Scharfe Kritik am Management wegen Jobverlagerung

Angst geht bei Areva um

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Offenbach - Nach Ansicht des Betriebsrats vom Kernkraftwerksspezialisten Areva und der IG Metall dient die geplante Verlagerung der Jobs von Offenbach nach Karlstein und Erlangen in Wirklichkeit dem Arbeitsplatzabbau. Von Marc Kuhn 

Sollten den Mitarbeitern Angebote unterbreitet werden, würde mindestens die Hälfte von ihnen diese nicht annehmen, sagten gestern die Offenbacher Gewerkschaftsvorsitzende Marita Weber und der Chef der Arbeitnehmervertretung, Christoph Storz. „Die Menschen tun sich schwer mit dem Schritt“, erklärte Storz. Er zweifelt an der Notwendigkeit des Vorhabens. Die Geschäftsleitung des französischen Konzerns hatte ein Alternativkonzept der Arbeitnehmer zur Verlagerung abgelehnt. Die Belegschaft ist gestern in einer Betriebsversammlung über die Gründe informiert worden. Die Antwort des Managements sei sehr inhaltslos gewesen, erklärte Weber. „Viel Blabla und nichts dahinter.“ Es gebe Widersprüche in der Argumentation der Geschäftsführung. Von vorgeschobenen Argumenten sprach Storz. Zudem sei dem Hamburger Beratungsunternehmen, das das Alternativkonzept mit erarbeitet habe, zu wenig Zeit eingeräumt worden. Es sah den Erhalt von etwa 440 Arbeitsplätzen vor.

Die Stimmung bei Areva ist mittlerweile gedrückt, berichtete Storz. „Die Menschen resignieren.“ Als in dieser Woche die Mail der Geschäftsführung mit der Ankündigung der Jobverlagerung an die Mitarbeiter gegangen sei, sei der Frust groß gewesen, erläuterte Lothar Sonnenberg vom Betriebsrat. Es gebe viele Gemütslagen, sagte Sandra Ahlborn, ebenfalls von der Arbeitnehmervertretung. Wut, Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit herrschten bei Areva. „Alle sind demotiviert.“ Viele Mitarbeiter seien über 55 Jahre alt und machten sich große Sorgen, dass sie überhaupt noch einen Job im Rhein-Main-Gebiet finden, erklärte Weber.

Demo gegen Schließung von Areva in Offenbach

„Die sollen noch mal nachdenken über die Standortschließung“, sagte Storz an die Adresse des Managements. Die jetzt anlaufenden Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmern über einen Interessenausgleich würden „sicherlich nicht gemütlich“, betonte der Betriebsratschef. Protestaktionen gab es schon in der Vergangenheit. „Wir beabsichtigen das weiter zu tun, wenn es erforderlich ist“, erklärte Storz.

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