Alternativen zum Altenheim

Offenbach - Immer mehr Senioren suchen nach Alternativen jenseits des Altenheims. Wohngemeinschaften, Mehrgenerationenwohnhäuser, betreutes Wohnen oder das eigene, altersgerecht umgestaltete Zuhause - neue Formen des Zusammenlebens werden wichtiger. Von Peter Schulte-Holtey

Carsten Müller, Sozialdezernent im Kreis Offenbach, bestätigt: „Nur die wenigsten möchten ins Seniorenheim ziehen - und viele sind so fit, dass sie ihre Vorstellungen und Wünsche für das Wohnen im Alter einbringen und umsetzen möchten.“ Im Kreis wollen die Verantwortlichen nun verstärkt auf den Trend reagieren. Bei einer Anhörung zum Thema „Wohnen im Alter“ diskutierten Bürgermeister und Stadträte mit Wohninitiativen im Kreis über Möglichkeiten, Planung und Suche nach der geeigneten Wohnform zu verbessern. Motto: „Gemeinschaft macht stark.“

Im Fokus stehen vor allem „Wohnen in Gemeinschaft“ oder Senioren-WG. Darunter versteht man sich selbst verwaltende Projekte, die altengerecht ausgestattete Wohnungen, Appartements oder Zimmer in einer Hausgemeinschaft anbieten. In solchen Häusern herrscht oft WG-Charakter. Es gibt Gemeinschaftsräume und Treffs, Nachbarschaftshilfe und bei vielen kleinen Dingen kann man von der gegenseitigen Nähe profitieren. Im Kreis Offenbach gibt es bereits vier solcher Initiativen: den Verein „Unter einem Dach - Gemeinschaftliches Wohnen e.V.“, das Projekt „Generationen Wohnen“ und den Verein „Wohnikum“. Demenzkranke und gesunde Seniorinnen und Senioren im Projekt „Ginkgo Langen e.V.“ in einem Haus. Sozialdezernent Müller: „Die Vorteile der verschiedenen gemeinschaftlichen Wohnformen liegen auf der Hand: Seniorinnen und Senioren profitieren nicht nur sozial durch die Nachbarschaft, sondern bringen sich selbst ein und können auch viel Geld sparen. Wer zum Beispiel ambulante Pflegedienste, Essen auf Rädern oder eine Haushaltshilfe benötigt, kann sich mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern abstimmen. Kosten für die Anfahrt müssen vom Pflegedienst nur einmal berechnet werden. Diese Zeitersparnis verbessert nicht zuletzt die Pflegequalität.“

Auch Mehrgenerationenhäuser werden immer beliebter

Die Bundesregierung fördert beispielgebende generationsübergreifende Wohnprojekte. Die Initiative „Wohnen für (Mehr) Generationen - Gemeinschaft stärken, Quartier beleben“ der KfW-Förderbank und des Familienministeriums unterstützt die Bildung neuer und alternativer Wohnformen im Alter; es geht um Wohngemeinschaften, die eine selbstständige und unabhängige Lebensführung der Bewohner ermöglichen.

Auch das ist nach Angaben des Kreises bei der Anhörung deutlich geworden: Knackpunkte gleichen sich bei allen Wohnprojekten: Grundstücksfrage, Mittelbeschaffung und Vorgaben der Stellplatzordnung. Die Wohninitiativen wünschten sich von den Kommunen darüber hinaus zügige Planung und Genehmigungsverfahren sowie Hilfe bei der Vernetzung mit Vereinen und Organisatoren vor Ort, die im Bereich der Altenhilfe tätig sind.

Müller: „Während die Kommunen grundsätzlich ihre Bereitschaft signalisiert haben, bei der Grundstücksfrage, der Planung und der Vernetzung Unterstützung zu gewähren, wurde auch schnell klar, dass die Finanzierung mit privaten Investoren oder Genossenschaftsmodellen erfolgen muss.“ Man sei sich einig gewesen, dass solche Projekte generell unterstützt werden müssten.

Gerlinde Wehner von der Leitstelle Älterwerden des Kreises rät, sich rechtzeitig Gedanken über Wohnformen im Alter zu machen: „Viele Menschen lassen sich von Krankheit und Pflegebedürftigkeit überraschen und können dann oft nicht mehr frei und selbst bestimmt über die gewünschte Wohnform entscheiden.“ Vorsorgen könne man in vielerlei Hinsicht. Zum Teil bezuschusse die Pflegeversicherung den altersgerechten Umbau der eigenen Wohnung. „Auch die Wohnungsgesellschaften können Ansprechpartner für ältere Mieterinnen und Mieter sein, wenn es darum geht, durch kleine Maßnahmen der Wohnungsanpassung das Leben zu erleichtern“, berichtet Wehner.

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