Die Angehörigen kämpfen oft mit Schuldgefühlen

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Eine illustre Runde versammelte sich während der Feier zum 20-jährigen Bestehen der Alzheimer-Gesellschaft (von links): Hans-Peter Kloppenburg, Heidrun Weber-Grandke, Gabriele Plaut, Bürgermeisterin Birgit Simon und Stephan Detig.

Offenbach - Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer fortschreitenden Hirnleistungsschwäche. Und die Zahl Demenzkranker nimmt immer weiter zu. Heute ist Alzheimer jedem ein Begriff, das war jedoch nicht immer so. Von Denis Düttmann

Als wir unsere Arbeit begonnen haben, war die Krankheit weitgehend unbekannt“, sagt Stephan Detig von der Alzheimer-Gesellschaft. „Man hat damals einfach gesagt, die alten Leute sind eben verkalkt.“ Das ist noch gar nicht so lange her. Im Spätsommer 1989 weiß kaum jemand, was für eine schreckliche Erkrankung sich hinter dem Begriff Alzheimer verbirgt.

Das hat sich inzwischen geändert. Es ist einer der Verdienste der Alzheimer-Gesellschaft Offenbach, die am Samstag ihr 20-jähriges Bestehen im Altenpflegeheim in der Elisabethenstraße feiert. „Wir sind froh und auch ein bisschen stolz, dass wir den pflegenden Angehörigen durch unsere Beratung helfen konnten“, betont die Vorsitzende des Vereins Heidrun Weber-Grandke. Schließlich sei die Betreuung Demenzkranker ein 24-Stunden-Job, der die Pflegenden sehr belaste.

Die Alzheimer-Gesellschaft hat wichtige Aufklärungsarbeit geleistet und dafür gesorgt, dass Patienten und Angehörige heute besser verstanden werden“, sagt Bürgermeisterin Birgit Simon. Pflegende Familienmitglieder von Demenzkranken bräuchten auch mal eine Auszeit, um neue Kraft für die anstrengende Betreuung zu sammeln. „Wir müssen noch mehr entlastende Angebote machen“, fordert Simon. Schließlich gehe es auch darum, die Gesundheit der Angehörigen zu schützen und stressbedingte Zusammenbrüche zu vermeiden.

Emotionale Probleme und praktische Fragen

Die Alzheimer-Gesellschaft wurde 1989 gegründet, um den Angehörigen der Demenzkranken ein Forum zu bieten. In der Selbsthilfegruppe sprechen sie über ihre Sorgen und Nöte, schildern ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit und schöpfen im Austausch miteinander neuen Mut. In der Sprechstunde werden neben den emotionalen Problemen auch ganz praktische Fragen behandelt: Wo bekomme ich Hilfe? Was übernimmt die Pflegeversicherung? Wie gehe ich mit einem Alzheimer-Patienten um?

Die Leute sind oft verzweifelt, weil ein Mensch, den man bereits viele Jahre kennt, sich plötzlich total verändert“, erklärt Stephan Detig, der die Selbsthilfegruppe leitet und auch die Sprechstunde hält. „Wenn sie die Pflege allein nicht mehr schaffen und den Kranken schließlich in ein Pflegeheim geben, haben sie außerdem häufig mit Schuldgefühlen zu kämpfen.“

Die Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat ab 19.30 Uhr im Alzheimer Tageszentrum in Dietzenbach (Adolph-Kolping-Straße 1). Wer die Sprechstunde bei Stephan Detig besuchen möchte, kann unter Tel: 87 87 65 06 einen Termin vereinbaren.

Im Gegensatz zu den Anfangsjahren wüssten die meisten Angehörigen heute ganz gut über die Krankheit Bescheid. „Da ist viel Aufklärungsarbeit geleistet worden, auch durch uns“, so Detig. Zudem werde auch aufgrund der demographischen Situation mehr zum Thema Demenz geforscht. „Das Phänomen wird immer sichtbarer und nimmt deshalb zunehmenden Raum in der öffentlichen Diskussion ein“, sagt Detig. Der ehemalige Leiter der Tagespflege im Seniorenzentrum in der Elisabethenstraße möchte in der Zukunft neue Mitglieder werben und sich für spezielle Wohngruppen für Demenzkranke einsetzen.

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