37 Anlieger sollen sich 438 000 Euro teilen

+
Eine alte Postkarte zeigt Offenbachs zentrales Schmuckkästchen, wie ihn sich auch die heutigen Stadtplaner und der Oberbürgermeister vorstellen: autofrei. Tatsächlich sollen die Fahrzeuge künftig nur noch die Hälfte als Parkplatz zur Verfügung haben.

Offenbach - Die Konfrontation fand am Montagabend hinter den für die Öffentlichkeit verschlossenen Türen des Stadtverordnetensitzungssaals statt - die Berichterstattung muss sich folglich auf die Eindrücke von Beteiligten auf beiden Seiten stützen. Von Thomas Kirstein

Nach teils heftigem Vorgeplänkel wegen des in die Ferien gelegten Termins kamen Anlieger ins Rathaus, um sich erstmals unmittelbar über den zweiten, sie finanziell belastenden Bauabschnitt der Wilhelmsplatz-Umgestaltung informieren zu lassen.

Stadt-Sprecher Matthias Müller registrierte bei einer Versammlung, bei der es auch nicht heftiger zugegangen sei als bei ähnlichen Gelegenheiten, durchaus geteilte Meinungen. Rosen-Apotheker Dr. Hans-Rudolf Diefenbach, einer der Betroffenen, fasst dagegen zusammen: „Der Oberbürgermeister musste zur Kenntnis nehmen, dass von den Hauseigentümern so gut wie keiner will, was da geplant ist.“

Eingeladen hatte OB Horst Schneider, ihm zur Seite saßen etliche Mitarbeiter seines Amts für Stadtplanung und Baumanagement den 14 (von 37) erschienenen Grundstücks- und Wohnungseigentümern gegenüber. Diese erfuhren, was nach aller Voraussicht auf sie zukommen wird, wenn die Stadtverordneten nach den Sommerferien beschließen, nicht nur den Wilhelmsplatz selbst, sondern auch die ihn östlich und westlich säumenden Straßen umzugestalten. Unter anderem soll die Trennung zum Platz hin weitgehend aufgehoben werden. Weil es sich anbietet, werden bei dieser Gelegenheit der Kanal und die Wasserleitungen erneuert.

„Horrorzahlen treffen nicht zu“

Die Zahlen sind, wie der OB laut Stadt-Pressesprecher Matthias Müller stets betonte, nur vorläufig. Sie geben den Betroffenen aber Hinweise, was auf sie zukommt. Die jeweilige Belastung richtet sich nach Größe des Grundstücks und Art der Nutzung, also Wohnen oder Gewerbe.

Auf eine Million Euro ist der zweite Umbauabschnitt, der 2010 begonnen werden soll, veranschlagt. Davon müssen die Anlieger 438 000 Euro tragen. Im Durchschnitt werden 40 Euro pro Grundstücks-Quadratmeter fällig, letztlich Gesamtbeträge zwischen 9000 und 39 000 Euro. Der Kanalbau kostet nichts; Pech hat, wer seinen Hausanschluss erneuern muss.

Die genannten Horrorzahlen zwischen 30 000 und 60 000 Euro treffen nicht zu“, sagt Stadt-Sprecher Müller. Die Belastung der Hausbesitzer beruhe auf der laut Straßenbeitragssatzung für sie günstigsten Einstufung. Für den Wilhelmsplatz selbst müssten sie nichts bezahlen, andere Umgestaltungen, etwa in der Frankfurter Straße oder am Mathildenplatz, seien für die Anlieger weitaus teurer gekommen. „Es ist immer die Frage, ob die Allgemeinheit allein für etwas aufkommen soll, was auch den Immobilienbesitzern eine Wertsteigerung beschert“, verteidigt Müller, dass die Nachbarschaft für die Kosten herangezogen wird.

Mit 20 000 Euro zu seinen Lasten rechnet Dr. Hans-Rudolf Diefenbach. Eine Wertsteigerung mag der Eigentümer und Inhaber der Rosenapotheke an der Ecke Wilhelmsplatz/Bieberer Straße nicht erkennen. Auch ist er skeptisch, ob die genannten Summen gehalten werden können. Drei Anlieger hätten deutlich gemacht, dass sie die auf sie zukommenden Anteile kaum finanzieren könnten.

Diefenbach zeigt sich zutiefst unzufrieden damit, wie die Beteiligung bisher verlaufen ist: „Wenn ein Partner bezahlen soll, dann muss man ihn von vornherein einbinden und ihn nicht mit einem fertigen Konzept konfrontieren.“

Der streitbare Apotheker hätte sich gewünscht, dass ein Bürgergremium aus Hauseigentümern, Gastronomen und Geschäftsleuten früh gefragt gewesen wäre, um einen Kompromiss zu finden. „Stattdessen gab’s auf dem Wochenmarkt eine Befragung von Leuten, die hier gar nicht wohnen“, kritisiert Hans-Rudolf Diefenbach die bisherige Bürgerbeteiligung.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare