Streckenführung der Linie 108

Bus in Bürgel: Es gibt keine Alternative

304 Unterschriften sammelten Anlieger gegen die Streckenführung der künftigen Linie 108. Umfangreich antwortet nun Bürgermeister Peter Schneider und wägt ab. Fazit: Es gibt keine Alternative.

Bürgel - 304 Unterschriften sammelten Anlieger gegen die Streckenführung der künftigen Linie 108. Umfangreich antwortet nun Bürgermeister Peter Schneider und wägt ab. Fazit: Es gibt keine Alternative. Von Martin Kuhn

Horst Wicker, Markus Geyer und weitere Anliger von Mecklenburger, Brandenburger und Anhalter Straße sind vermutlich bitter enttäuscht. Ihr Ansinnen, für die neue Buslinie 108 eine Route zu finden, die explizit ihr Quartier meidet, findet keine Mehrheit – zumindest bei den Fachleuten. Bürgermeister Peter Schneider legt sogar einen drauf. Eine Pressemitteilung ist überschrieben: „Anbindung der Brandenburger Straße erwünscht. “ Schon bei der Übergabe der 304 Signaturen hatten Wicker und Geyer bekundet: „Uns stehen weitere Wege offen. “ Es brodelt also weiter.

Die Auffassung der Organisatoren: Eine solche Anbindung sei unnötig und darüber hinaus verkehrsgefährdend. Der „einseitigen Darstellung“ widerspricht der Grünen-Politiker. Er führt unter anderem einen Anwohner der Brandenburger Straße an, der wegen einer Gehbehinderung auf einen Rollator angewiesen ist und eine stärkere Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln begrüßt: „Das wäre ideal.“ Dietrich Jacob spricht in seinem Schreiben, das er dem Magistrat Anfang Dezember zukommen ließ, gleich zwei Punkte an, die auch die Nahverkehrsplaner im Sinn stehen: Zum einen ist die Anbindung des Wohngebiets für Menschen mit einer Gehbehinderung aktuell schwierig. „Ich brauche“, so Jacob, „von meinem Haus mit Rollator etwa 30 bis 40 Minuten zur nächsten Bushaltestelle. Besonders ältere und gehbehinderte Personen leiden unter der mangelnden Verkehrsanbindung. Nicht jeder hat ein Auto.“

Offenbach in der Bringschuld

Diese Einschätzung teilen laut Jacob Nachbarn, mit denen er gesprochen hat. Einen weiteren Aspekt spricht der Bürgeler an – die Verpflichtung der Stadt, bei neu geschaffenen Wohnsiedlungen für eine angemessene öffentliche Verkehrsanbindung zu sorgen. „Hier steht Offenbach in einer Bringschuld.“ Für ihn ist klar: Das primäre Interesse der Kritiker sei eher die Sorge, dass sie ihr Auto nicht mehr direkt vorm Haus parken können. Er hält dagegen, dass eine gute Infrastruktur gerade für Ältere, die kein eigenes Auto besitzen, wichtiger ist als günstig gelegene Parkplätze. Damit liegt Jacob auf einer Linie mit Bürgermeister und Nahverkehrsorganisation NiO.

Nach neuerlichem Ortstermin steht für Schneider fest: „Der Nahverkehrsplan in seiner vorliegenden Variante schafft eine verbesserte Verkehrsanbindung für die Menschen, die in der Hans-Böckler-Siedlung leben und kein eigenes Auto besitzen oder benutzen möchten. Sie brauchen den Bus und würden deutlich von einer Streckenführung durch Mecklenburger, Brandenburger und Anhalter Straße profitieren.“

NiO hatte für den Nahverkehrsplan 2013-2017 mit einem unabhängigen Planungsbüro, den OVB, Umwelt- und Stadtplanungsamt alternative Streckenführungen geprüft. Sie wurden allesamt als nicht sinnvoll verworfen. Nachdem der Magistrat den Plan beschlossen hatte, erhielt die NiO vier weitere Anfragen betreffend die Streckenführung durch die Hans-Böckler-Siedlung. Alle seien zeitnah geprüft und beantwortet worden. Die Ergebnisse der Prüfungen liegen dem Dezernat des Bürgermeisters vor, der deren „fachliche Substanz und Glaubwürdigkeit“ betont.

Angedacht, aber verworfen

Einige Details: Laut Experten sind die Fahrbahnbreiten in Mecklenburger (5,70 bis 6,10 Meter), Brandenburger (8,30 Meter) und Anhalter Straße (8,40 Meter) für Busse mehr als ausreichend. Die Festlegung der Haltestellen erfolgt im Zuge der konkreten Planung. Vorgesehen sind zwei bis drei Halte , wofür jeweils bis zu fünf Parkplätze wegfallen. Aus Kostengründen ein wichtiger Punkt: Auf der restlichen Strecke der künftigen Linie 108 „gibt es keine Möglichkeiten, an denen das Wenden aus verkehrlicher Sicht möglich ist“.

Angedacht, jedoch verworfen: Das Wenden im neuen Kreisel Mainzer Ring / Anhalter Straße – das würde sogar mit Gelenkbussen funktionieren. „Allerdings stellt die Halteposition hinter dem Kreisel Richtung Innenstadt ein Problem dar.“ Die Haltestelle dient dann nicht nur dem Ein- und Aussteigen, sondern auch als Warte- und Pausenposition. Heißt: Steht dort ein Bus (Linie 108) während seiner vorgeschriebenen Ruhepause, müsste ein regulärer Bus (Linie 101) dort Fahrgäste aufnehmen.´Dafür sei die barrierefrei ausgebaute Halstestelle nicht lang genug; es würden mindestens 45 Meter benötigt und damit würde die Haltestelle in die Kurve geführt: Insgesamt ein hohes Gefährdungspotential.

Der Bürgermeister: „Wir sind mit dem Nahverkehrsplan schon in Verzug. Wenn 314 Anwohner – darunter auch Kleinstkinder, deren Eltern ‚i. A.’ für sie unterschrieben – jetzt laut werden, darf dies nicht das ganze Projekt aufhalten. Schließlich wohnen in den fraglichen Straßenzügen etwa 1300 Bürger - Kinder unter fünf Jahren nicht eingerechnet. Ich bin hoffnungsfroh, dass die Stadtverordneten am 7. Februar die Weichen für eine gute Leistung in Offenbachs Nahverkehr stellen.“

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