An die Notlage angepasst

Wie Offenbacher Privatschulen mit Distanzunterricht umgehen

Auch Privatschüler werden derzeit zu großen Teilen zu Hause beschult.
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Auch Privatschüler werden derzeit zu großen Teilen zu Hause beschult.

Die Pandemie verändert alles, auch den Schul-Alltag. Seit Kurzem ist die Präsenzpflicht für Schüler bis zur 6. Klasse vorübergehend aufgehoben. Ab der 7. Klasse findet Distanzunterricht statt, nur Abschlussklassen müssen noch zum Büffeln ins Schulgebäude. Damit alle Schüler, die zu Hause bleiben, online unterrichtet werden können, hat der Bund den Ländern im Zuge seines „Digitalpakts Schule“ Finanzhilfen gewährt, 372 Millionen Euro hat Hessen bekommen (wir berichteten). Damit können die Schulen auch jene Kinder und Jugendliche, die computermäßig zuhause nicht auf dem Neuesten Stand sind, mit der nötigen Technik ausstatten. Aber gilt das auch für Privatschulen? Und wie erleben diese in Offenbach die derzeitige Situation?

Offenbach - Markus Tumbrink, Leiter der Marienschule: „Unter den gegebenen Umständen können wir zufrieden sein, wie es angelaufen ist.“ Beschwerden lägen bislang weder von Eltern- oder Schülerinnen- noch von Lehrer-Seite vor. „Ein gutes Zeichen“, so Tumbrink. Der Präsenzunterricht für die Abschlussklassen sei ganz normal angelaufen, die Klassen 5 und 6 gehörten an der Marienschule zu den zehn Prozent, die ebenfalls nicht zu Hause, sondern im Schulgebäude unterrichtet werden. Von den 850 Schülerinnen, der katholischen Privatschule für Mädchen, bleiben aber knapp 700 derzeit daheim. Das erzeuge im Schulhaus eine merkwürdige Atmosphäre, aber „denen, die da sind, hilft es, die Hygieneregeln einzuhalten“.

Aber wie sind die Schülerinnen daheim technisch ausgestattet? „Auch als Privatschule haben wir vom Digitalpakt profitiert“, sagt Markus Tumbrink. „Der Schulträger hat sich engagiert, und wir haben eine ordentliche Laptop-Lieferung bekommen. Bisher können wir die Nachfrage von Schülerseite befriedigen.“

Der Distanzunterricht funktioniere bislang gut. „Viele Kollegen machen Video-Unterricht“, erklärt Tumbrink. „Natürlich unter Einhaltung der üblichen Unterrichtszeiten.“ Streamen können die Bildungsvermittler selbst von zu Hause aus, oder auch im Schulgebäude. „Wenn ein Kollege hier einen Abiturkurs mit Präsenzunterricht hat und direkt danach eine achte Klasse per Video, schafft er das sonst zeitlich ja gar nicht. Deshalb kann er das auch von hier aus machen.“ Dabei sei hilfreich, dass die Marienschule erst vor wenigen Monaten ihr Datenvolumen fürs W-Lan erhöht habe. Möglich gemacht hat’s die Unterstützung ihres Fördervereins.

Allerdings sei der Distanzunterricht für alle Beteiligten anstrengender als der normale. „Ich merke es an meinem eigenen Unterricht: Der Vorbereitungsaufwand ist größer, weil man die Inhalte erst aufbereiten und hochladen muss.“

Schwieriger gestaltet sich der Distanzunterricht an der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule. Naturgemäß, schließlich unterrichtet diese verhaltensauffällige Schüler und fördert deren emotionale wie soziale Entwicklung. „Das heißt, dem Jugendamt ist daran gelegen, dass diese Kinder sich eben nicht im häuslichen Umfeld aufhalten, sondern in unseren heilpädagogischen Tagesgruppen oder in den Wohngruppen, die wir in Stadt und Kreis betreiben“, erklärt Schulleiter Alexander Hahn. Dem Thema Distanzunterricht komme daher eine besondere Bedeutung zu. „Wir haben einige Schüler, die die direkte Ansprache in der Schule und die nahe Verbindung zur Lehrkraft brauchen.“

Vom Digitalpakt hat auch die Nell-Breuning-Schule profitiert. Soweit es möglich ist und die individuellen Bedürfnisse der Schüler keine andere Behandlung erfordern, wird Online-Unterricht angeboten. „Es gibt aber auch Kollegen, die fahren unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen ins häusliche Umfeld oder die Wohngruppe und kontrollieren die Hausaufgaben, hören sich Rückmeldungen an und helfen, wenn es Verständnisschwierigkeiten gibt. Viele Kollegen machen das auch telefonisch.“ Das ist nicht immer einfach. „Aber wie versuchen, die Situation mit allem, was wir haben, zu meistern.“

Vergleichsweise unkompliziert läuft es an der Erasmusschule. „Von unseren 100 Schülern sind derzeit 60 für den Präsenzunterricht angemeldet“, berichtet die pädagogische Leiterin Ulla Simm. Die anderen können ihre Klassen-, Englisch- und Spanischlehrer täglich per Videokonferenz kontaktieren. Ob ihr Kind in die Schule geht oder Distanzunterricht bekommt, konnten die Eltern im Vorfeld selbst entscheiden. Technisch ausgerüstet werden musste für die zweite Option niemand. „Das ist der Vorteil“, erläutert Simm. „Es haben schon alle ihre mobilen Endgeräte, seien es die eigenen oder von Mama und Papa.“

Von Marian Meidel

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