Altersarmut droht in Offenbach

Offenbach ‐ Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Südosthessen hat vor steigender Altersarmut in Stadt und Kreis Offenbach gewarnt und fordert den sofortigen Stopp der Rente mit 67. Von Marc Kuhn

Frank Herrmann, der Vorsitzende der DGB-Region Südosthessen, sagte unserer Zeitung, dass Altersarmut im südlichen Hessen schon jetzt deutlich zu spüren sei. „Aufgrund der Rentenkürzungen liegen die Altersrenten im Regierungsbezirk Darmstadt im Schnitt nur noch bei 749 Euro und damit noch niedriger als im Vorjahr. Damals wurden 757 Euro erreicht. Wir müssen dringend umsteuern, damit die gesetzliche Rente wieder armutsfest wird.“ Deshalb fordert die Gewerkschaft die Bundesregierung auf, die Rentenreform zu stoppen, „weil die Rente mit 67 die Altersarmut zusätzlich verschärfen würde“, erklärte Herrmann. Nach DGB-Berechnungen müsse im Regierungsbezirk Darmstadt mehr als jeder achte Beschäftigte aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden und hohe Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente hinnehmen.

Gewerkschaften protestieren nicht nur gegen die Rente mit 67

Im Rahmen eines Aktionsherbstes haben in den vergangenen Wochen Protestveranstaltungen in Offenbacher Betrieben stattgefunden, wie Walter Vogt, erster Bevollmächtigter der IG Metall berichtete. Damit sollte die Diskussion in die Betriebe getragen werden, erläuterte Emma Groß, stellvertretende Vorsitzende von Verdi in Offenbach. Die Gewerkschaften protestieren nicht nur gegen die Rente mit 67, sondern auch gegen die Zunahme von Leiharbeit und für bessere Zukunftschancen der Jugendlichen. Morgen findet auf dem Frankfurter Römerberg um 15.30 Uhr eine Demonstration unter dem Motto „Gerechtigkeit geht anders“ statt. Vogt geht davon aus, dass viele Menschen aus Offenbach an der Veranstaltung teilnehmen werden. Reichlich Buskapazitäten seien reserviert worden.

15,6 Prozent mehr Arbeitslose bei den 55- bis 64-Jährigen

„Die Rente ab 67 Jahre ist für meisten Beschäftigten unerreichbar und wird zu einer reinen Rentenkürzung“, erklärte Herrmann. Eine große Zahl von Arbeitnehmern könne nicht bis 65 Jahre arbeiten, weil die Beschäftigungschancen zu schlecht seien. Auch in Stadt und Kreis Offenbach biete der Arbeitsmarkt nicht genügend Möglichkeiten für Ältere, berichtete Herrmann. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seien nur 22,8 Prozent aller 60-64-Jährigen in der Region sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Mehr als jeder Vierte Arbeitslose im Agenturbezirk Offenbach sei älter als 50 Jahre. „Den meisten dieser fast 3700 Bürgerinnen und Bürger wird ein Wiedereinstieg in Beschäftigung nicht gelingen“, erklärte Herrmann. Auch die wirtschaftliche Erholung habe die Beschäftigungsmöglichkeiten Älterer nicht verbessern können. So seien die Arbeitslosenzahlen bei den 55- bis 64-Jährigen deutlich gestiegen. In Stadt und Kreis Offenbach gebe es im Vergleich zum Vorjahr 15,6 Prozent mehr Arbeitslose in dieser Altersgruppe.

Nach der Wirtschaftskrise Stand der Zeitarbeiterzahlen höher als vorher

Für den DGB sei die Rente mit 67 deshalb der falsche Weg, erläuterte Herrmann. „Die Voraussetzungen für eine Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters sind nicht gegeben. Es wäre völlig inakzeptabel, wenn die Bundesregierung sehenden Auges in Kauf nimmt, dass Altersarmut zur Perspektive für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird“, sagte Herrmann. Schon heute müsste bereits mehr als die Hälfte aller Altersrentner in Deutschland Abschläge in einer durchschnittlichen monatlichen Höhe von 114 Euro in Kauf nehmen, kritisierte der Gewerkschafter.

Der IG-Metall-Bevollmächtigte Vogt kritisierte zudem die Entwicklung der Zeitarbeiterzahlen in Offenbach. Nach der Wirtschaftskrise sei der Stand höher als vorher. Er geht von 1200 bis 1300 Menschen alleine in der Metallbranche aus. Im Einzelhandel sei die Zahl viel höher, berichtete die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Groß. Leiharbeiter würden „mehr und mehr Stammarbeitsplätze“ ersetzen, erläuterte Vogt.

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