Anpfiff fürs Sportzentrum

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Die Tage des Zehn-Meter-Turms sind gezählt. Mit seiner Sprengung Mitte August fällt der Startschuss für den Bau des neuen Sportzentrums Wiener Ring auf dem Gelände des ehemaligen Tambourbads.

Offenbach - Für was dieses Areal schon alles herhalten musste: Anfang des 19. Jahrhunderts übten dort die Soldaten des Großherzoglich-Hessischen Infantrieregiments 168 den Gleichschritt, nebenan tobte sich die Militärkapelle mit ihren Trommlern, den Tambouren, aus. Von Matthias Dahmer

An rund ein Jahrhundert später erinnert sich Ernst Puth noch ganz gut: „Das war ein riesiges, 20 Meter tiefes Loch mit einem See, an einer Seite befand sich eine Steilwand. Wir haben dort als Kinder Molche gefangen“, erzählt der Mann vom FC Bieber. Und: „Was da später nicht alles reingeschüttet wurde.“ In der Tat diente das Tambourgelände, von dem hier die Rede ist, bis in die 50er-Jahre als Mülldeponie, die Umweltsünde war dann im wahrsten Sinne des Wortes die wackelige Grundlage fürs 1967 eröffnete Tambourbad.

Immerhin: Fast 17 Jahre konnten die Offenbacher wahlweise dort ihre Bahnen ziehen oder sich auf dem nahezu baumlosen Gelände einen Sonnenbrand holen, bevor das Bad wegen Bodensenkungen infolge der früheren Vermüllung im März 1994 dicht gemacht wurde.

Nun also bricht eine neue Zeitrechnung auf dem Tambourgelände an. Das wird alleine schon mit dem Namen dokumentiert: Mit dem „Sportzentrum Wiener Ring“ soll offenbar ein Schlussstrich unter die bewegte und nicht immer rühmliche Tambour-Zeit gezogen werden. „Wir werden die Brache Vergangenheit werden lassen“, versprach denn auch Oberbürgermeister Horst Schneider bei Vorstellung der Pläne.

Die etwa zwölf Hektar große Parzelle soll neue Heimat für die Fußballer der SG Wiking und des FC Bieber sowie Teil-Exil für den OFC werden, die alle drei kleine Vereinsheime hingestellt bekommen. Zusätzlich sind Trainingsmöglichkeiten für die LGO und den TV Bieber geplant.

Abbruchparty: Sprungturm wird gesprengt

Das fünf Millionen Euro teure Projekt wird unter der Regie der eigens gegründeten Stadtwerke-Tochter Sport- und Freizeit GmbH (SFO) errichtet. Durch die Alles-in-einer-Hand-Methode ergibt sich nach Angaben von SFO-Geschäftsführer Dieter Lindauer eine Steuerersparnis von 950000 Euro.

Als Baubeginn für das Breitensportzentrum ist der August angepeilt. Spektakulär dürfte dabei die Sprengung des zehn Meter hohen Sprungturms sein, dessen Reste dann als Füllmaterial fürs ehemalige Springerbecken dienen werden. Parallel dazu soll eine Abbruchparty auf dem Gelände steigen, das mit Blick auf die Abfallvergangenheit auf ganzer Fläche mit einer rund 60 Zentimeter dicken Erdschicht bedeckt wird.

Weniger was für die Schaulustigen, dafür umso wichtiger für die Sportler ist die ebenfalls für August geplante Errichtung eines Kunstrasenplatzes südlich des bestehenden Hartplatzes unterhalb des ehemaligen Schwimmbadgeländes. „Der ist im November fertig und mit Flutlicht ausgestattet“, kündigt der OB an. Gleichzeitig musste er Erwartungen von Vereinsvertretern dämpfen: „Der Platz ist zunächst für die Jugendmannschaften des OFC reserviert.“ Ob auch die anderen zum Zuge kommen, darf bezweifelt werden. Der Kickes-Nachwuchs absolviere bis zu 45 Trainingseinheiten pro Woche, sagte OFC-Vize Volker Eckrich.

Gleichwohl verströmte die Vereinswelt beim Pressetermin in den alten Gemäuern des Tambourbads Harmonie: Die Stadt habe sich „allergrößte Mühe“ mit dem Projekt gegeben, lobte Wiking-Vorsitzender Detlef Reissmann im Namen aller bedachten Vereine. Der größte Fortschritt sei indes, dass die drei Vereine die Nutzung intern regelten. Reissmann: „Uns ist ein reibungsloses Miteinander gelungen, und wir können die Befürchtung zerstreuen, dass ein Großer die Kleinen unterbuttert.“

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