Innovation ist Trumpf

Offenbacher Sprachdienstleister EVS: Konstante in wechselhafter Branche

Edward Vick, Gründer von Edward Vick Sprachdienstleistungen.
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Hat Offenbach nie den Rücken zugekehrt: EVS-Unternehmensgründer Edward Vick.

Edward Vicks Übersetzungsfirma agiert weltweit, ist den eigenen Wurzeln aber stets treu geblieben. Ihr Markenzeichen: Flexibilität und Aufgeschlossenheit.

Offenbach – Ein Tag im Jahr 1991: Edward Vick sitzt in seinem Wohnzimmer in der Ludwigstraße, um ihn herum ein paar Kollegen, gemeinsam feilen sie an einem Übersetzungsauftrag vom Deutschen ins Englische. Die Ergebnisse tippen sie per Schreibmaschine ab.

Ein Tag im Jahr 2021, 30 Jahre später: Edward Vicks Mitarbeiter erstellen für ein Großunternehmen digital Video-Untertitel in 20 Sprachen, immer synchron, die Ergebnisse sehen Menschen in den verschiedensten Ecken der Welt.

Zwei Momentaufnahmen, der Arbeitsalltag ein und desselben Offenbacher Unternehmens: EVS Translations mit Sitz in der Luisenstraße. Kaum eine Branche verändert sich so rapide wie das Übersetzungsgeschäft, kaum eine ist aufgrund des niedrigschwelligen Zugangs so großem Konkurrenzdruck ausgesetzt.

Die Anfänge: Erst Wohnzimmer, dann weite Welt

Als Edward Vick nach seinem Cambridge-Studium in Englischer Literatur ins Rhein-Main Gebiet kam – Deutsch musste er damals erst lernen – ahnte er noch gar nicht, was da auf ihn zukommen sollte. Zunächst arbeitete er nämlich als Studienreiseleiter für eine amerikanische Firma in Frankfurt. Irgendwann ging die Nachfrage nach dem Angebot zurück. „Ich dachte mir, ich will meine Fähigkeiten anderweitig einsetzen“, sagt er heute. Sein Faible für Sprachen sah er als wichtigste Stärke.

Und so kam es, dass er 1991 die Firma mit dem Namen „Edward Vick Sprachdienstleistungen“ gründete, Fokus auf Sprachtraining und Übersetzungen. Anfangs arbeitete er noch in der eigenen Wohnung. Ab und zu musste er mit der Bahn nach Frankfurt, gleich in Bahnhofsnähe, in der Luisenstraße, fand sich dann ein kleines Büro. „Besser als zuhause ist das auf jeden Fall“, dachte er sich. Heute hat seine Firma 60 Prozent des Hauses angemietet.

Leisten kann sich das Unternehmen das, weil es laut Vick auf ein kontinuierliches Wachstum von jährlich 15 % zurückblickt, zumindest bis zum Pandemie-Beginn. Hauptsitz ist zwar Offenbach, mittlerweile existieren aber Dependancen in Leverkusen, München, Berlin und auch international in England, den USA, sogar Bulgarien. Vicks Firma ist längst ein Branchenschwergewicht. Zupass kommen EVS dabei verschiedene Stärken.

Interne Expertise und Veränderungsfähigkeit als große Stärken

So verfügt es im Gegensatz zu vielen Konkurrenten über hausinternes Personal, beschäftigt weltweit rund 150 Mitarbeiter. Die meisten Sprachdienstleister, so Vick, würden ihre Expertise nämlich nur extern und auftragsspezifisch anheuern. Dieser Fokus auf Qualität hat seinen Preis, zu den bittersten Firmen-Erfahrungen zählt der Verlust zweier DAX-Unternehmen als Kunden, die sich lieber nach einem billigeren Dienstleister umschauten.

Für Vick aber kein Grund, an der grundsätzlichen Ausrichtung seiner Firma zu zweifeln. Denn auch im Hinblick auf das Thema Datensicherheit, das neben Zeit, Qualität und Kosten zum wichtigen vierten Faktor aufgestiegen ist, sei die Unternehmensstruktur zeitgemäß. „Wir haben viel weniger externe Schnittstellen“, so Vick, und damit auch ein geringeres Sicherheitsrisiko als andere Konkurrenten. Außerdem verfügt EVS über einen Rechtsanwalt, der sich mit Datenfragen befasst – laut Vick Alleinstellungsmerkmal unter deutschen Übersetzungsbüros.

Dann ist da natürlich noch diese Flexibilität, die das Unternehmen seit Jahren unter Beweis stellt. Der Wille, mit der Zeit zu gehen. Eigentlich sei EVS Translations gar nicht mehr klassisches Übersetzungsbüro, sondern viel näher am Gründungsnamen dran: Sprachdienstleister. In den letzten Jahren beschäftigte sich das Unternehmen vor allem mit Dingen wie Google Optimierung, Text-Korrektur, Dolmetschen, und eben Videobearbeitung. Eine immer größere Rolle spielen dabei eigene Wort-Datenbanken. Auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz ist in die Arbeit integriert: „Vor 10 Jahren waren die KI-Ergebnisse grottenschlecht. Wir haben viel Zeit investiert, vor zwei Jahren gab es einen Quantensprung,“ sagt Vick.

Geheimrezept? Fehlanzeige!

Wie schafft er es, sich auch nach 30 Jahren kontinuierlich auf Neuerungen einzulassen? Ein Geheimrezept hat Vick nicht parat. Für ihn waren Herausforderungen irgendwie schon immer Teil des Geschäfts. In der Anfangszeit habe ein Kunde gefragt, ob EVS denn nicht nur Englisch, sondern auch Französisch übersetze – und damit habe es angefangen. „Wir mussten entscheiden. Und haben gesagt ‘Yes we can!’.“ Im Grunde stelle sich genau die gleiche Frage bei technologischen Entwicklungen. „Entweder wir sagen: Wir sind 60 Jahre alt und wollen nicht mehr. Oder wir setzen uns zusammen und fragen: Wie machen wir das jetzt?“ (Julius Fastnacht)

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