Bebauungsplan der Stadt

Angst vor Lidl-Expansion und Verkehrslärm

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Aus dem Kasernenareal an der Bieberer Straße ist ein Discounter-Standort geworden. Anwohner hätten sich eine andere Nutzung gewünscht.

Offenbach - In der Nachbarschaft stößen die Pläne des Lebensmitteldiscounters nicht unbedingt auf ungeteilte Begeisterung. Lidl will seine Filiale auf dem ehemaligen Kasernengelände an der Bieberer Straße vergrößern. Von Thomas Kirstein 

Die Stadt findet das gut und will es über einen neuen Bebauungsplan ermöglichen. Weil die Erweiterung aber eine Verlagerung der Zufahrt voraussetzt und wohl allgemein mehr Verkehr bringt, regt sich bereits Widerstand. Anwohner wie die Bräuners aus der Kopernikusstraße sind über „die Expansionspläne unseres unsäglichen Lidl-Marktes“ verärgert. Schon die Ansiedlung des Billig-Lebensmittlers vor zirka zehn Jahren hatte nachbarschaftlichen Widerspruch erzeugt. Vergeblich, das ehemalige Kasernengelände wurde nicht, wie nebenan bevorzugt, für Wohnungsbau versilbert. Das empfindet man auch als allgemeine Abwertung des Wohnviertels.

Nun möchte Lidl seine Verkaufsfläche von 783 auf 1070 Quadratmeter ausdehnen. „Ziel ist es, eine Standardisierung des Betriebsablaufes und der Logistik sowie eine Verbesserung der Warenpräsentation zu erreichen“, hat sich das Baudezernat in die Begründung der Vorlage diktieren lassen. Die Vergrößerung des Gebäudes in Richtung Gaußstraße erfordert, dass die Zufahrt näher an die sich anschließende Wohnbebauung heranrückt. „Da kann ein Immissionskonflikt entstehen“, formuliert Bauamtsleiter Markus Eichberger die Folge, dass die Nachbarn mehr Lärm abkriegen.

Ein Schallgutachten erteilt Lidl deswegen drei Auflagen: Eine bestehende Mauer ist zu einer Art abschirmenden Carport umzubauen; Pflaster ist durch leiseren Asphalt zu ersetzen; die Andienung des Markts muss „eingehaust“ erfolgen, Lastwagen sind also innerhalb von vier Wänden zu entladen. Ob das besänftigend ankommt, ist fraglich. Bräuners haben schon zum Aufstellungsbeschluss Gegenargumente eingereicht. Beklagt wird der ersatzlose Wegfall weiterer öffentlicher Parkplätze in einem Gebiet, das baujahrbedingt (1920) wenig private vorhält. Zentral für die auch von anderen Anliegern mitgetragene Ablehnung der Discounter-Erweiterung ist aber die zum Fluglärm hinzukommende Geräuschentwicklung durch den Straßenverkehr: „Durch die geplante Verlegung der Ein- und Ausfahrt würde der gewerblich bedingte Lärm tausender an- und abfahrender Kfz und Lkw noch tiefer in das Wohngebiet hineingetragen.“ Die Nachbarn fühlen sich bereits über Gebühr durch den Krach von der sehr oft verstopften Bieberer Straße beeinträchtigt.

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Ihren Widerspruch gegen den Lidl-Bebauungsplan ergänzen die Bräuners um Bitten und Vorschläge zugunsten einer Verbesserung der vorhandenen Situation. So sollte die Stadt kontrollieren und sicherstellen, dass Vorgaben eingehalten werden: Obwohl der Markt – wie seinerzeit bei der Genehmigung für den Lidl-Bau versprochen – erst ab 7 Uhr beliefert werden darf, brummten die Laster schon vor dem ersten Flieger um 5 Uhr auf das Areal. Und dann könnte die Kopernikusstraße als Sackgasse aus zwei Richtungen für den Durchgangsverkehr gesperrt werden.

Bedenken werden ihren Niederschlag finden bei der vierwöchigen Offenlegung des Planentwurfs. Wenn die Stadtverordneten zugestimmt haben, liegt der Entwurf für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Lidl-Markt, Bieberer Straße/Kopernikusstraße“ im Rathaus aus. Vier Wochen lang können auch die Nachbarn dann ihre Ablehnung zu Protokoll geben.

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