Amoklauf durchs Strafgesetzbuch

Offenbach - (mcr) Wem sich bisher nicht erschlossen hat, warum Fahnder besonders umtriebige Gesetzesbrecher nicht nur Mehrfach- sondern auch Intensivtäter nennen, dem sei das Studium einer Meldung empfohlen, die Offenbachs Südosthessen-Polizei gestern absetzte.

Die Öffentlichkeitsarbeiter beleuchten unter dem Titel „Ein Tag im Leben eines Mehrfach- und Intensivtäters“ einen Zeitgenossen, dessen Kerbholz längst Kleinholz ist. Aktueller Anlass war der vergangene Sonntag. Da waren Polizisten quasi ununterbrochen mit dem 40-Jährigen Offenbacher beschäftigt.

Chronologisch: Irgendwann zwischen Mitternacht und 9.45 Uhr bricht ein zunächst Unbekannter in ein Wettbüro an der Berliner Straße ein und klaut einen Plasma-Fernseher. Um 10.55 Uhr klopft in der Kaiserstraße ein Mann aus dem Drogenmilieu an die Wohnungstür einer 44-Jährigen. Sie öffnet, der „entfernte Bekannte“, der sich sechs Stunden später als alter Bekannter der Polizei entpuppen wird, drängt sie in die Wohnung, raubt zwei Handys und will auch noch die Geldbörse, bevor er sich wegen massiver Gegenwehr absetzt.

Doch sein Name ist jetzt bekannt. Und seine Adresse auch. Polizisten holen sich bei der Staatsanwaltschaft eine Durchsuchungsgenehmigung für seine Wohnung. Dort finden sie zwar nicht ihn, dafür aber den Plasma-Fernseher aus dem Wettbüro.

15.15 Uhr, erneut Kaiserstraße: Der Ganove ist auf freiem Fuß und auf ebendiesem schon wieder zu Besuch bei seiner entfernten Bekannten. Diesmal droht er ihr mit dem Tod, falls sie der Polizei vom Einbruch ins Wettbüro erzähle - und lässt zwei weitere Mobiltelefone mitgehen, von der das Opfer einen unerschöpflichen Vorrat zu besitzen scheint.

16.39 Uhr, immer noch Kaiserstraße: Anwohner melden, jemand sei in ein Münz- und Briefmarkengeschäft eingebrochen. Schnell sind etliche Streifen der Ordnungshüter unterwegs, stellen den Kriminellen in der Nähe des Tatortes. Der Offenbacher wird bereits als Mehrfach- und Intensivtäter geführt, hat nun vermutlich einige Taten mehr auf dem Konto. Denn bei seiner Festnahme hatte er noch zwei der gestohlenen Handys sowie Briefmarken und Münzen dabei.

Drogen hatte er nicht in der Tasche. Dass er welche im Körper hatte, ist zu vermuten. „Aufgrund seines Zustandes“, meldet die Polizei, habe er zunächst nicht vernommen werden können. Gestern kam er vor den Haftrichter; vorstellen musste er sich nur noch der Form halber. Er war dort schon vor zwei Wochen vorstellig geworden; sein Haftbefehl wegen diverser Straftaten war allerdings ausgesetzt worden. Gestern lief‘s schlauer: Untersuchungshaft - wegen Wiederholungsgefahr.

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