Ein Anfang mit Wodka und Gurken

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Vor 20 Jahren reichten sich Offenbach und Orjol die Hände zur Städtepartnerschaft. Das lässt sich - in diesem Fall mit Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider und Vladimir Lipajev als Generalkonsul der russischen Förderation - wiederholen. Bindeglied in der Mitte: der Offenbacher Klubvorsitzende Heiner Zeller.

Offenbach ‐ „Ein leuchtendes Beispiel“ erkennt der russische Generalkonsul Vladimir Lipajev in der Städtepartnerschaft zwischen Offenbach und Orjol. Von Lothar R. Braun

Die Zuhörer, vor denen er das am Mittwochabend im Stadtverordnetensaal des Rathauses sagte, waren nicht nur Offenbacher, sondern auch 30 Gäste aus der russischen Partnerstadt. Sie kamen zu einem Gegenbesuch. Im vergangenen Jahr waren Offenbacher dabei gewesen, als in Orjol der zwanzigste Jahrestag der Verschwisterung gefeiert wurde.

In welchem Klima sich diese Beziehung entwickelte, machte die 20-jährige Fremdsprachen-Studentin Tanja Charlamova anschaulich. Sie hält sich seit zwei Monaten bei in Frankfurt lebenden Mitgliedern des Klubs Offenbach-Orjol auf und sammelt für eine Examensarbeit Interviews mit deutschen Schülern. „Im Augenblick“, gestand sie, „bin ich ziemlich aufgeregt, denn der Dekan meiner Fakultät und die Inhaberin des Lehrstuhls für Deutsch sitzen hier im Saal und sehen mich an.“

Dank an alle Offenbacher Bürger

Sie wird diese Prüfung bestanden haben. Ihren Vortrag bewältigte sie humorvoll und wie mit leichter Hand in einem fließenden und gewandten Deutsch, das ihr vor zwei Monaten noch nicht gelungen wäre. Denn: „Die Deutschen sprechen meiner Meinung nach furchtbar schnell“.

Mittlerweile ist sie daran gewöhnt. Charmant und lebhaft erzählte sie von Erlebnissen und Begegnungen in der deutschen Fremde, bat um Entschuldigung dafür, dass sie in Frankfurt nächtigen muss und schloss mit einem „Dank an alle Offenbacher Bürger, die die Partnerschaft mit meiner Heimatstadt pflegen. Wenn ich mal Kinder habe, werde ich sie unbedingt auch nach Offenbach schicken“.

Ehrenbürger Manfred Wirsing war Stadtverordnetenvorsteher, als das alles 1987 eingefädelt wurde bei einem internationalen Kongress in Saarbrücken. Er erzählte, wie sich das in einem Hotelzimmer entwickelte, bei Wodka, Gurken und kaltem Braten aus dem Koffer des Orjoler Oberbürgermeisters. Wie man einander näher kam und der Wodka das gegenseitige Vertrauen beflügelte, bis der Russe entschied: „Manfred, wir machen Partnerschaft“.

In beiden Städten bildeten sich Klubs

1988 wurde es in Orjol in eine vertragliche Form gebracht. Für Offenbach unterschrieben Wirsing und Oberbürgermeister Wolfgang Reuter. In beiden Städten bildeten sich Klubs, um die offiziellen Beziehungen zu unterfüttern durch den Kontakt „ganz normaler Menschen“. Viel Lob wurde in diesem Zusammenhang am Mittwochabend dem Offenbacher Klubvorsitzenden Heiner Zeller und seinem Orjoler Pendant Elena Klochkova zuteil. Sie hätten es verstanden, jenseits der offiziellen Ebenen Freundschaft zu bieten und anzunehmen.

Zuvor hatte Offenbachs aktueller Oberbürgermeister Horst Schneider die Beziehungen mit der russischen Stadt als besonders warmherzig beschrieben. Unter allen Partnerschaften, die Offenbach betreibt, sei dies „eine besonders intensive, aktive und herzliche“.

Zwei Offenbacher Pianistinnen reicherten die Veranstaltung musikalisch an. Gabriele Scholz und die aus Orjol gebürtige Elena Kotschergina spielten Mozart, Brahms und Rachmaninow. Im Anschluss daran eilten die Gäste ins Haus der Stadtgeschichte, zur Eröffnung einer Ausstellung mit Arbeiten des Orjoler Malers Andrej Kurnakov. Sie wird im Stadtarchiv gezeigt.

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