Sabotageakt

Mediacom-Kunden ohne Netz und TV

Offenbach - War es ein radikalisierter Europa-Hasser? Jemand, dem das Finalergebnis des Eurovision Song Contests nicht in den Kram passte? Oder handelte es sich schlicht um einen dämlichen Kupferdieb, der auch in der heutigen Zeit nicht damit rechnete, auf moderne Glasfaserkabel zu stoßen?. Von Fabian El Cheikh

Petra Weingardt dürfte dies ziemlich egal sein, seit Montagmittag ist sie wieder mit der Welt verbunden. Und telefonieren und E-Mails versenden kann sie glücklicherweise auch wieder. So konnte sie doch noch auf ihr Schicksal aufmerksam machen, das sämtliche Kunden des Offenbacher Kabelanbieters Mediacom über Pfingsten teilten.

„Anscheinend ist bei Mediacom das Licht ausgegangen, bei uns war der Fernseher aus“, berichtete Petra Weingardt. Und ließ wissen, dass bei ihren Nachbarn in der GBO-Liegenschaft an der Von-Behring-Straße auch Internet und Telefon ausgefallen sind. „Alle Mediacom-Kunden sind betroffen. Und zahlreiche GBO-Mieter erhalten Kabelfernsehen von der Mediacom.“

Die Firma bestätigte gestern einen Ausfall der Internetleitungen im gesamten Stadtgebiet. „Das Glasfasernetz wurde durchtrennt“, teilte die Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung mit. Weitere Recherchen ergaben: Unbekannte verübten offensichtlich einen gezielten, mutwilligen Akt gegen das Internet.

Sabotageakt gezielt ausgeführt worden sein

Wie der Sprecher der Energieversorgung Offenbach, Harald Hofmann, mitteilte, seien einer oder mehrere Unbekannte in der Nacht zu Sonntag in einen Übergabeschacht an der Kettelerstraße in Bürgel gestiegen und hätten dort an genau jenem Punkt, an dem das Glasfasernetz der EVO an die Mediacom übergeht, die sogenannte Übergabemuffe durchgeschnitten. Die Folge: Ausfall von internetbasiertem Fernsehen, Telefon und ein weißer Bildschirm beim Aufrufen von Internetseiten.

Dieser Sabotageakt müsse gezielt ausgeführt worden sein, vermutet die EVO. „Der Schachtdeckel auf dem Gehweg ist so schwer, den kann kein Kind anheben“, so Hofmann. „Und auch das Durchtrennen der Übergabemuffe klappt nicht mit einem Teppichmesser. Da muss mit schwerem Gerät, wahrscheinlich einem Bolzenschneider, gearbeitet worden sein.“ Nichts also, das ein Gelegenheitstäter in der Regel bei sich führt.

Zu holen habe es im Untergrund nichts gegeben, „da ist nichts Wertvolles“. Und auch die abgezwackte Muffe wurde ein paar Meter weiter gefunden, den Schachtdeckel schlossen der oder die Täter am Ende wieder ordentlich.

Über Motive und Täter rätselt auch die Polizei

Über Motive und Täter rätselt auch die Polizei, bei der die EVO gestern Anzeige stellte. „Wir haben die Ermittlungen aufgenommen“, heißt es im Präsidium. „Klar ist aber, wer es auf Kupfer abgesehen hat, der findet leichter zugängliche Quellen.“ Zeugen, die in der Nacht zu Pfingstsonntag, gegen Mitternacht, etwas Auffälliges an der Kettelerstraße beobachtet haben, sollen sich bei der Kriminalpolizei melden unter der 069 8098-1234.

Der Schaden in Höhe von 5000 Euro wurde Montagfrüh behoben. Einige Kunden der Mediacom mussten sich aber bis gestern gedulden, bis sie wieder am Netz waren. Die Firma empfiehlt bei Problemen mit dem Internet, das Modem kurz vom Strom zu nehmen, um so einen Neustart zu ermöglichen. Im Fernsehapparat müsse gegebenenfalls ein Sendersuchlauf ausgeführt werden.

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