Neues Grün auf altem Grund

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Auf dem alten MAN-Roland-Gelände soll neben Einkaufsmöglichkeiten und Wohnungen auch eine ansprechende Parkanlage entstehen. Stadtplaner und Anwohner bringen Ideen zusammen. Joachim Fa hrwald (links) und Michael Sperber.

Offenbach - Mit dem Satz „Das eine stirbt, das andere wächst“ fasst Oberbürgermeister Horst Schneider zusammen, was auf Offenbachs Stadtbild an vielen Orten zutrifft: Die Industrieanlagen des vergangenen Jahrhunderts weichen allmählich zeitgenössischen Bauten wie zuletzt am Hafen. Von Ronny Paul

Wohn- und Gewerbeflächen wachsen dort, wo früher tausende Arbeiter in Fabriken geschwitzt haben. Auf dem alten MAN-Roland-Gelände an der Senefelderstraße, das seit der Schließung 2004 brach lag und dessen Gebäude mittlerweile größtenteils abgerissen wurden, möchte Schneider „das Senefelderquartier neu beleben und einen lebendigen Mittelpunkt schaffen“. 3,2 Hektar Baufläche als neuer Impuls für die südliche Innenstadt. Das Senefelderquartier zwischen Bahnlinie und Anlagenring bekommt auf der alten Industriebrache auch einen neuen, 7 000 Quadratmeter großen Park. Stadtplaner Michael Sperber hat ein großes Defizit an Grün- und Spielfläche in diesem Stadtgebiet ausgemacht. Pläne dafür wurden im Zuge einer öffentlichen Veranstaltung am Donnerstagabend in der Albert-Schweitzer-Schule vorgestellt. Anhand von Bürgerbeteiligungen und Passantenbefragungen haben die Stadtplaner und die Firma memo-consulting Wünsche gesammelt. Umgesetzt hat diese Pläne das Landschaftsplanungsbüro Ipach.

Die Entwürfe wurden von memo-consulting Geschäftsführer Joachim Fahrwald, von Dagmar Mayerhofer vom Landschaftsplanungsbüro Ipach und von Tim Horst vorgestellt, der Anlagen für den Trendsport Parkour konzipiert. Die Pläne sehen vielversprechend aus: Spielflächen für Groß und Klein, viel Grün, Sitz- und Liegeflächen sowie einige Besonderheiten. Dazu gehören wie am Hafen eine Fläche für „Urban Gardening“, auf der Offenbacher ihre eigene Bepflanzung betreiben können, eine Boule-Anlage mit Sitzmöglichkeiten, ein Kleinkinderspielplatz, ein Kletterpark für Kinder und Jugendliche, ein Platz mit Wasserfontänen, eine Quartiersbox als Anwohnertreffpunkt, Liegemöglichkeiten auf den Grünflächen sowie ein Parkour-Areal. Was darunter zu verstehen ist, erläutert Tim Horst: Es handelt sich – ähnlich wie in der Militärausbildung – um einen Hindernisparcours, der ganzheitliches Training ermöglicht. Die Planer versprechen sich davon, einen Platz für Jung und Alt zu schaffen, der auch beim Zuschauen Unterhaltung bietet.

Pergola als Blickfang

Ein weiterer Blickfang des Quartiers soll die Pergola entlang der Gustav-Adolf-Straße werden. Diese wird als Ausgleich für den Abriss der ursprünglich unter Schutz gestellten Fertigungshalle errichtet. Die Metallkonstruktion soll zwischen dem Einkaufszentrum und der Frankfurter-AGB-Wohnbebauung den ehemaligen Blockrand im Süden abbilden. Ob die Pergola bepflanzt und beleuchtet oder einfach nur „stahlnackt“ bleibt, wurde angeregt diskutiert. Die Anwohner befürchten ein Einnisten von Tauben. Ob der Wunsch der Stadt nach einer Kindertagesstätte, angrenzend an die Christian-Pleß-Straße tatsächlich in die Tat umgesetzt wird, ist noch ungewiss. Eine Aufwertung des Senefelderquartiers wäre diese in jedem Fall.

Einig sind sich die Anlieger, dass Hunde dem Park fern bleiben sollten. Ebenso lehnen sie die Schaffung von Fußball- oder Basketballplätzen ab, um erhöhten Lärm zu vermeiden. Bedenken gibt es auch gegen eine rege Fahrradfrequentierung. Sperber verspricht, die Zweiräder möglichst an den Parkrand umzuleiten, um die schnelle Verbindung vom südlichen Offenbach zur Stadtmitte nicht ganz zu kappen. Weniger konkret sind die Kosten: Alles in allem verfügen die Planer über 1, 05 Millionen Euro für das gesamte Parkprojekt inklusive Fördergelder durch Bund und Land. Angesichts der ansprechenden Pläne ein ambitioniertes Vorhaben. Ende Oktober wird die Kostenkalkulation vorgelegt. Sperber rechnet mit etwa 100 Euro Investitionskosten pro Quadratmeter. Die Anwohner befürchten, es könnte mehr werden. Für Interessierte hat die Stadt eine Broschüre mit dem Titel „Vom Werk zum Wohnquartier“ aufgelegt, die viele Informationen, Bilder und Grafiken rund um das Senefelderquartier beinhaltet. Zu haben ist diese kostenlos im Baubüro, Berliner Straße 60.

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