Hausfrau zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt

Konto leergeräumt, um Pflegekosten zu sparen

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Offenbach - Weil sie als gesetzliche Betreuerin die Pflegekosten für ihre im Heim lebende Mutter nicht zahlen wollte, hat eine 50 Jahre alte Hausfrau deren Konto leergeräumt. Dafür verurteilte sie das Amtsgericht Offenbach zu zwei Jahren auf Bewährung. Zudem muss die Frau 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck räumte die Angeklagte zwar ein, 2012 und 2013 insgesamt 84.000 Euro vom Konto ihrer Mutter abgehoben und für private Zwecke verwendet zu haben. Doch sei sie dazu berechtigt gewesen, weil ihre Mutter ihr eine mündliche Vollmacht gegeben habe, wonach sie das Geld auf dem Konto für sich verwenden könne. Die Rechtspflegerin habe ihr zudem nicht gesagt, dass sie das Geld nicht für sich verwenden dürfe. Das Geld sei überwiegend in die Renovierung zweier Häuser geflossen, so die 50-Jährige. Das habe im übrigen dem Willen der Mutter entsprochen, die gewollt habe, dass die Häuser für die Enkel in Stand gehalten werden.

Die als Zeugin vernommene Rechtspflegerin widersprach jedoch der Angeklagten: Sie gab an, dieser gesagt zu haben, dass das Geld der Mutter zusammengehalten werden müsse. Nachdem die Abhebungen bekannt geworden seien, habe die Angeklagten auf 13 Briefe nicht geantwortet. In den Briefen sei sie aufgefordert worden, die Ausgaben zu rechtfertigen.

Das Gericht sah es vor allem aufgrund der ausbleibenden Antworten auf die Briefe als erwiesen an, dass die Angeklagte um ihr Fehlverhalten wusste und dass die Mutter ihr nie die behauptete Vollmacht gegeben hat. Richter Beck hielt der Angeklagten vor, dass sie das Konto leergeräumt habe, um zu verhindern, dass das Geld für die Pflege der Mutter ans Heim gehe. Sie habe dir Pflegekosten dem Steuerzahler aufladen wollen.

Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und ließ sich von der Staatsanwaltschaft überzeugen, diese zur Bewährung auszusetzen. Dies sei nicht unbedingt geboten, sagte Manfred Beck, aber gerade noch vertretbar, weil die Angeklagte nicht vorbestraft sei und möglicherweise auf Druck der Verwandtschaft gehandelt habe. Die verurteilte 50-Jährige muss außerdem mit der Zwangsversteigerung ihres Hauses rechnen. Aus dem Verkaufserlös soll der entstandene Schaden beglichen werden.

mad

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