Alternative Gesundheit aus Fernost

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Mit einer Flamme erzeugt Wenjun Zhang (rechts) aus China in Schröpfgläsern Unterdruck und setzt sie auf den Rücken ihres Patienten. Geschäftsführerin des LuShan-Zentrums, Pei-Fang Wagner, assistiert.

Offenbach ‐ Der Kaiserleikreisel markiert nicht nur die Grenze zu Frankfurt, sondern auch zu einer anderen Welt. Denn dort trifft die westliche Hemisphäre auf fernöstliche Heilkunst. Von Katharina Platt

Seit etwa vier Wochen hat „LuShan“, das Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) eröffnet. Im dritten Stock der Berliner Straße 312 tun sich Türen auf zwischen westlicher und chinesischer Medizin. Zwischen bekannten und weniger bekannten Heilmethoden sowie zwischen moderner und traditioneller Kultur.

Chinesische und deutsche Spezialisten arbeiten eng zusammen und vereinen viele Kenntnisse dieser zwei Welten, wirbt Geschäftsführerin Pei-Fang Wagner. Das Zusammenspiel beider Anschauungen spiegelt sich auch in der Gestaltung der Räume wider. In hellen, modernen und großzügigen Räume wird der Besucher begrüßt. Vor weißen Wänden stehen dunkle, antike Möbel aus China und verbreiten eine fernöstliche Atmosphäre.

Seit 1983 lebt sie mit ihrer Familie in Offenbach

Vor einer grünen Mosaikwand thront ein hölzerner Stuhl aus der Ming-Dynastie. Es ist der Platz von Pei-Fang Wagner. Die Deutsch-Chinesin träumt seit drei Jahren von einem zweiten Offenbacher Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin, das mit Ärzten aus dem Ursprungsland arbeitet. Eine erste ähnliche Einrichtung gibt es bereits an der Frankfurter Straße.

„Die Chinesen sagen, dass Zeit, Ort, Menschen und der Himmelswille zusammen passen müssen, damit etwas Neues entsteht“, sagt Pei-Fang Wagner. Nun scheinen alle Voraussetzungen erfüllt, um mit der großen Praxis an den Start zu gehen. Die China-Beauftragte des Kreis Offenbachs weiß, dass die Akzeptanz der chinesischen Heilkunst erst viele Jahre wachsen musste. Nun hoffen sie und ihre Mitstreiter, dass es so weit ist.

Seit 1983 lebt sie mit ihrer Familie in Offenbach und schlägt seit jeher Brücken zwischen den Ländern und Kulturen. Ebenfalls bemüht um die Zusammenarbeit der Kulturen ist Johannes Nagel. Der Allgemeinmediziner mit Akupunktur-Ausbildung ist im „LuShan-Zentrum“ zuständig für die Diagnose. In einem der Ärztezimmer hat er sich bereits eingerichtet.

Chinesische Medizin in Deutschland vorstellen

Aus einem der vier Behandlungszimmer strömt ungewohnter Geruch. Es sind verbrannte Kräuter. Sie werden auf Nadeln gesetzt, die die Hitze in die Akupunkturpunkte des Körpers leiten. Diese Therapie gehört zu den Spezialgebieten von Professor Wenjun Zhang. Die Medizinerin, die zuletzt Chefärztin im TCM-Hospital in Xian war, leitet nun die medizinischen Abteilung des Zentrums. „Wir sind sehr stolz, dass wir Dr. Zhang für uns gewinnen konnten“, erklärt Pei-Fang Wagner.

„Ich möchte die chinesischen Medizin in Deutschland vorstellen und kranken Menschen helfen“, sagt Wenjun Zhang. Seit einem Monat lebt sie in Offenbach und entdeckt täglich Neues. Offen und neugierig sei die Spezialistin, versichert Pei-Fang Wagner.

Die Palette der Krankheiten, die im „LuShan-Zentrum“ behandelt werden ist lang. Erkrankungen des Bewegungsapparates werden ebenso therapiert wie chronische Atemwegserkrankungen und leichte psychische Beschwerden. Bald sollen auch Tuinamassagen angeboten werden.

Das Trio hat hohe Ansprüche. Ihre Patienten haben oft viele Arztbesuche und fehlgeschlagene Therapieversuche hinter sich. Oft ist eine alternative Heilmethode ihre letzte Hoffnung.

Etwa 65 Euro kostet eine Sitzung im Zentrum, das sich am Gebührenkatalog der Krankenkassen orientiert. Weitere Informationen gibt‘s unter Tel.: 069-850966000 und auf der Lushan-Internetseite

Die chinesische Medizin behandelt nach ganzheitlichen Gesichtspunkten. Sie geht davon aus, dass Krankheiten durch Störungen des inneren Gleichgewichts entstehen und Symptome Hinweise auf ein Ungleichgewicht des ganzen Organismus sind.

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