Altlast unter Pferdehufen

Offenbach -  Es ist eine dieser eher unergründlichen Geschichten. Hier ein Verein, der seit 30 Jahren nahezu ungestört und erfolgreich arbeitet, jetzt aber um seine Zukunft fürchtet. Dort eine Verwaltung, die an bindendes Recht und übergeordnete Stellen gebunden ist. Und dazwischen die Lokal-Politiker, die sich bei der Sitzung des Bauausschusses einen Überblick verschaffen wollten.

Sicher ist nach dem Abend nur eines: Es gibt mehr Fragen als Antworten.

Als problematisch wird am Rumpenheimer Mainbogen eine vermutete Altlast unter dem annähernd 8 000 Quadratmeter großen Platz erachtet, den die Vereinsgründer für ihre Bedürfnisse selbst auffüllten. Eine erste Untersuchung, so Bauamtsleiterin Susanne Schöllkopf, ergab „hinreichende Verdachtsmomente“. Daher sei das Areal ins Altlasten-Kataster aufgenommen worden. Eine weiterführende Analyse gebe es nicht.

Was unter den Pferdehufen an Gift- und Schafstoffen schlummert, ist also unbekannt. Da hilft auch die Bekundung eines Rumpenheimers wenig, der hinter vorgehaltener Hand raunt: „Da ist böses Zeug drin.“ Hingegen schildert Hans-Jürgen Burmeister aus seinen Kindheitstagen: „Da haben die Rumpenheimer samstags ihren Hausmüll reingeworfen.“

Was hinzu kommt und das „Aus“ für den Reitplatz wahrscheinlich werden lässt: Im Flächennutzungsplan des Planungsverbands Rhein-Main ist dort eine Lücke, der Platz nicht weiter existent. Die Empfehlung des Regierungspräsidiums: Fläche eliminieren - ohne eine detaillierte zeitliche Vorgabe. Ein Verlust, nicht nur für die Reiter, findet Vereinsvorstand Ute Weiskamp: „Oft bleiben Kinder am Zaun stehen und rufen begeistert: Mama, schau mal, ein Pferd.“

Der Vorschlag der Offenbacher Verwaltung lautet nun: Suche nach zwei, drei alternativen Standorten in der Nähe des bisherigen Reitplatzes, die in die übergeordnete Planung passen. „Wir hängen in der Luft, wir brauchen diesen Platz. Sonst stirbt unser Verein“, appellierte Dr. Michaela Kipper, Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins, an die Adresse der Lokal-Politiker.

Die zeigten sich zumindest den Argumenten der Reiter nicht gänzlich verschlossen. Ausschuss-Vorsitzender Bernhard Schönfelder formulierte den Knackpunkt: „Was will die Stadt?“ Im Vorfeld der Sitzung hatte der CDU-Abgeordnete offenbar mal beim Planungsverband das Thema Rumpenheimer Reitplatz angesprochen und erfahren: „So ablehnend ist man beim Verband gar nicht.“

Das deckt sich mit der Aussage des Vereinsvorstandes, der bei Verbandsdirektor Stephan Wildhirt (SPD), selbst dem Pferdesport verschrieben, vorsichtig angeklopft hatte. Signal aus der Frankfurter Poststraße: Der Reitplatz könne bleiben. Weniger forsch zeigt sich an diesem Abend dessen Parteikollege Horst Schneider. Der Oberbürgermeister stellt klar: „Wir müssen uns um Altlasten kümmern, die das Grundwasser gefährden. Und das ist an dieser Stelle nicht ganz ausgeschlossen.“

Einen alternativen Weg entwickelt in aller Eile Matthias Heusel (FDP): „Was spricht dagegen, die Altlast zu beseitigen und anschließend an gleicher Stelle den Reitplatz wieder herzurichten?“ Es könnte der zeitliche Faktor sein. Schließlich müsste der Verein für die Dauer einer möglichen Sanierung seinen angestammten Platz räumen. Bernhard Schönfelder gibt sich letztlich diplomatisch: „Versprechen können wir Ihnen nichts. Aber es gibt einen parlamentarischen Willen.“ Der muss jetzt nur noch formuliert werden... 

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