Angst vor Schreckens-Diagnose

Offenbach - An Alzheimer zu erkranken ist für viele eine furchtbare Vorstellung. Nur eine Minderheit (23,7 Prozent) ist der Ansicht, die Demenz-Erkrankung sei nicht schlimmer als viele andere Altersleiden auch, wie etwa Osteoporose, Rheuma oder Inkontinenz. Von Peter Schulte-Holtey

Die große Mehrheit hingegen (73,3 Prozent) hält Alzheimer für mindestens so schlimm wie Krebs, weil es dagegen auch noch kein Heilmittel gibt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Apothekenmagazins „Senioren Ratgeber“. Jeder Zweite ist demnach sogar der Ansicht, Alzheimer sei im Vergleich zu anderen gesundheitlichen Leiden das Schlimmste, was einem widerfahren könne.

Tatsächlich trifft es die Betroffenen oft wie ein Schlag. „Ich erlebe an mir Verluste, ich beobachte aber auch die anderen Seiten des Menschseins“, berichtet ein 64-Jährige, der seit drei Jahren von seiner Alzheimer-Erkrankung weiß. Immer mehr Familien machen Erfahrung mit der Krankheit, müssen die Folgen meistern. 2020 werden nach Berechnungen im Kreis Offenbach 3800 bis 6100 Menschen an einer mittelschweren bis schweren Demenz und 3800 bis 15.300 an einer leichten Demenz erkrankt sein.

Pflegeheime vor großen Herausforderungen

Auch viele Pflegeheime im Rhein-Main-Gebiet stehen vor großen Herausforderungen. Die Pflege der meist noch mobilen Patienten ist aufwendig und zeitintensiv. Die Betroffenen brauchen Abwechslung, Zuwendung und Rituale, um das zurückzugewinnen, was ihnen die Krankheit nimmt: Lebensfreude und Selbstbestimmung. Aber in vielen Fällen fehlen Mitarbeiter, die sich ihnen angemessen widmen können. Was immer wieder für heftige Diskussionen sorgt: Um den Personalaufwand gering zu halten, werden Patienten teils zwangsweise fixiert. Denn für jedes Heim ist es ein Alptraum, wenn Alzheimer-Kranke bei Alleingängen stürzen. Aber auch bei der Betreuung im privaten Umfeld gibt es zahlreiche Probleme. Die Betroffenen suchen Rat.

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„Ring frei!“ für pflegende Angehörige

Durch Demenz werden viele Menschen im Alter unfähig, den eigenen Willen eigenverantwortlich zu artikulieren. Aber gerade in solchen Notsituationen gilt es, entscheidende Fragen beantworten zu können. Viele Menschen wollen „die Zukunftsfragen“ geregelt wissen und auch den Angehörigen ein quälendes Szenario ersparen. Der Tipp: Mit einer Vorsorgevollmacht wird eine Person des eigenen Vertrauens ermächtigt zu handeln, falls man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Und in einer Patientenverfügung lässt sich festlegen, welche Behandlungen gewünscht werden bzw. wann der Punkt gekommen ist, an dem man keine lebensverlängernden Therapien mehr möchte.

Es geht den Pflegern, meistens sind es ja Ehepartner oder die Kinder der Erkrankten, auch um tatkräftige Unterstützung.

Wer hilft in der Region? Einige nützliche Adressen:

Ein informativer „Demenz-Wegweiser“ der Kreisverwaltung im Internet (www.kreis-offenbach.de) soll Menschen mit Demenz, deren Angehörige, die sozialen, pflegerischen, ärztlichen Fachkräfte sowie die freiwilligen Helfer unterstützen, die richtigen Ansprechpartner zu finden.

Anke Schück vom Caritasverband Frankfurt organisiert mit weiteren Mitarbeitern Urlaubsreisen für Angehörige und Demenzkranke (Caritasverband Frankfurt, Seniorenerholung, Humboldtstraße 94, 60318 Frankfurt, Telefon: 069/59792059).

Informationen gibt es auch bei der Alzheimer Gesellschaft Region Offenbach, Stephan Detig, Offenbach, Telefon: 069/87876506; Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig-Kreis, Bärbel Gregor, Telefon: 06051/851 6160.

Freiwilligenzentrum Offenbach, Kaiserstraße 44, 63065 Offenbach, Telefon: 069/8236 7039.

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