auf dem Gebiet Wohnen und Stadtgestaltung. Bezahlbare Wohnungen seien knapp und selten barrierefrei. Eine selbstbewusste Generation älterer Menschen wolle aber ihre Unabhängigkeit erhalten und möglichst lange in eigener Häuslichkeit leben.

Im Alter in eine Wohngemeinschaft ziehen

Daneben gelte es nachbarschaftlich unterstütztes Wohnen zu fördern und alternative Formen auszubauen. Stadtgestalterisch träten noch immer zu viele Mängel zutage: Marode Gehwege, mobilitätshemmende Barrieren, zu wenige Toiletten und Rastmöglichkeiten. Den fünften Entwicklungsbereich stellt die Sozialraumorientierung dar. Hier geht es darum, kleinräumig zu planen und Begegnungsorte für ältere Menschen zu schaffen. Es sei eine Tatsache, dass die Zahl der Ein-Personen-Haushalte zunehme und der entsprechende Personenkreis allein altere. Zudem sinke die Bereitschaft und Möglichkeit erwachsener Kinder, die Versorgung der Eltern zu übernehmen.

Die Altenplanerin verweist darauf, dass Rumpenheim den prozentual höchsten Anteil an Bewohnern über 54 Jahre aufweist (Stichtag 31.12.2016), nachdem es im ersten Seniorenplan Tempelsee war. Mittfünfziger bildeten eine planungsrelevante Gruppe in der Stadtgesellschaft, deshalb seien sie in die Betrachtung aufgenommen worden, erläutert Weinrich. Die meisten Singlehaushalte gibt es mit 50,7 Prozent im Gebiet Kaiserlei, die absolute Zahl ist in Bieber (1138 Haushalte) am höchsten.

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