Clubmusik und Meer-Flair

Alternative Klänge und Performance-Kunst beim  ersten „Riviera“-Festival

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Rappende Künstlerinnen aus Offenbach und Frankfurt: Die Römischen Votzen plädieren für Unisex-Toiletten. Mit dem ersten „Riviera“-Festival wollen die Veranstalter die Kulturszene fördern und Besucher in die Stadt locken.

Offenbach - Sommer, Sonne, Clubmusik: Mit dem zweitägigen Festival „Riviera“ will das Offenbacher Kulturamt vom 7. bis 8. September das Mainufer auf zwei Kilometern Länge mit Beats und Popmelodien beschallen – und damit der örtlichen Kulturszene eine neue Plattform zum Vernetzen geben.

Sabine-Lydia Schmidt hat mit ihrem Kollegen David Maier das Programm zusammengestellt. Im Interview mit Redakteurin Lisa Berins spricht sie über Ziele und Höhepunkte des Festivals sowie über die Off-Szene der Stadt.

Endlich ein Festival für die junge Alternativszene in Offenbach! Das wurde aber langsam Zeit, oder?

Ja! Und es kommt sogar genau zur richtigen Zeit. Offenbachs Off- und Kreativszene und überhaupt die Stadt an sich wird auf dem internationalen Spielfeld stärker wahrgenommen denn je.

Inwiefern?

Offenbach hat sich vor zwei Jahren als „Arrival City“ bei der Architekturbiennale in Venedig einen Namen gemacht. Außerdem haben die Feuilletons des Landes in letzter Zeit viel berichtet. Und da war Problemwels Wally, der im Sommer ganz Deutschland in Atem hielt...

Sabine-Lydia Schmidt vom Kulturamt.

„Riviera“ ist ein schöner, sommerlicher Name. Er klingt nach Urlaub, Sonnenuntergängen, Meeresluft und Cocktails. Was hat das um Himmels Willen mit Offenbach zu tun?
Offenbach am Meer! Der Name kommt ja nicht von ungefähr. Vom postindustriellen Hafengelände, das sich gerade verwandelt, bis zu den grünen Mainwiesen, die Uferlandschaft wird schon immer zum Flanieren und Abhängen genutzt.
Anders gefragt: Warum Offenbach? Weshalb findet ein solches Festival zum Beispiel nicht in Frankfurt oder Hanau statt?
Kann ja noch werden. Unsere „Riviera“ ist tendenziell verlängerbar – wir könnten Konzertschiffe nach Frankfurt oder Hanau fahren lassen.

Die junge Offenbacher Kulturszene spielt sich etwas im Verborgenen ab. Es gibt zwar bekannte Player wie das Robert Johnson, den Kulturwaggon, den Hafen 2 und seit zwei Jahren die Kressmannhalle. Aber von so etwas wie dem DJ-Sender Loof.TV oder von Kunst- oder Musik-Kollektiven muss man erst mal gehört haben. Was gibt es derzeit für Insidertipps?

Naja, viel spielt sich im Internet ab, die Szene ist also eher bei Digital Natives bekannt. Fürs „Riviera“ habe ich aber einen absolut heißen Tipp: das Konzert der Hamburger Rapperin Haiyti in der Heynefabrik! Dort hat Levi’s sein Europa Headquarter vergangenes Jahr eröffnet und verwandelt seinen Showroom für „Riviera“ zur Bühne. Ich kann verraten: Haiyti performt mit einem Streichquartett des Offenbacher Capitol-Orchesters. Klassik meets Trap. Da passen 200 Zuschauer rein – absolut exklusiv, früh da sein.

Noch ein Tipp ist die Clubnacht des Kollektivs Re:Boot. Die Jungs arbeiten mit dem African Music Archiv zusammen und vermischen die seltensten Plattenfunde des Kontinents mit zeitgenössischen Produktionen. So etwas hört man nicht alle Tage.

Wer sind eigentlich diese Leute, die in Offenbach für Szenekultur sorgen? Sind es noch immer hauptsächlich HfG-Studierende?

Klar, die Hochschule für Gestaltung prägt die Kunstszene, aber musikalisch kommen noch viel mehr Akteure hinzu. Die Crews um Loof.tv und Hotel International kommen beispielsweise aus der Ecke Wiesbaden – und haben schon einen härteren Offebäscher Akzent als wir alle zusammen.

Weshalb ist es dem Kulturamt wichtig, diese Leute zu unterstützen? Und wie soll das Festival dabei helfen?

Zum Auftrag eines Kulturamtes gehört die Pflege der lokalen Kultur, aber auch, Menschen von außerhalb in die Stadt zu holen und zu begeistern. Wenn die Gäste beim „Riviera“ oder zu den Kunstansichten mit einem Faltplan ihre Wege durch die Straßen und entlang des Ufers suchen oder das Shuttleboot besteigen, haben wir schon einiges belebt.

Sie sind ja selbst in der Szene aktiv, betreiben ein eigenes, kleines Plattenlabel mit dem Namen Unbreakmyheart. Wonach haben Sie die Acts ausgesucht, die an den beiden Tagen auftreten?

Die Locations haben mit entschieden. Schließlich stehen alle Orte, so unterschiedlich sie sind, für bestimmte Genres und Ansätze. Es war beinahe ein Wunschkonzert. Klar, durch jahrelange Erfahrung von meinem Kollegen David Maier und mir arbeiten wir mit einigen Booking-Agenturen zusammen, denen wir vertrauen. Aber einen persönlichen Wunsch habe ich mir doch erfüllt – die PTTRNS, eine Band mit sehr politischem Ansatz und auf dem Leipziger Label Altin Village & Mine, spielt in den Parkside Studios.

Welche Acts kommen aus Offenbach?

Stan 2000, eine ganz freshe Band, die gerade erst ihr Debüt zu den Kurkonzerten gab, die DJ-Crews um Hotel International und die rappende Künstlerinnen-Band Die Römischen Votzen sind zumindest hier gemeldet.

Es reisen aber auch viele aus anderen Städten oder dem Ausland an. Für jemanden, der keine Ahnung von der alternativen Musikszene hat: Was sind die Schmankerl?

Kat Frankie und die Grandbrothers! Sie spielen im Hafen 2, der größten Location. Sie spielen auf höchstem internationalen Niveau. Kat ist gerade für den renommierten Popkulturpreis 2018 nominiert, die Grandbrothers treten mit ihren modifizierten Grandpianos auch beim Montreux Jazz Festival auf.

Zwischen Kränen oder im Sand: Tanzen auf Europas Festivals

Es soll auch um performative Kunst gehen. Was erwartet uns da?

Da empfehle ich die Akademie für interdisziplinäre Prozesse (AfiP) an der Ludwigstraße 112a. Die Römischen Votzen plädieren dort am Freitag mit ihrem provokanten und avantgardistischen Rap für Unisex-Toiletten, der Offenbacher Plattenladen-Besitzer und DJ Matt Star (Mainrecords) wird mit dem Offenbacher Designstudio Sensory Minds eine wahnsinnig tolle Video- und Soundinstallation vorführen – Plattenteller drehen sich zu 60er-Jahre-Filmausschnitten.

Offenbach ist Multikulti: Kulturelle Gruppen existieren zwar relativ friedlich nebeneinander, ohne aber wirklich miteinander in Kontakt zu treten. An wen richtet sich das „Riviera“-Festival?

An alle! Ich hoffe, wir sehen uns an unserer „Riviera“.

„Riviera“-Festival, 7. bis 8. September, an verschiedenen Orten in Offenbach. Zwei-Tage-Ticket ab 35 Euro, Tageskarten ebenfalls erhältlich unter 069/1340400 und bei den üblichen Vorverkaufsstellen. Infos und Programm im Internet unter www.riviera-offenbach.de

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