Das Auf und Ab der Ansiedlung

+
Sein Teilelager an der Waldstraße hat Honda mittlerweile verlagert. 18 000 Quadratmeter stehen zum Verkauf.

Offenbach ‐ Die Firmen mit Entwicklungspotenzial halten und darauf setzen, dass sie expandieren oder zumindest zum Magnet für weitere Ansiedlungen werden. Von Matthias Dahmer

Für den obersten städtischen Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger und seinen Boss Oberbürgermeister Horst Schneider ist das eines der Grundprinzipien erfolgreicher kommunaler Wirtschaftspolitik.

Mal funktioniert es, wie das Beispiel der Tester von VDE zeigt, die zusätzlich zu ihrem Standort an der Merianstraße eine millionenschwere Batterieprüfanlage auf dem ehemaligen Allessa-Gelände errichten. Mal funktioniert es nicht, wie die der größeren Nähe zu den Wachstumsmärkten im Osten geschuldete Verlagerung des großen Honda-Teilelagers nach Polen beweist - ein Vorgang, der dafür sorgt, dass an der Waldstraße 207 nun 18.000 Quadratmeter Lagerfläche zum Verkauf stehen.

Dieses Auf und Ab im örtlichen Wirtschaftsleben kann in nüchternen Zahlen im jährlichen Flächenreport nachgelesen werden, dessen immerhin schon 19. Auflage Schneider und Amberger gestern präsentierten.

Flächenmarkt weitgehend stabil geblieben

Die zentralen Botschaften des laut Amberger bei Investoren und Maklern gut nachgefragten Reports: Der Flächenmarkt ist weitgehend stabil geblieben, die Leerstandsquote ist leicht von 9,62 Prozent im Jahr 2009 auf 10,51 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: In Frankfurt liegen im Vergleichszeitraum die Zahlen bei 11,3 und 13,2 Prozent.

Die in der Branche mit dem größten Interesse verfolgte Entwicklung dürfte die der Büroflächen sein. Etwas mehr als 131.000 Quadratmeter davon standen zum Stichtag 25. September leer, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 11.000 Quadratmeter. Er ist vor allem der Fertigstellung neuer Büroflächen im KOMM sowie im Kaiserleigebiet neben Siemens geschuldet, wobei im KOMM in den nächsten Monaten schon wieder Räume durch ein Planungsbüro und ein Fitnessstudio belegt werden. „Eine weitere Zunahme an Leerständen in Bestandsgebäuden konnte durch entsprechende Neuvermietungen ausgeglichen werden“, sagt Jürgen Amberger. So hat das Unternehmen Areva 3000 Quadratmeter im Omega-Gebäude angemietet, die Hochschule für Gestaltung ist in eine Immobilie an der Geleitsstraße eingezogen.

Kein geeignetes Gelände für Honda im Angebot

Die größten Leerstände an Büroflächen sind im ehemaligen Honeywell-Gebäude im Kaiserlei sowie weiterhin im City-Tower und im Haus der Wirtschaft zu verzeichnen. Die beiden Innenstadt-Immobilien sind jeweils nur zur Hälfte vermietet. Sorgen bereiten sie Jürgen Amberger deshalb nicht. Im Gegenteil: „Das sind unsere Potenziale in vorzeigbaren Objekten“, sagt er. Ohnehin hätte der Wirtschaftsförderer mitunter gerne etwas mehr Flächen im Angebot, um der Kundschaft eine größere Auswahl zu bieten. Das relativ kleine Stadtgebiet ist für Oberbürgermeister Schneider das einzige echte Hindernis in Sachen Ansiedlungspolitik. So habe man etwa Honda kein geeignetes Gelände anbieten können, als das Unternehmen auf der Suche nach 100.000 Quadratmetern für ein Schulungs- und Fahrdynamikzentrum gewesen sei.

Mit 40.000 Quadratmetern einen neuen Höchststand haben die leeren Lager- und Produktionsflächen in Offenbach erreicht. Schuld daran, dass sich in diesem Segment der Leerstand mehr als verdoppelt hat, ist vor allem das verwaiste Teilelager von Honda. Hinzu kommen zwei Liegenschaften im Gebiet Offenbach-Ost, darunter 2500 Quadratmeter auf dem ehemaligen Güterbahnhof.

Mit einer Zunahme um rund 500 auf 7600 Quadratmetern ist der Leerstand bei den Ladenflächen im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant geblieben. Als eine Konstante können auch die Mieten angesehen werden. Leichten Schwankungen bei den Büromieten liegen jeweils im Bereich von 50 Cent pro Quadratmeter, die Mietpreisspannen bei den Lager- und Produktionsflächen sind ebenfalls stabil geblieben.

Der größte städtische Hoffnungsträger, das Hafenareal, ist im diesjährigen Flächenreport noch nicht vertreten. Für die Grundstücke rund um das Hafenbecken sei aber mittlerweile eine Ausschreibung beendet, die Bewerberzahl sei einstellig gewesen, so Horst Schneider.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare